„Zerfledderte“ Impfvorgänge

Floppt die Impfkampagne? Betriebe haben kaum Impfstoff für Mitarbeiter

Eine Frau wird von einem Betriebsarzt geimpft
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Für Impfungen im Betrieb fehlt es an ausreichend Impfstoff - Arbeitgeber sehen die Kampagne kritisch.
  • Berkan Cakir
    vonBerkan Cakir
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Die Impfkampagne gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg soll auch in den Betrieben beschleunigt werden. Arbeitgeber bezweifeln das Gelingen der Betriebsimpfungen.

Stuttgart - Die Impfkampagne gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg* wurde in den vergangenen Wochen zunehmend beschleunigt (BW24* berichtete). So fiel vergangene Woche die Impf-Priorisierung bei den Hausärzten*. Seither dürfen sich alle Baden-Württemberger in einer Hausarztpraxis impfen lassen. Mittlerweile sind im Südwesten laut den Zahlen des Robert-Koch-Instituts etwas mehr als 4,4 Millionen Menschen geimpft worden, davon 1,5 Millionen vollständig.

Um die Impfquote im Land zu erhöhen, sollen auch die Betriebe einbezogen werden. Seit Mitte Mai laufen dafür in Baden-Württemberg Modellversuche bei insgesamt zwölf Unternehmen, in denen sich die Mitarbeiter von einem Betriebsarzt impfen lassen können. Die baden-württembergischen Metallarbeiter äußern nun aber angesichts des Impfstoffmangels Kritik an der geplanten Impfkampagne in den Betrieben. „Schon heute ist klar, dass weder die gewünschten Mengen noch die gewünschten Termine eingehalten werden“, sagte Südwestmetall-Hauptgeschäftsführer Peer-Michael Dick der Stuttgarter Zeitung.

Corona-Impfung in Betrieben: „Verlässliche Betriebsplanung nicht möglich“

Der Impfstoff in Baden-Württemberg wird knapp* - Impfzentren im Südwesten hatten das bereits Anfang Mai signalisiert. Aufgrund des Mangels sind mittlerweile so gut wie keine Erstimpfungen* mehr möglich. Der Fokus liegt derzeit auf den Zweitimpfungen. Das baden-württembergische Sozialministerium kritisierte den Bund, die versprochene Impfstoffmenge nicht liefern zu können.

Auswirkungen hat die aktuelle Situation gerade auch auf die Unternehmen im Südwesten. „Vor diesem Hintergrund ist eine verlässliche Betriebsplanung nicht möglich“, kritisierte Peer-Michael Dick. Die Impfvorgänge nannte er „zerfleddert“. Aufgrund des Mangels würden in der Woche voraussichtlich im Juni viel weniger Beschäftigte geimpft werden können, als die Unternehmen das eingeplant hätten.

Corona-Impfung in Betrieben: Von den Impfplänen könnte Abstand genommen werden

Unternehmen könnten ihre Impfstrukturen neben dem gewöhnlichen Betrieb dafür nicht aufrechterhalten, so Peer-Michael Dick. „Die Ressourcen, Personal und Platz, können nicht für mehrere Wochen vorgehalten werden“, so der Hauptgeschäftsführer. Zudem würden immer mehr Beschäftigte von den Hausärzten geimpft. Damit sinke auch der Anteil der zu impfenden Beschäftigten immer weiter. Betriebe könnten angesichts dessen von den Impfplänen Abstand nehmen, „wenn sich nicht schnell etwas ändert“. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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