Dubiose Ersatzschule

Baden-Württemberg: Corona-Leugner unterrichten Kinder an „geheimer Schule“

Ein Grundschulkind und sein Vater von hinten.
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In Waldmössingen hat eine Gruppe Eltern ihre Kinder von der Schule genommen - und ohne Erlaubnis eine eigene „Schule“ eröffnet.
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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Die Stimmung in Waldmössingen ist angespannt: Corona-Skeptiker unterrichten ihre Kinder in einer eigenen „Ersatz-Schule“. Jetzt drohen Konsequenzen.

Waldmössingen - Im 2.000-Seelen-Dorf Waldmössingen (Kreis Rottweil) sorgen Corona-Leugner aktuell für Schlagzeilen. Weil sie die Masken- und Testpflicht an der Waldmössinger Grundschule für falsch halten, unterrichten fünf Familien ihre Kinder jetzt an einer „geheimen Schule“.

Bundesweit erregt die Aktion viel Aufsehen: Sogar ein Reporter der TAZ aus Berlin reiste in den kleinen Ort in Baden-Württemberg, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Wie er herausfand, liegen die Räumlichkeiten der ominösen „Corona-Schule“ nur wenige Meter entfernt von Grundschule und Rathaus. In einem Haus mit ehemaligem Ladengeschäft sitzen die Kinder hinter vorgezogenen Vorhängen und werden von den eigenen Eltern gelehrt. Schon seit September waren die fünf Kinder nicht mehr in der Schule.

„Bereits zum Schuljahresbeginn Mitte September hat die Schule Kontakt zu den Eltern aufgenommen“, erklärt eine Sprecherin des Regierungspräsidiums Freiburg gegenüber BW24. „Die Eltern wurden über die Schulpflicht und die Konsequenzen der Nichteinhaltung informiert. Nachdem die Kinder weiterhin fern blieben, hat die Schule umgehend das Ordnungsamt informiert.“ Die „Ersatzschule“ werde als „Ableger“ der Grundschule nicht geduldet. Nun läuft ein Bußgeldverfahren gegen die Eltern.

Corona-Leugner in Waldmössingen: Es droht ein Bußgeld zwischen 50 und 300 Euro pro Tag

In Deutschland gilt eine allgemeine Schulpflicht, die auf Länderebene genauer festgelegt ist. Baden-Württemberg verhängt pro nicht-genehmigtem Fehltag ein Bußgeld zwischen 50 und 300 Euro. Zum Start in das laufende Schuljahr mussten Schüler in Baden-Württemberg zurück zum Präsenzunterricht, andernfalls drohte Ärger.

„Die Schulpflicht setzt grundsätzlich den Besuch einer öffentlichen Schule voraus“, erklärt das Freiburger Regierungspräsidium weiter. Für die Ersatzschule hat die Schulaufsichtsbehörde keine Genehmigung erteilt. „Gemäß dem Schulgesetz haben Schulpflichtige grundsätzlich die Schule zu besuchen, in deren Schulbezirk sie wohnen“, so die Präsidiumssprecherin. Ausnahmen seien in diesem Fall nicht erteilt worden. „Entsprechende Anträge von den Eltern hat es nicht gegeben.“

Auch Reiner Ulrich, Ortsvorsteher der Gemeinde Schramberg, zu der Waldmössingen gehört, ist seit September über den Fall informiert. „Es handelt sich um einen Verstoß gegen die Schulbesuchspflicht“, bestätigt seine Pressesprecherin gegenüber BW24. Eine Verwarnung mit Anhörung der Eltern sei bereits erfolgt. „Nun folgt der Bußgeldbescheid mit der Möglichkeit, Einspruch zu erheben“, so die Sprecherin weiter. Neben dem Schulamt sei auch das Jugendamt informiert.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Skeptische Eltern protestieren gegen die Maskenpflicht

In Zeiten des Coronavirus in Baden-Württemberg mischen sich manche Eltern vehement in den Schulalltag ihrer Kinder ein. Viele Vorschriften sind den Kritikern ein Dorn im Auge. Auch in Stetten im Landkreis Esslingen geriet die Schulleitung einer Grundschule vor ein paar Monaten mit Eltern aneinander, als diese heftig gegen die Maskenpflicht für Kinder protestierten. An der Schule prangte eines Morgens ein riesiges Plakat mit dem Konterfei eines Kindes mit OP-Maske - daneben die Aufschrift „Kleine Seelen darf keiner quälen“ sowie der Hashtag #ichmachdanichtmit.

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