„Ich hatte wahnsinnige Angst“

Koma und Herzstillstand: Zuvor gesunde 42-Jährige aus Baden-Württemberg sendet Botschaft an Corona-Skeptiker

Personal in Schutzkleidung hält die Hand eines Patienten
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Coronavirus in Baden-Württenberg: 42-Jährige schildert ihre dramatische Covid-19-Erkrankung: „Schwester hielt meine Hand“ (Symbolfoto).
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Das Coronavirus in Baden-Württemberg bedroht besonders die Risikogruppe. Doch wie der Fall einer 42-Jährigen aus dem Zollernalbkreis zeigt, kann Covid-19 auch bei Jüngeren gefährlich werden.

  • Das Coronavirus in Baden-Württemberg stellt eine unsichtbare Gefahr dar und schränkt das soziale Leben drastisch ein.
  • Vor allem ältere Menschen und solche mit Vorerkrankungen gehören zur Risikogruppe bei Covid-19.
  • Doch auch bei jüngeren Menschen kann die Lungenkrankheit einen dramatischen Verlauf nehmen, wie der Fall einer 42-Jährigen aus dem Zollernalbkreis zeigt.

Meßstetten - Das Coronavirus in Baden-Württemberg ist für die Risikgruppe besonders gefährlich. Bei älteren Menschen und bei Patienten mit Vorerkrankungen kann Covid-19 einen lebensbedrohlichen Verlauf nehmen. Bei jüngeren Menschen verläuft die neuartige Lungenkrankheit meist eher mild.

Doch der Fall einer 42-jährigen Frau aus dem Zollernalbkreis zeigt, dass das Coronavirus auch für junge und gesunde Menschen in Baden-Württemberg lebensgefährlich sein kann. Andrea Roth aus Meßstetten musste wegen Covid-19 ins künstliche Koma versetzt werden. Nun berichtet sie dem Zollernalbkurier von ihrem Leidensweg.

Coronavirus in Baden-Württemberg: 42-Jährige wegen Covid-19 in künstlichem Koma

Als Andrea Roth aus dem Zollernalbkreis Anfang März Fieber bekam, dachte sie noch gar nicht an eine Erkrankung mit Covid-19. „Ich hatte nicht damit gerechnet“, sagte sie dem Zollernalbkurier. Die Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg stand zu diesem Zeitpunkt noch am Anfang.

Die 42-Jährige aus Meßstetten sagt, sie habe zunächst unter hohem Fieber und Husten gelitten. „Als noch starke Übelkeit dazu kam und ich nichts mehr essen und trinken konnte, war es meinem Freund zu gefährlich und er hat mich ins Krankenhaus gefahren.“ Das Personal untersuchte ihr Blut. Vom Coronavirus habe zu diesem Zeitpunkt noch niemand gesprochen, erinnert sich die Frau im Interview mit dem Zollernalbkurier.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Lungenkrankheit ist auch für jüngere Menschen gefährlich

Am nächsten Tag verlegten die Ärzte Andrea Roth auf die Intensivstation. Wegen Covid-19 hatte sie Probleme beim Atmen, bekam trotz Sauerstoffmaske kaum Luft. „Ich hatte wahnsinnige Angst“, sagte Andrea Roth in dem Interview, in dem sie die Gefahr durch das Coronavirus in Baden-Württemberg sehr deutlich macht. Schließlich musste sie in ein künstliches Koma gelegt werden.  „Als ich dann ins Koma gelegt wurde, hat eine Schwester, die immer bei mir war, meine Hand gehalten und mir gut zugeredet.“  In der kritischen Phase der Krankheit erlitt die Andrea Roth einen Herzstillstand, musste wiederbelebt werden. „Ich hätte nie gedacht, dass ich mal derart krank werden kann“, sagte Roth.

Andrea Roth erholte sich langsam von der Covid-19-Erkrankung und verbrachte noch einige Zeit auf der normalen Station im Krankenhaus. Während ihres Aufenthalt durfte sie das Krankenzimmer nicht verlassen, Besuch war ebenfalls nicht erlaubt. Damit sich das Coronavirus nicht unkontrolliert in Baden-Württemberg ausbreitet, gelten für Infizierte strenge Quarantäne-Regeln. Inzwischen ist Andrea Roth wieder zu Hause. Die Folgen der schweren Lungenkrankheit spürt die 42-Jährige noch heute. „Ich schaffe es gerade mal zur Toilette und zurück. Und ich brauche noch öfter das Sauerstoffgerät“, sagte sie dem Zollernalbkurier.

Coronavirus in Baden-Württemberg wird nicht ernst genug genommen

Um die Bevölkerung vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg zu schützen, ergriff die Landesregierung drastische Maßnahmen. Die Corona-Verordnung löst bei vielen Bürgern Unmut aus. Für die nächste Corona-Demo in Stuttgart meldete der Veranstalter 500.000 Teilnehmer an. Die Demonstranten halten das Coronavirus für harmlos und die Maßnahmen für übertrieben. Immer wieder musste die Polizei in Baden-Württemberg sogar Coronapartys auflösen.

„Ich denke, viele unterschätzen Corona, da sie nicht wissen, was Corona anrichten kann“, sagte Andrea Roth dem Zollernalbkurier. Obwohl sie inzwischen wieder zu Hause ist, wird es wohl noch einige Monate dauern, bis sie wieder normal leben kann. „Alle denken, nach zwei Wochen sei alles erledigt. Aber leider ist es nicht so.“ Nach einem schweren Verlauf wie ihn die Frau aus dem Zollernalbkreis durchlitten hat, kann die Covid-19 auch Langzeit-Schäden hinterlassen, zum Beispiel an der Lunge.

Coronavirus in Baden-Württemberg stellt noch immer eine Gefahr dar

Der Fall der 42-jährigen Frau aus Meßstetten zeigt, dass das Coronavirus in Baden-Württemberg noch immer gefährlich ist und nicht unterschätzt werden darf. Obwohl die Zahlen deutlich langsamer steigen als noch vor ein paar Wochen, sind allein in Baden-Württemberg mindestens 33.478 Menschen mit dem Virus infiziert. Ein Schlachtbetrieb in Birkenfeld (Enzkreis) meldete 412 Covid-19 Fälle, bei insgesamt 1.100 Beschäftigten.

Dennoch gibt es auch in Baden-Württemberg immer mehr Menschen, die gegen die Verordnungen der Regierung demonstrieren. Die Maßnahmen der Regierung sind nicht nur Grund für Demonstrationen, sondern werden auch im Internet heftig kritisiert. Ein Arzt aus Baden-Württemberg wurde durch seine Kritik der Coronamaßnahmen zum Youtube-Star und stachelt die Corona-Skeptiker in seinen Videos weiter an.

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