OB fordert Datenschutz-Lockerungen

„Datenschutz-Kult“: Boris Palmer will mit Corona-Warn-App auf mehr Handydaten zugreifen

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) nimmt an der Gemeinderatssitzung im Rathaus teil.
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Boris Palmer hat sich für eine Lockerung der Datenschutzauflagen bei der Corona-Warn-App ausgesprochen.
  • Carolin Freytag
    vonCarolin Freytag
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Die Zahl der Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg ist so hoch, dass nun der harte Lockdown kommt. Auch bei der Corona-App ginge noch mehr, findet Tübingens OB Boris Palmer.

Tübingen - Die Lage wird immer angespannter: Die Infektionszahlen mit dem Coronvirus in Baden-Württemberg steigen weiterhin an. Am Sonntag wurden für das Bundesland 2.197 Neuinfektionen gemeldet, die Inzidenz liegt inzwischen bei 187.

Der Teil-Lockdown hat sein Ziel verfehlt. Deutschland und damit auch Baden-Württemberg geht nun ab Mittwoch in den Lockdown - mit harten Regeln.

Der Handel muss schließen, nur noch lebensnotwendige Geschäfte dürfen offen bleiben. Die Gastronomie hat bereits seit Wochen geschlossen und hält sich seit dem unter anderem mit Speise-Lieferungen und „To go“ über Wasser. Auch Schulen und Kitas müssen schließen, teilweise ist Fernunterricht geplant. Notbetreuungen sollen eingerichtet werden. Auch die Ausgangssperren und Kontaktbeschränkungen bleiben bestehen.

Im News-Ticker gibt es die aktuelle Lage zum Coronavirus in Baden-Württemberg.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Palmer will mehr Zugriff auf Corona-Warn-App

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer will außerdem stärker auf ein Instrument setzen, das seit Sommer zur Eindämmung des Coronavirus in Baden-Württemberg und in ganz Deutschland beitragen soll: Die Corona-Warn-App.

Wie die Deutsche Presseagentur berichtet, hat sich Boris Palmer für eine Lockerung der Datenschutzauflagen bei der Corona-Warn-App ausgesprochen. „Wir müssen runter von diesem Datenschutz-Kult“, sagte Palmer am Sonntagabend in einem Gespräch mit der „Bild“. Es gehe darum, die App „scharf zu schalten“ und die Wirksamkeit deutlich zu erhöhen. „Sonst werden wir nicht herauskommen aus diesem Winterschlaf.“

Der Tübinger OB hat auch eine Idee, wie das funktionieren soll: Man müsse endlich auf mehr Daten auf dem Handy zugreifen können. Bisher kann die millionenfach heruntergeladene Corona-Warn-App messen, ob sich Handynutzer über eine längere Zeit näher als etwa zwei Meter gekommen sind. Wird jemand positiv auf das Coronavirus getestet, kann er dies anschließend in die App eintragen. Die Menschen, denen er zuvor nahe gekommen ist, werden dann informiert.

Coronavirus: Gesundheitsministerium betont hohe Datensicherheit bei Corona-Warn-App

Das Bundesministerium für Gesundheit versichert, seit die Corona-Warn-App zum Download bereitsteht, dass die Daten der Nutzer sicher und vor allem anonym bleiben. Name oder E-Mail-Adresse müssen für die Nutzung nicht angegeben werden.

„Die dezentrale Datenspeicherung auf den Geräten selbst sowie die vollumfängliche Pseudonymisierung garantieren ein Höchstmaß an Datenschutz“, heißt es auf der Seite des Ministeriums. Alle Daten würden verschlüsselt und ausschließlich auf dem eigenen Smartphone gespeichert. „Es werden kurzlebige Zufallscodes von anderen Smartphones, auf denen die App installiert ist, gespeichert, wenn dabei die epidemiologischen Kriterien des RKI nach Nähe und Dauer der Begegnung erfüllt sind“, heißt es weiter.

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