Mediziner aus Langenau

Kinderarzt warnt: Wir müssen Systemkollaps im Herbst abwenden - „Sonst bricht alles zusammen“

Bei einem Kind wird Fieber gemessen
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Coronavirus: Ein Kinderarzt aus Langenau macht sich Sorgen um Symptome bei Kindern (Symbolbild)
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    vonJulian Baumann
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Das Coronavirus in Baden-Württemberg stellt noch immer eine Gefahr dar. Leichte Symptome wie Husten und Schnupfen sind jedoch nicht immer ein Anzeichen einer Infektion mit Covid-19. Ein Kinderarzt aus Langenau (Alb-Donau-Kreis) fordert Corona-Abstrich-Zentren für Kinder.

  • Das Coronavirus in Baden-Württemberg führte in den letzten Wochen und Monaten zur Überfüllung der Krankenhäuser und Arztpraxen.
  • Das Auftreten von leichten Symptomen wie Husten und Schnupfen bedeutet nicht automatisch eine Infektion mit dem Erreger Covid-19. Ein Kinderarzt aus Langenau (Alb-Donau-Kreis) fordert Corona-Abstrich-Zentren für Kinder.
  • In einem Interview mit dem SWR warnt Dr. Klaus Rodens vor einem Systemkollaps im Herbst.

Langenau - Das Coronavirus in Baden-Württemberg (BW24* berichtete) verbreitet sich inzwischen langsamer als noch vor ein paar Wochen, es stellt jedoch noch immer eine Gefahr dar. Die Landesregierung lockerte die Maßnahmen zum Infektionsschutz* immer weiter. Seit dem 1. Juli ist fast alles wieder erlaubt*. Die Lockerungen kamen jedoch möglicherweise zu früh. Nach dem die Zahlen in den letzten Monaten immer weiter sanken, gibt es nun wieder neue Infektionen. Die Corona-Infektionszahlen in Baden-Württemberg steigen seit Ende Juli immer weiter an*.

Ein Grund für die neuen Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg ist sicherlich auch die steigende Sorglosigkeit im Umgang mit Covid-19. Den Breitenauersee bei Obersulm besuchten laut Angaben der Polizei rund 10.000 Menschen*. Die Gemeinde versank im Chaos, die Polizei hatte keine Möglichkeit die Abstände zu kontrollieren. Wo die Einen zu sorglos mit dem gefährlichen Virus umgehen, sind die Anderen vermutlich zu übervorsichtig. Das befürchtet auch ein Kinderarzt aus Langenau (Alb-Donau-Kreis). Er warnt vor einem Systemkollaps im Herbst, wenn Eltern ihre Kinder wegen jedem Husten in die Kliniken bringen. In einem Interview mit dem SWR schlägt er vor, Corona-Abstrich-Zentren für Kinder einzurichten.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Nicht jeder Schnupfen weist gleich auf eine Infektion hin

Dr. Klaus Rodens ist Kinderarzt in Langenau und Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. In einem Interview mit dem SWR spricht er über seine Befürchtungen für die Lage im Herbst. Im Herbst und Winter rolle die Infektwelle wie jedes Jahr auf seine Praxis zu. Zwischen 50 und 70 Kinder seien dann am Tag wegen einem Infekt zu behandeln. Wenn hinter einem Infekt eine Infektion mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg vermutet wird, müssen die Ärzte Abstriche machen. „Können Sie sich vorstellen, dass wir unsere Tätigkeit dann eigentlich aufgeben können?“, fragt Rodens.

Laut den Richtlinien des Robert-Koch-Instituts (RKI) müsse bei Atemwegsinfektionen an eine Infektion mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg gedacht werden. Das sei zumindest bei Erwachsenen der Fall. „Bei Kindern ist das ja die Regel in der Herbstsaison, dass die mit solchen Infekten vorgestellt werden und in den allermeisten Fällen steckt kein Covid-19 dahinter“, sagte der Kinderarzt im Interview mit dem SWR. Auch ein relativ aktueller Fall aus Friedrichshafen (Bodenseekreis) zeigt, dass die Befürchtung einer Infektion zwar als Vorsichtsmaßnahme begründet ist, sich jedoch nicht immer bewahrheiten muss. Das Landratsamt meldete 40 Kinder mit Fieber an einem Tag in einem Kindergarten*. Zunächst gingen die Behörden von einer Corona-Infektion aus und leiteten Maßnahmen ein. Wenig später kam die Entwarnung, keines der Kinder war mit dem Erreger infiziert.

Coronavirus in Baden-Württemberg: „Tests sind sinnvoll, aber sie müssen mit Hirn eingesetzt werden“

Die Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg ist laut einer Studie bei Kindern geringer als bei Erwachsenen. „Wir haben in der Praxis bisher kein einziges Kind mit einer Corona-Infektion gesehen“, erklärt Rodens im Interview mit dem SWR und fügt hinzu: „Gott sei Dank ist das so“. Die Angst der Eltern sei natürlich die Ansteckung, bei einem hohen Prozentsatz an Kindern sei eine Infektion wegen des Ausbleibens der Symptome gar nicht aufgefallen. Demnach stellt sich die Frage nach dem Sinn von Tests an Kindern. „Die Tests sind sinnvoll, aber sie müssen mit Hirn eingesetzt werden“, antwortete Rodens auf die Frage des SWR.

Um den Systemkollaps durch das Coronavirus in Baden-Württemberg im Herbst zu verhindern, müssen die Abstrich-Maßnahmen ausgelagert werden. Laut dem Mediziner sei denkbar, dass es zum Beispiel Abstrichzentren für Kinder gebe oder dass sich Kinder- und Jugendarztpraxen zukünftig absprechen. Wenn sich die Zahlen von Corona-Infektionen in einer Region oder einer Örtlichkeit häufen, müssen Kinder in einer Stichprobe getestet werden, sagt Rodens. Kinder, die nicht schwer erkrankt sind, sondern nur Schnupfen oder einen leichten Husten haben, sollen einfach zuhause bleiben. „In den Winter hinein müssen wir das so machen, sonst bricht alles zusammen“, sagte der Kinderarzt aus Langenau im Interview mit dem SWR. „Dann kommt ein Tsunami an Verdächtigungen, was Corona angeht, auf uns zu, was nicht bewältigbar ist". *BW24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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