Mundschutz in Covid-19-Pandemie

Augenarzt aus Baden-Württemberg kritisiert Maskenpflicht: „Überhaupt kein Ansteckungsrisiko“

Der Augenarzt Martin Nowak lächelt in die Kamera.
+
Der Augenarzt Martin Nowak aus Michelfeld bei Schwäbisch Hall wehrt sich gegen die Maskenpflicht aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg.
  • Valentin Betz
    vonValentin Betz
    schließen

Die Maskenpflicht als Maßnahme gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg ist umstritten. Auch Martin Nowak, Augenarzt in Michelfeld bei Schwäbisch Hall, zweifelt das Tragen eines Mundschutzes als wirksame Methode gegen die Ausbreitung an.

  • Seit dem 27. April gilt in Baden-Württemberg Maskenpflicht - beim Einkaufen und im öffentlichen Personenverkehr
  • Der Augenarzt Martin Nowak wehrt sich gegen die Maskenpflicht und bezweifelt dessen Wirkung
  • Er hält die Angst vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg und darüber hinaus für übertrieben

Schwäbisch Hall - Die Landesregierung hatte Ende April das Tragen eines Mundschutzes zum Einkaufen und im öffentlichen Personenverkehr - die so genannte Maskenpflicht - eingeführt. Die Maßnahme soll dazu beitragen, die Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg einzudämmen.

Die Wirksamkeit der „Alltagsmasken“ ist allerdings umstritten. Selbst das Robert Koch-Institut schreibt auf seiner Homepage: „Eine solche Schutzwirkung ist bisher nicht wissenschaftlich belegt, sie erscheint aber plausibel.“ An dieser Aussage, verbunden mit der Maskenpflicht, stört sich der Augenarzt Martin Nowak, der eine Praxis in Michelfeld bei Schwäbisch Hall betreibt.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Augenarzt aus Schwäbisch Hall verzichtet auf Mundschutz

Auf die Frage, warum er keinen Mundschutz trage, antwortet Martin Nowak: „Weil ich überhaupt kein Ansteckungsrisiko sehe.“ Eine Ausnahme ist für ihn der OP, dort sei die Wirksamkeit - wohlgemerkt eines medizinischen Mund-Nasen-Schutzes - bewiesen. Die Maskenpflicht wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg und Deutschland insgesamt hält Martin Nowak hingegen für politischen Aktivismus und sogar für kontraproduktiv: „Der Mundschutz ist eine regelrechte Virenschleuder, wo sich Keime überhaupt erst richtig ansammeln und vermehren.“

Eine Pressesprecherin des Robert Koch-Institus, bestätigte gegenüber CORRECTIV, dass es durch das Tragen eines Mundschutzes durchaus zur Kontamination der Maske mit der Mund-Rachen-Flora kommen könne. Allerdings mit Bakterien, nicht mit Viren. „Systematische und vergleichbare Studien gibt es hierzu bislang aber nicht", so Degen gegenüber CORRECTIV. Die Keime vermehrten sich zudem nicht in der Lunge, sondern im Mund-Rachen-Raum. Wenn die Maske nach längerem Tragen feucht sei, solle sie deshalb gewaschen oder gewechselt werden.

Laut Augenarzt Martin Nowak sei es zudem schwer, durch einen eng anliegenden Mundschutz zu atmen. „Wir haben schon erste Patienten, die kollabiert sind und einen Kreislaufzusammenbruch erlitten haben“, erklärt der Mediziner. Er befürchtet, dass noch mehr Menschen kollabieren, wenn die Temperaturen in Baden-Württemberg und Deutschland steigen. Das Argument des Robert Koch-Instituts, dass Gesichtsmasken schützen könnten, ist Martin Nowak zu wenig, um daraus eine Maskenpflicht abzuleiten: „Nur mit Plausibilität kann man in modernen, aufgeklärten, naturwissenschaftlichen Zeiten nicht vorgehen.“

Gefahr durch Coronavirus: Martin Nowak hält Angst für übertrieben

Nicht nur an der Wirksamkeit der Maskenpflicht hat der Augenarzt aus Schwäbisch Hall Zweifel. Martin Nowak hält außerdem die Gefahr für gering, die vom Coronavirus in Baden-Württemberg und der Welt ausgeht: „Jeden Tag sterben in Deutschland fast 3000 Menschen (Anm. d. Redaktion: 2574 pro Tag im Jahr 2019, Quelle: Statistisches Bundesamt). Die 7266 Todesfälle in Deutschland durch Covid-19 (Quelle: Robert Koch-Institut, 08.05.2020) seit Beginn der Pandemie sind im Vergleich dazu gering.“ Angst brauche man laut Augenarzt Martin Nowak nicht haben, denn eine Infektion käme bei weitem keinem Todesurteil gleich. „Die Menschen sterben immer, es ist nur eine andere Ursache dazu gekommen“, so Martin Nowak.

