Angst vor Covid-19

Riesen-Andrang: Besorgte Eltern legen Arztpraxen in Baden-Württemberg lahm

  • Lisa Schönhaar
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Die Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg nehmen wieder zu. Viele besorgte Eltern gehen mit ihren Kindern zum Arzt - auch, wenn sie nur einen Schnupfen haben. Praxen sind deshalb völlig überfüllt.

  • Das Coronavirus in Baden-Württemberg verbreitete sich in den vergangenen Wochen weniger schnell als zu Beginn und die Zahl der Neuinfektionen nahm stetig ab.
  • Aktuellen Zahlen des Sozialministeriums zufolge steigt die Zahl der derzeit mit dem Coronavirus Infizierten nun aber wieder an.
  • Das verunsichert auch Eltern: Die Praxen von Kinderärzten sind überfüllt, weil viele Kinder auch mit einem harmlosen Schnupfen zum Arzt gebracht werden.

Stuttgart - Das Coronavirus in Baden-Württemberg verbreitet sich inzwischen langsamer als zu Beginn der Corona-Pandemie, es stellt jedoch noch immer eine Bedrohung für die Gesundheit dar. Die Landesregierung lockerte die Verbote und Maßnahmen zum Infektionsschutz immer weiter. 

Seit dem 1. Juli ist trotz Coronavirus nahezu alles wieder erlaubt. Die Lockerungen kamen jedoch möglicherweise zu früh. Nachdem die Zahlen in den vergangenen Monaten immer weiter sanken, kommt es nun wieder vermehrt zu Neuinfektionen. Die Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg steigen aktuell immer weiter an.

Coronavirus in Baden-Württemberg führt zu überfüllten Wartezimmern bei Kinder- und Jugendärzten

Ein Grund für die neuen Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg ist sicherlich auch die zunehmende Sorglosigkeit im Umgang mit Covid-19. Den Breitenauersee bei Obersulm hatten kürzlich rund 10.000 Menschen besucht, die sich aus Platzmangel nicht an Hygienevorschriften wie den Mindestabstand hielten - es kam zum Chaos, der Badesee wurde daraufhin gesperrt. Doch auch zu vorsichtiges Verhalten kann zu chaotischen Zuständen führen, wie der SWR berichtet. Demnach kommt es derzeit zu einem Ansturm auf Kinderärzte, obwohl viele Kinder lediglich einen harmlosen Schnupfen hätten.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Die Wartezimmer von Kinderärzten sind überfüllt, weil viele Eltern ihre Kinder auch mit einem Schnupfen zum Arzt bringen.

Till Reckert, Pressesprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) in Baden-Württemberg, sagte zum SWR, durch die Wiedereröffnung der Schulen und Kitas nach dem Lockdown wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg und aufgrund der Sorge der Eltern sei die Situation in den Wartezimmern von Kinder- und Jugendärzten wieder angespannt. Die Praxen seien nun wegen der Aufhebung der coronabedingten Kontaktsperre völlig überfüllt - das sei zuletzt im Februar der Fall gewesen.

Um die Verbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg einzudämmen, waren die Schulen und Kitas im Land für mehrere Wochen geschlossen und öffneten nur schrittweise wieder. Da sich das Coronavirus seit einiger Zeit langsamer verbreitet als zu Hochzeiten der Corona-Pandemie, hat die Landesregierung im Juni das Ende der Schulschließungen in Baden-Württemberg beschlossen. Seit der Öffnung kam es bereits mehrfach zu Neuinfektionen - allein in der Landeshauptstadt Stuttgart waren mindestens fünf Schulen und zwei Kitas betroffen. Laut Gesundheitsamt geht der Corona-Ausbruch an den Schulen in Stuttgart auf den sorglosen Umgang einer Großfamilie mit Krankheitssymptomen zurück.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Corona-Verordnung für Schulen und Kitas soll überarbeitet werden

Es herrsche Chaos, da viele Eltern sehr verunsichert seien und mit ihren Kindern zum Arzt gingen, obwohl sie ohne Coronavirus in Baden-Württemberg nicht gekommen wären, sagte Reckert zum SWR. Ein Problem sei zunächst die bestehende Corona-Verordnung des Landes, die für jegliche Atemwegsinfektion einen vorübergehenden Schul- oder Kitaausschluss vorsehe - hierunter fallen grundsätzlich auch obere Atemwegsinfektionen wie ein harmloser Schnupfen.

Kinder, die innerhalb der vergangenen 14 Tage Kontakt zu einer infizierten Person hatten oder „Symptome eines Atemwegsinfekts oder erhöhte Temperatur oder Störungen des Geruchs- und Geschmackssinns aufweisen“, müssen nach den aktuellen Verordnungen für Schulen und Kitas zum Schutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg zu Hause bleiben. Reckert spricht sich für geregelte Teststrategien aus, da die Labore aufgrund der vorhandenen Testkapazitäten ansonsten bald an ihre Grenzen kämen. Zudem sieht der Pressesprecher des BVJK das Land Baden-Württemberg in der Pflicht, das Wort „Atemwegsinfekt“ in der Corona-Verordnung konkreter zu benennen oder ganz auszutauschen.

Vergangene Woche hatten Experten darüber beraten beraten, wie mit kranken Kindern an Schulen und Kitas in Zeiten des Coronavirus in Baden-Württemberg umgegangen werden soll. Gemeinsam mit dem Sozial- und Kultusministerium soll nun eine klar verständliche, einfache und medizinisch sinnvolle Handlungsempfehlung erarbeitet werden. Gesundheitsminister Manfred Lucha und Kultusministerin Susanne Eisenmann sagten, der Gesundheitsschutz habe weiterhin oberste Priorität. „Die Empfehlung, dass kranke Kinder, insbesondere solche mit Fieber, zu Hause bleiben, gilt weiterhin. Ein Schnupfen ohne weitere Krankheitszeichen ist aber noch kein grundsätzlicher Ausschlussgrund für einen Kita- oder Schulbesuch“, heißt es in einem gemeinsamen Statement.

Rubriklistenbild: © Patrick Pleul/dpa

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