Impfstoff aus Tübingen

„Respekt, Sie haben Eier“: Tübinger OB Boris Palmer hat sich gegen das Coronavirus impfen lassen

  • Lisa Schönhaar
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Das Biotech-Unternehmen Curevac aus Tübingen arbeitet an einer Impfung gegen das Coronavirus und testet den Wirkstoff aktuell an Menschen. Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer hat sich freiwillig gemeldet.

  • Im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg und auf der ganzen Welt wird unter Hochdruck an einem Impfstoff geforscht.
  • Das Biotechnologie-Unternehmen Curevac aus Tübingen hat bereits früh erste Erfolge erzielt und testet den potenziellen Impfstoff derzeit an Menschen.
  • Dafür hat das Unternehmen eine prominente Testperson gewonnen: Boris Palmer meldete sich freiwillig, um sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen.

Tübingen - Das Coronavirus in Baden-Württemberg (BW24* berichtete) verbreitet sich zwar langsamer als zu Beginn der Corona-Pandemie, es stellt jedoch noch immer eine Bedrohung für die Gesundheit dar - insbesondere für die Risikogruppe, zu der ältere und gesundheitlich vorbelastete Menschen gehören.

Aktuellen Zahlen des Sozialministeriums zufolge sind die Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg* kürzlich wieder angestiegen. Forscher auf der ganzen Welt arbeiten deshalb mit Hochdruck an einem Impfstoff. Das Biotechnologie-Unternehmen Curevac aus Tübingen hatte bereits Ende Mai einen ersten Teilerfolg erzielt* und vielversprechende Ergebnisse eines potenziellen Impfstoffs bei Tierversuchen gemeldet. Inzwischen führt Curevac eine klinische Studie an Menschen durch, deren Ergebnisse bereits Mitte September vorliegen könnten. Einer der freiwilligen Probanden ist Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer, der kürzlich in einer Talkshow mit einem Corona-Witz provozierte* und dafür im Netz Häme kassierte. Auch zu den Ausschreitungen in Stuttgart hatte Boris Palmer Stellung bezogen und Winfried Kretschmann einen Brandbrief geschickt*.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Boris Palmer hat sich als Testperson mit dem Wirkstoff der Tübinger Biotech-Firma Curevac impfen lassen.

Boris Palmer als Testperson von Curevac gegen Covid-19 geimpft

Um das Coronavirus in Baden-Württemberg* einzudämmen, wird vor allem auf Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen und Hygieneauflagen gesetzt. Experten aus der Wissenschaft sind sich jedoch einig, dass die Covid-19-Pandemie letztlich nur mit einem Impfstoff gegen das Coronavirus aufgehalten werden kann. Die Biotech-Firma Curevac aus Tübingen hat nun eine prominente Versuchsperson für ihren potenziellen Impfstoff gewinnen können: Wie Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer auf seiner Facebook-Seite mitteilte, hat er sich im Rahmen der laufenden Studie gegen Covid-19 impfen lassen. Mit seinen Aussagen zum Coronavirus in Baden-Württemberg hatte Boris Palmer Anfang Mai Empörung ausgelöst* - die Grünen forderten daraufhin seinen Parteiausschluss.

Boris Palmer habe als Testperson bei der Studie zum Corona-Impfstoff der Tübinger Firma Curevac mitgemacht, schreibt der Grünen-Politiker in einem Facebook-Beitrag. „In meiner Altersgruppe hat es an Probanden gefehlt, die den Gesundheitscheck überstanden. Ich habe mich gerne dafür zur Verfügung gestellt“, schreibt Palmer. Er fühle sich topfit, so Palmer weiter. „Ich bin jetzt hier unter ständiger Beobachtung, falls doch eine Nebenwirkung auftreten sollte. Ich spüre aber rein gar nichts.“ Zwar gebe es eine Wahrscheinlichkeit von 17 Prozent, dass er bei der Studie nur ein Placebo erhalten habe. „Aber da hoffe ich jetzt mal, dass ich den Wirkstoff im Arm habe.“ Boris Palmer adressiert auch die Impfgegner, die immer wieder fordern würden, man solle sich doch selbst zuerst impfen lassen. Er sei froh, dass er wahrscheinlich weltweit zu wenigen 1.000 Menschen gehöre, die schon jetzt gegen Corona durch eine Impfung immun würden.

Boris Palmer: Curevac testet Impfstoff an Menschen, 180 Probanden haben sich gemeldet

Curevac aus Tübingen hatte im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg nach der Mainzer Firma Biontech als zweites deutsches Unternehmen die Genehmigung für eine klinische Studie erhalten. Derzeit gibt es nach Angaben des Instituts für Tropenmedizin in Tübingen etwa 180 Probanden - darunter nun auch den Oberbürgermeister der Stadt. Nach den sogenannten präklinischen Studien - den Tests an Tieren - wie sie Curevac bereits durchgeführt hat, folgen die klinischen Studien (am Menschen). Diese sind in drei eigene Phasen unterteilt: Phase eins, die erste Studie am Menschen, kann innerhalb weniger Wochen ein Ergebnis liefern. Sie muss klären, ob auch Menschen den neuen Impfstoff gut vertragen. Phase zwei und drei einer Studie sollen erneut bestätigen, dass der Impfstoff unschädlich ist, aber gleichzeitig eine Immunreaktion im Körper auslöst. Mehrere hundert bis zu tausend Probanden nehmen an mehreren Testläufen teil - darunter eventuell auch schon Risikogruppen.

Im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg ruht auch die Hoffnung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann* auf einem Impfstoff. In einer Regierungserklärung Ende April hatte Kretschmann gesagt, eine schnelle Rückkehr zur Normalität werde es erst mit einem Impfstoff geben, was noch viele Monate dauern könne. Die Entwicklung eines Impfstoffs gegen Covid-19 ist allerdings sehr teuer. Deshalb hat sich Curevac aus Tübingen bereits um finanzielle Unterstützung bemüht bemüht. Die Bundesregierung investiert 300 Millionen Euro in Curevac*, weitere 260 Millionen Euro erhält die Biotech-Firma von anderen Investoren. Jetzt geht Curevac den nächsten Schritt: Der Gang an die New Yorker Technologiebörse* Nasdaq soll weitere rund 209 Millionen Euro einbringen.

Auch Covid-19-Tests sind eine wichtige Waffe im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg. So haben ehemalige Doktoranden der Universität Freiburg mit ihrem Start-up einen Corona-Schnelltest* entwickelt. Dazu haben die Forscher einen bestehenden Schnelltest umgerüstet, an dessen Grundkonzept ihr Doktorvater an der Uni Freiburg schon seit 30 Jahren forscht. Die Landesregierung von Baden-Württemberg glaubt an den Erfolg und unterstützt das Projekt mit 6 Millionen Euro. *BW24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © dpa / Sebastian Gollnow

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