Impfstoff in Deutschland

Corona-Impfungen: Nach herber Kritik – zwei Maßnahmen sollen das Impf-Debakel retten

  • VonIsabel Ruf
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Der Impfstoff-Mangel hat für einen schwierigen Start der Corona-Impfungen gesorgt. Dafür gab es scharfe Kritik. Jetzt sollen aber zwei Maßnahmen dabei helfen, die Situation zu verbessern.

Die große Hoffnung aller liegt derzeit auf dem Impfstoff gegen das Coronavirus. Das Präparat von Biontech und Pfizer war am 21. Dezember als erster Corona-Impfstoff in der EU zugelassen worden. Seit kurz nach Weihnachten wird in Baden-Württemberg geimpft. Am Mittwoch wurde auch das Mittel des US-Herstellers Moderna genehmigt. Aufgrund des schleppenden Impfstarts und des Mangels an Impfstoff von Biontech standen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und die EU-Kommission zuletzt stark in der Kritik, wie echo24.de* berichtet.

Die Kreisimpfzentren in Baden-Württemberg* gehen wegen des Impfstoff-Mangels später als geplant an den Start. Ministerpräsident Winfried Kretschmann weigerte sich am Freitag, von einem Impfchaos zu sprechen, allerdings räumte er „Startschwierigkeiten“ ein. Jetzt soll sich die Situation in ganz Deutschland bessern – besonders durch zwei Faktoren! Zum einen soll der vorhandene Corona-Impfstoff von Biontech für mehr Menschen reichen als bisher gedacht. Zum anderen hat sich die EU weitere Dosen Corona-Impfstoff der Mainzer Firma und seines US-Partners gesichert. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur.

Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer: Impfdosen werden um 20 Prozent erhöht

Laut der europäischen Arzneimittelbehörde EMA ist es möglich, sechs Impfdosen aus einer Flasche des Corona-Impfstoffs von Biontech und Pfizer zu entnehmen. Das ist eine Impfdosis mehr als bislang. Die Änderung gilt ab sofort. Konkret bedeutet das, dass die verfügbaren Impfdosen in der EU um 20 Prozent erhöht werden können. Generell ist in Ampullen meist mehr Impfstoff als nötig, falls etwas verschüttet wird, damit trotzdem die Mindest-Dosierung gewährleistet ist. Die Restmenge musste bislang mit den Flaschen entsorgt werden. Diese „Über-Füllung“ könne laut Bundesgesundheitsministerium aber genutzt werden.

In anderen Ländern hatten Ärzte bereits sechs Impfdosen aus einer Flasche von Biontech und Pfizer gezogen. Die Unternehmen hatten im Dezember darum gebeten, dass die Anzahl in der Produktinformation der EMA erhöht wird. Damit eine weitere Impfdosis aus einer Ampulle entnommen werden kann, gibt es aber eine Voraussetzung: Für die Nutzung müssen spezielle Spritzen verwendet werden. Andernfalls könnten eventuell nur fünf volle Dosen gewonnen werden.

Corona-Impfungen: So viele Impfdosen bekommt Deutschland in diesem Jahr

Die EU-Kommission sorgt nach der Kritik außerdem für Impfstoff-Nachschub. Sie hat einen Vertrag über weitere bis zu 300 Millionen Dosen des Corona-Impfstoffs von Biontech und Pfizer abgeschlossen. Dadurch wurde die bisherige Bestellung von 300 Millionen Dosen des Präparats vom November verdoppelt. 75 Millionen Dosen davon sollen im zweiten Quartal 2021 zur Verfügung stehen. Das teilte die EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen mit.

Von Moderna hat sich die EU-Kommission bis zu 160 Millionen Dosen Corona-Impfstoff gesichert. Mit den damit 760 Millionen Einheiten (600 von Biontech/Pfizer, 160 von Moderna) könnten mehr als 80 Prozent der EU-Bevölkerung geimpft werden, sagte von der Leyen. In Deutschland rechnet die Bundesregierung mit mindestens 90 Millionen Impfdosen des Herstellers Biontech in diesem Jahr – 60 Millionen aus den EU-Verträgen und 30 Millionen aus einer bilateralen Zusatzvereinbarung. Dazu kommen 50 Millionen Impfdosen von Moderna. Diese rund 140 Millionen Dosen reichten aus, um eine Herdenimmunität in Deutschland zu erreichen, hieß es.

Insgesamt hat die EU neben Biontech/Pfizer noch Verträge mit fünf weiteren Impfstoff-Herstellern abgeschlossen. Die Frage bleibt allerdings, wie viele Menschen in Deutschland sich wirklich impfen lassen wollen* und ob diese Anzahl ausreicht. Aufgrund der noch immer hohen Infektionszahlen in Baden-Württemberg* wird der Lockdown ab dem 11. Januar noch einmal verschärft*. *echo24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Kurt Desplenter/BELGA/dpa

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