Demonstration auf dem Cannstatter Wasen

Winfried Kretschmann hat eine kluge Botschaft für alle, die von den Corona-Skeptikern genervt sind

Eine Frau hält auf dem Cannstatter Wasen inmitten anderer Protestierender ein Pappschild hoch
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Coronavirus in Baden-Württemberg: Über 5000 Menschen protestierten am 9. Mai auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart gegen die Beschränkungen.
  • Valentin Betz
    vonValentin Betz
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Trotz der geltenden Kontaktbeschränkung durch das Coronavirus in Baden-Württemberg haben sich am Samstag rund 5.000 Menschen auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart zu Protesten versammelt. Ministerpräsident Winfried Kretschmann reagiert darauf gelassen.

  • Am 11. Mai treten in Baden-Württemberg weitere Lockerungen der Maßnahmen gegen das Coronavirus in Kraft
  • Trotzdem demonstrierten am Samstag über 5.000 Bürger gegen die Corona-Beschränkungen
  • Ministerpräsident Winfried Kretschmann sieht die Proteste gelassen und betont das Recht auf Meinungsfreiheit

Stuttgart - Obwohl das Coronavirus in Baden-Württemberg weiterhin den Alltag bestimmt, erlassen Ministerpräsident Winfried Kretschmann und die Landesregierung nur Schritt für Schritt Lockerungen der Maßnahmen. Am 11. Mai treten wieder neue Anpassungen in Kraft. Nicht allen sind diese Lockerungen weitreichend genug. Am vergangenen Samstag protestieren deshalb über 5.000 Menschen auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart.

Winfried Kretschmann: „Es ist ihr gutes Recht, dagegen zu protestieren.“

Auf die Demonstration in Stuttgart angesprochen reagierte Winfried Kretschmann am Sonntagabend in der ZDF-Sendung „Berlin direkt“ gelassen. Trotz der Proteste hält er die Maßnahmen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg und deren nur zögerliche Lockerung für richtig. „Wir machen nichts falsch. Aber man kann nicht erwarten, dass alle Menschen in einer Demokratie einer Meinung sind“, so Kretschmann in "Berlin direkt". Vielmehr müsse die Meinungsfreiheit solche Proteste aushalten.

Für Winfried Kretschmann sind die Demonstrationen sogar auf den Erfolg der bisherigen Maßnahmen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg und ganz Deutschland zurückzuführen. Die Erklärung dafür sei das so genannte Präventionsparadox. Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung geht es dabei um folgende Kernaussage: „Eine präventive Maßnahme, die für Bevölkerung und Gemeinschaften einen hohen Nutzen bringt, bringt dem einzelnen Menschen oft nur wenig - und umgekehrt.“

Coronavirus in Baden-Württemberg: Präventionsparadox sorgt für Proteste gegen Maßnahmen

Das Präventionsparadox wird in verschiedenen Bereichen beobachtet, zum Beispiel bei der Behandlung von Herzkrankheiten, der Akzeptanz von Impfungen oder bei der Verpflichtung zum Tragen eines Sicherheitsgurtes im Auto. Winfried Kretschmann überträgt das Paradox im Gespräch mit „Berlin Direkt“ auf die Maßnahmen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg: Durch die Corona-Beschränkungen hat sich die Situation in Baden-Württemberg schnell verbessert. Die gravierenden Folgen einer Covid-19-Erkrankung geraten bei der Bevölkerung in den Hintergrund. Plötzlich überwiegt der Unmut über die Einschränkung der persönlichen Freiheit. Die Einsicht, noch länger an den strengen Maßnahmen festzuhalten, sinkt.

Coronavirus-Beschränkungen: Wissenschaft steht über gesellschaftlichem Druck durch Proteste

Winfried Kretschmann bleibt deshalb in Bezug auf das Coronavirus in Baden-Württemberg seiner bisherigen Linie treu. Lockerungen solle es weiterhin nur Schritt für Schritt geben, es sei weiterhin Vorsicht geboten. „Die Wahrscheinlichkeit, sich anzustecken, ist geringer geworden. Aber die Gefahr, sich anzustecken ist überhaupt nicht geringer geworden“, so Kretschmann gegenüber "Berlin direkt". Erst kürzlich warnte Kretschmann, die Coronavirus-Pandemie sei noch lange nicht ausgestanden. Dementsprechend richte sich seine und die Politik der Bundesregierung weiterhin nach dem Rat von Wissenschaftlern und nicht nach dem Druck aus der Bevölkerung.

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