Shoppingtouristen befürchtet

„Weiß nicht, was das soll“: Bayern lockert ab Montag, Baden-Württemberg ist stinksauer

  • Sina Alonso Garcia
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Während in Baden-Württemberg derzeit nur kleine Lockerungen der Corona-Maßnahmen erfolgen, nimmt Nachbarland Bayern deutlich mehr Einschränkungen zurück.

Stuttgart/München - Obwohl die Corona-Neuinfektionen derzeit kaum noch sinken, sondern stagnieren, lockert Bayern kommende Woche die Schutzmaßnahmen. Ab Montag dürfen Kunden dort neben dem Besuch von Friseur- und Nagelstudios sowie Gartencentern auch wieder ganz regulär in Baumärkten einkaufen gehen. Das beschloss die bayerische Landesregierung am Dienstag.

Alles andere als erfreut reagierte die Regierung im Nachbarland Baden-Württemberg. Hier sollen deutlich weniger Lockerungen für den Handel* kommen. Man sei irritiert angesichts der Kehrwende des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU), sagte der baden-württembergische Regierungssprecher Rudi Hoogvliet der Deutschen Presseagentur (dpa) in der Landeshauptstadt Stuttgart*. „Bisher war er immer der harte Hund, jetzt fängt er an, eine Sache nach der anderen Sache zu öffnen“, sagte Hoogvliet. „Ich weiß nicht, was das soll.“

Lockerungen: Baden-Württemberg fürchtet Shopping-Tourismus nach Bayern

Weil das Kabinett um Ministerpräsident Winfried Kretschmann* (Grüne) die Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg* immer noch kritisch sieht, bleibt der Einzelhandel bis auf Friseure und Blumenläden auch Anfang März im Bundesland noch geschlossen. Die Hoffnung auf eine baldige Öffnung zerschlug Kretschmann*.

Dass Bayern nun mit der Öffnung von Baumärkten vorprescht, wird in Baden-Württemberg kritisch gesehen. Regierungssprecher Rudi Hoogvliet betont, dass es darüber keine Abstimmung vonseiten der Bayern gegeben habe - auch nicht in Hinblick auf Shoppingtouristen, die nun möglicherweise über die Landesgrenze fahren. Auch verstehe er nicht, warum Söder damit nicht auf die Ministerpräsidentenkonferenz kommende Woche gewartet habe.

Für die Öffnung von Blumenläden ab Montag habe man noch Verständnis, da es sich um verderbliche Ware handle, sagte Hoogvliet. Aber: „Hammer und Farbe verderben nicht so schnell.“ Auch sind die Infektionszahlen in Bayern längst nicht so niedrig wie die im Ländle. Während Baden-Württemberg bei den 7-Tage-Inzidenzen im Bundesvergleich gut dasteht, schwankt die Zahl der Neuinfektionen im Freistaat Bayern so stark wie nirgendwo anders in Deutschland. Mit Tirschenreuth (335,3) stellt Bayern sogar den Landkreis mit dem höchsten Infektionsgeschehen in ganz Deutschland.

Winfried Kretschmann orientiert sich am Kurs der Bundesregierung - die mahnt zur Vorsicht

In Baden-Württemberg werden zum 1. März Friseure, Blumenläden und Gartencenter geöffnet - mehr allerdings nicht, wie Ministerpräsident Winfried Kretschmann deutlich machte. Der Schwabe hält den Kurs der Bundesregierung für richtig. Erst kürzlich hatte der Bund angesichts der stagnierenden Corona-Infektionszahlen bei möglichen Lockerungen der bestehenden Regeln zur Vorsicht gemahnt. Es gebe derzeit schon erhebliche Öffnungsschritte, besonders bei Kitas und Schulen, so Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag.

Ralf Brinkhaus, Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, fürchtet angesichts der unterschiedlichen Öffnungsschritte einen Machtkampf der Bundesländer. Da er ein „Rennen nach oben“ unter den Nachbarländern für wahrscheinlich hält, wünscht er sich eine bundeseinheitliche Vorgehensweise. Über ein weiteres Vorgehen soll am 3. März die nächste Ministerpräsidentenkonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel entscheiden.

Winfried Kretschmann: „Click & Meet“ könnte für Baden-Württemberg Perspektive sein

Der Lockdown in Baden-Württemberg* dauert nach aktuellem Stand noch bis mindestens zum 7. März. Für den Einzelhandel sieht Ministerpräsident Winfried Kretschmann derzeit wenig Öffnungspotenzial. Jedoch könne er sich vorstellen, dass das Konzept „Click & Collect“, also online bestellen und im Laden abholen, eine Perspektive wäre. Kretschmann will angesichts der vielfach auftretenden Corona-Mutationen in Baden-Württemberg* aber nur „sücklesweise“ vorgehen.

Während Kretschmann bei der Öffnung des Einzelhandels eher zaghaft vorgeht, plant er hinsichtlich der Kontaktbeschränkungen Lockerungen*. Auch wenn die Zahl der Infektionen nicht unter die Schwelle von 35 pro 100.00 Einwohnern binnen sieben Tagen sinke, könne es hier eine leichte Öffnung geben, sagte Kretschmann der dpa. „Ich könnte mir vorstellen, dass wir wieder auf zwei Haushalte kommen.“ Bisher dürfen sich im Lockdown nur ein Haushalt und eine weitere Person treffen. Allerdings müsse für eine Lockerung die 7-Tage-Inzidenz dauerhaft unter 50 liegen, sagte der Regierungschef. *BW24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/Sebastian Gollnow/dpa

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