Notfallkliniken wegen Covid-19

Coronavirus: Baden-Württemberg plant trotz langsamer steigender Infektionszahlen 1.000 zusätzliche Intensivbetten

  • Lisa Schönhaar
    vonLisa Schönhaar
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Die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Menschen in Baden-Württemberg nimmt weiter zu - aber erstmals langsamer. Dennoch will das Land 1.000 zusätzliche Intensivbetten bereitstellen.

Intensivstationen bereiten sich wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg auf eine steigende Anzahl von Covid-19-Patienten vor
  • Das Kontaktverbot wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg zeigt Wirkung und die Zahl der Infizierten steigt langsamer.
  • Dennoch will die Landesregierung 1.000 zusätzliche Intensivbetten für Covid-19-Patienten zur Verfügung stellen.
  • Der Anteil schwerer Verläufe von Covid-19 ist gleichbleibend hoch und die Zahl der Patienten in Baden-Württemberg wird zunehmen.

Stuttgart - Trotz Maßnahmen wie Kontaktverbot und Mindestabstand, die zur Verlangsamung der Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg beitragen sollen, steigt die Zahl der Covid-19-Fälle im Bundesland an. Doch die Fallzahlen erhöhten sich nun langsamer als noch vor einigen Tagen, wie Ministerpräsident Winfried Kretschmann in einer Pressekonferenz sagte. Lob und Dank dafür gebührten all jenen disziplinierten Bürgern, die sich angesichts des Coronavirus in Baden-Württemberg an die Verbote und Maßnahmen zum Infektionsschutz hielten.

Dennoch plant die Landesregierung, bis Ende April zusätzlich 1.000 Intensivbetten für schwerkranke Covid-19-Patienten bereitzustellen. Um im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg gerüstet zu sein, sollen dafür Notfallkliniken in Messehallen wie beispielsweise in Stuttgart entstehen und Reha-Zentren umfunktioniert werden. Landesgesundheitsminister Manfred Lucha geht von einem Höhepunkt der Corona-Krise an Ostern aus. Momentan gebe es etwa 800 freie Intensivbetten, das Klinikum Stuttgart kann für das Coronavirus auf 1.500 Betten aufstocken. Da die große Verbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg die Gefahr, dass Mitarbeiter am Klinikum Stuttgart sich infizieren, erhöht, hat ein Startup für sie einen besonderen Schutz entwickelt.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Summe der Covid-19-Patienten in Kliniken wird zunehmen

Auch wenn sich die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg verlangsamt, steigt sie doch immer weiter an. Experten warnen deshalb immer wieder davor, sich in trügerischer Sicherheit zu wähnen, weil die Maßnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus erste Wirkung zeigen. Der Anteil schwerer Verläufe von Covid-19 ist gleichbleibend hoch, weshalb die Summe der Patienten, die in Baden-Württemberg in Kliniken behandelt werden müssen, insgesamt zunehmen wird.

Zwar kommt es meist nur bei älteren und gesundheitlich vorbelasteten Menschen zu schweren Verläufen von Covid-19. Doch es sind vor allem junge Menschen, die das Coronavirus in Baden-Württemberg übertragen, weil sie sich trotz Kontaktverbot weiter in der Öffentlichkeit bewegen und das Virus unbemerkt weiter verbreiten.

Keiner wisse momentan, ob alle Entscheidungen richtig seien, sagte ein leitender Experte aus einem Krankenhaus in Stuttgart zum SWR. Es sei ein Blick in die Glaskugel, doch derzeit überwiege der Anteil warnender Stimmen: „Bloß nicht zu früh nachlassen bei der Bereitstellung von Intensivbetten.“ Die Einschätzung ist auch deshalb so schwierig, weil sich erst nach etwa zehn Tagen zeigt, ob ein Verlauf von Covid-19 schwer und damit behandlungsbedürftig ist.

In Baden-Württemberg mehr Covid-19-Infizierte auf Intensivstationen als in jedem anderen Bundesland

Zudem dauert die Genesung der durch das Coronavirus verursachten Krankheit ungewöhnlich lange: Im Schnitt drei Wochen lang liegen Covid-19-Patienten auf der Intensivstation. Das Coronavirus in Baden-Württemberg sorgt für einen immer größer werdenden Anteil von Betroffenen auf den Intensivstationen. Zahlen des SWR zufolge waren es vor etwa einer Woche schon mehr als in jedem anderen Bundesland: 30 Prozent der Patienten auf den Intensivstationen waren schwer an Covid-19 Erkrankte.

Wegen der steigenden Zahl der Coronavirus-Infektionen sollen Kliniken in Baden-Württemberg schon seit einiger Zeit keine Covid-19-Patienten aus dem Ausland mehr aufnehmen. In einem Schreiben aus dem Sozialministerium, das am 24. März an die Kliniken des Landes verschickt wurde, wird auf die aktuelle Einschätzung der Lage zu Covid-19 hingewiesen - diese lasse momentan keine weiteren Aufnahmen zu.

Rubriklistenbild: © Felix Kästle/dpa

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