Zwangsstörungen wegen Covid-19

Psychiater warnt davor, was die Corona-Lage mit der Psyche der Menschen macht

  • Lisa Schönhaar
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Weil sich das Coronavirus in Baden-Württemberg weiterhin verbreitet, gehen Experten davon aus, dass die Zahl der Erkrankten mit psychischen Störungen zunimmt.

  • Das Coronavirus in Baden-Württemberg hat große Auswirkungen auf das Leben und den Alltag der Bürger.
  • Experten rechnen deshalb damit, dass die Zahl der Erkrankten mit Zwangsstörungen aufgrund der Covid-19-Pandemie zunehmen wird.
  • Durch die Beschränkungen wegen des Coronavirus haben auch viele Menschen mit Ängsten zu kämpfen, die eigentlich nicht unter Zwängen leiden.

Hornberg - Nach wie vor breitet sich das Coronavirus in Baden-Württemberg aus. Die Covid-19-Pandemie könnte dabei nicht nur Auswirkungen auf die körperliche Gesundheit vieler Menschen haben, sondern auch auf die Psyche.

Andreas Wahl-Kordon ist Psychiatrie-Facharzt an der Oberberg Fachklinik Schwarzwald. Er geht angesichts des Coronavirus in Baden-Württemberg von einem Anstieg an Erkrankten mit Zwangsstörungen aus. Zur Deutschen Presse-Agentur (dpa) sagte Wahl-Kordon, durch die hohe Präsenz der Coronavirus-Pandemie in den Medien und durch die Beschränkungen aufgrund von Covid-19 bekämen viele Menschen Angst, die sonst nicht unter Zwängen und „Kontaminationsbefürchtungen“ litten.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Maßnahmen zum Schutz vor Covid-19 führen zu Einsamkeit und Ängsten

Um die Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg einzudämmen, gelten verschiedene Maßnahmen zum Infektionsschutz. Laut aktueller Corona-Verordnung des Landes muss unter anderem ein Sicherheitsabstand von 1,50 Meter zu anderen Personen eingehalten werden. Darüber hinaus gilt seit dem 27. April zum Schutz vor dem Coronavirus eine Maskenpflicht in Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln.

Die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus in Baden-Württemberg schränken die Bürger in ihrem Alltag ein und können Ängste auslösen. „Wenn die Krise vorbei ist, dann werden sicherlich eine ganze Menge übrig bleiben, bei denen sich eine Zwangsstörung bildet“, sagt Wolf Hartmann, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft Zwangserkrankungen, zur dpa. Die Bundespsychotherapeutenkammer hält eine Zunahme psychischer Erkrankungen wie Zwangsstörungen aufgrund von Covid-19 ebenfalls für realistisch, doch ganz sicher ließe sich das zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.

Eine Umfrage der AOK Anfang April legte bereits nahe, dass die Verbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg schwerwiegende Auswirkungen auf die Psyche hat. Das Kontaktverbot zur Eindämmung von Covid-19 führt dazu, dass viele Menschen an Einsamkeit leiden. Besonders hart trifft die Maßnahme zur Einschränkung des Kontakts all jene Menschen, die alleine leben.

Coronavirus in Baden-Württemberg breitet sich weiterhin aus - Rückkehr zur Normalität erst in vielen Monaten

Das Coronavirus belastet die Psyche der Menschen in Baden-Württemberg (Symbolfoto)

Laut Wahl-Kordon von der Oberberg Fachklinik Schwarzwald leiden etwa zwei Prozent der deutschen Bevölkerung unter einer Zwangserkrankung. Auslöser der psychischen Störung können laut Bundespsychotherapeutenkammer unter anderem Stress und schwerwiegende Lebensereignisse - wie der Tod oder eine schwere Erkrankung von Angehörigen - sein. Einsamkeit, die Angst vor einer Ansteckung mit Covid-19 und die massiven Beschränkungen aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg können für manche Menschen ebenfalls zur Belastung werden.

Da sich das Coronavirus in Baden-Württemberg weiterhin ausbreitet, ist nicht von einer baldigen Lockerung von Maßnahmen wie dem Mindestabstand auszugehen. In einer Regierungserklärung Ende April hatte Ministerpräsident Winfried Kretschmann die Bürger angesichts der Covid-19-Krise auf einen langen Alltag mit dem Coronavirus vorbereitet. Kretschmann sagte, eine schnelle Rückkehr zur Normalität werde es erst mit einem Impfstoff geben - das werde viele Monate dauern. „Bis dahin werden wir die Pandemie nicht besiegt haben“, sagte Kretschmann.

Das Coronavirus in Baden-Württemberg inspiriert jedoch auch viele Bürger zu kreativen Lösungen. So hat die Stadtbibliothek in Böblingen einen Drive-In eingerichtet, in dem Bücher ausgeliehen werden können. Ein Mitarbeiter legt die vorbestellten Bücher der Kunden in ein Standregal in der Tiefgarage der Bibliothek, aus dem sie dann mitgenommen werden können. Der Kontakt zu anderen Menschen wird dadurch auf ein Minimum reduziert.

Rubriklistenbild: © Yann Schreiber / AFP

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