Der Augenarzt glaubt auch nicht, dass die Todesfälle ohne die bisher getroffenen Schutzmaßnahmen wie der Maskenpflicht häufiger wären. „Die Menschen sterben jetzt an etwas, das benannt wird. Aber ob wir deswegen mehr Todesfälle haben, das ist äußerst fragwürdig“, erklärt Martin Nowak gegenüber BW24. Wirkliche Gewissheit habe man erst am Jahresende, wenn die Gesamttodesstatistik vorliege.

Zwar ist diese Behauptung Martin Nowaks nur schwer zu widerlegen. Allerdings lassen die Todesfälle in anderen Ländern - mit teils weniger strengen Maßnahmen - durchaus Zweifel zu. Alleine in den USA sind laut WHO bislang über 67.000 Menschen an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung gestorben. Auch Frankreich oder Italien hatten zahlreiche Todesfällen zu beklagen, bis die Maßnahmen verschärft wurden.

Die Angst vor SARS-CoV-2 hat tatsächlich ganz andere direkte und indirekte Auswirkungen. Ärzte hatten bereits vor den Folgen der Corona-Krise für die Psyche der Menschen gewarnt. Durch das Kontakverbot nimmt die Einsamkeit vieler Menschen zu, was sie anfälliger für psychische Erkrankungen macht.

Nowak: Risiko einer Infektion mit Coronavirus gering

Der Augenarzt aus Michelfeld bei Schwäbisch Hall bezweifelt, dass man sich überhaupt so einfach mit dem Coronavirus anstecken könne. Von den derzeit ca. 18.000-20.000 aktiven Infektionsfällen (Quelle: RKI & JHU) sei - wenn überhaupt - nur ein sehr geringer Teil der Infizierten in der Öffentlichkeit unterwegs. Ein wirkliches Ansteckungsrisiko gehe also hauptsächlich von jenen aus, die sich noch in der Inkubationszeit befänden und folglich noch nicht an Covid-19 erkrankt sind. Daher hält Martin Nowak das Ansteckungsrisiko für sehr gering - mit oder ohne Maskenpflicht.

Trotz Zweifel an Mundschutz: Übrige Maßnahmen gegen Coronavirus sinnvoll

Auch wenn Martin Nowak die Wirksamkeit von „Alltagsmasken" gegen die Verbreitung des Coronavirus anzweifelt und sich gegen die Maskenpflicht wehrt: Andere empfohlene Maßnahmen und Hygienevorschriften setzt auch er in seiner Arztpraxis konsequent um. Die bisherigen Erfolge führten in Baden-Würtemberg bereits am 4. Mai zu ersten Lockerungen der Corona-Verordnung.

Für Corona-Infizierte und Patienten mit unklaren Symptomen hat das Augenzentrum Michelfeld eine extra Corona-Sprechstunde eingerichtet. Ein Kollege kümmere sich in Räumlichkeiten außerhalb der Praxis um die Behandlung solcher Fälle - inklusive vorgeschriebener Schutzkleidung. Weitere Maßnahmen wie Desinfektion und regelmäßiges Händewaschen werden ebenfalls umgesetzt - Hinweisschilder wurden für Patienten und Personal dafür aufgestellt.

Augenarzt wünscht sich mehr Diskussion - und zeigt sich selbstkritisch

Martin Nowak wünscht sich eine breiter gefächerte Diskussion über das Coronavirus in Medien und Politik. „Es muss in unserer Demokratie möglich sein, darüber zu diskutieren“, so Martin Nowak gegenüber BW24. Seine Aussagen sieht er als Diskussionsgrundlage, damit sich mehr Menschen in möglichst viele Richtungen Gedanken machten, denn „es kann sich in drei Wochen ja herausstellen, dass ich völlig falsch liege und es ganz andere Ergebnisse gibt.“

Kommentare