Kontaktbeschränkungen und Schließungen

Baden-Württemberg verschärft Corona-Regeln: Was ab diesem Montag im Lockdown verboten ist

  • Lisa Schönhaar
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Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg steigt drastisch. An diesem Montag beginnt deshalb ein erneuter teilweiser Lockdown mit verschärften Corona-Maßnahmen.

Stuttgart - Die Landeshauptstadt Stuttgart und viele weitere Städte und Kreise im Land haben angesichts steigender Infektionszahlen bereits Mitte Oktober strengere Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg ergriffen. Diese haben sich allerdings als nicht ausreichend erwiesen: Immer weiter steigen die Fallzahlen im Land an. Mittlerweile liegt die Sieben-Tage-Inzidenz in Baden-Württemberg bei 116,3 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche. Mehr als doppelt so hoch wie der festgelegte kritische Wert von 50, ab dem die höchste Warnstufe gilt.

Auch die Zahl der Infektionen mit dem Coronavirus in Stuttgart hat die kritische Marke von 50 neuen Fällen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen längst überschritten (die Inzidenz liegt derzeit bei 134,9), weshalb Stuttgart als Risikogebiet gilt - einen erneuten Lockdown in der Stadt oder gar im ganzen Land schloss die Landesregierung dennoch lange aus. In der gestrigen Videokonferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Länderchefs, darunter auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann, wurde angesichts der immer rasanter steigenden Infektionszahlen nun doch ein Lockdown beschlossen - zumindest teilweise.

Das Coronavirus in Baden-Württemberg verbreitet sich aktuell immer schneller. Die landesweite Sieben-Tage-Inzidenz erhöht sich täglich: Der Wert liegt aktuell bei 116,3 Infektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche. Innenminister Thomas Strobl hatte deshalb bereits einen radikalen Kurz-Lockdown von einer Woche vorgeschlagen, sollten die Zahlen nicht sinken. Die nun beschlossenen Corona-Maßnahmen schränken das öffentliche Leben in Baden-Württemberg ab diesem Montag bis voraussichtlich Ende November massiv ein.

Diese Maßnahmen gelten wegen Corona in Baden-Württemberg ab Montag - bis Ende November

BereichBeschränkung
Gemeinsame Aufenthalte in der ÖffentlichkeitMaximal zwei Haushalte und höchstens zehn Personen
GastronomieRestaurants, Bars, Kneipen und weitere Gastronomiebetriebe müssen schließen
FreizeiteinrichtungenWie Kinos, Theater, Opern, Messen und Freizeitparks werden geschlossen
Reisen mit ÜbernachtungTouristische Übernachtungen werden verboten, ausgenommen sind nur Reisen aus dringend notwendigen Zwecken
Beauty-AngeboteKosmetiksalons, Tattoo-Studios und Massagepraxen müssen schließen
Friseure und PhysiotherapeutenDürfen trotz des Teil-Lockdowns weiter geöffnet bleiben
Schulen, Kindergärten und KitasSollen im November offen bleiben
EinzelhandelAlle Geschäfte des Einzelhandels bleiben geöffnet, es darf sich aber nur ein Kunde pro zehn Quadratmeter im Laden aufhalten
SportFitnessstudios schließen, Amateursport wird ausgesetzt, Profisport darf nur ohne Zuschauer stattfinden
KircheReligiöse Veranstaltungen und Beerdigungen dürfen stattfinden

Die Beschränkung der Kontakte gilt wegen des Coronavirus nicht nur in Baden-Württemberg, sondern in ganz Deutschland und ist verbindlich: Verstöße werden von den Ordnungsbehörden mit Geldbußen bestraft. Gruppen feiernder Menschen auf öffentlichen Plätzen, in Wohnungen sowie privaten Einrichtungen seien angesichts der ernsten Lage inakzeptabel, heißt es in dem Beschluss von Bund und Ländern.

Auch das Freizeitangebot für die Bürger wird wegen Corona in Baden-Württemberg massiv eingeschränkt. Nicht nur Gastronomiebetriebe wie Restaurants, Bars und Cafés müssen bis Ende November schließen, sondern auch Kulturangebote wie Theater, Oper und Kino entfallen für fast einen Monat. Obwohl Kosmetikstudios, Massagepraxen und Tattoo-Studios schließen müssen, dürfen Frieseure unter den geltenden Hygieneauflagen geöffnet bleiben. Auch der Einzelhandel bleibt offen - unter Einschränkungen. Die erneute Schließung von Schulen wegen des Coronavirus konnte bislang vermieden werden. Fitnessstudios müssen wegen Corona ab Montag dagegen schließen, auch der Amateursport in Vereinen wird ausgesetzt. Religiöse Veranstaltungen in Kirchen dürfen weiterhin stattfinden, ebenso Beerdigungen.

Corona in Baden-Württemberg: Aktuell steigen die Infektionszahlen weiter - Kretschmann appelliert an Bürger

„Mir ist bewusst, dass wir Ihnen viel abverlangen“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann am Abend nach der Konferenz in seiner Ansprache an die Bevölkerung. Das oberste Ziel müsse jetzt aber lauten, persönliche Kontakte um 75 Prozent zu reduzieren. Eindringlich appellierte Kretschmann an die Bevölkerung, die Entscheidungen zur Eindämmung des Coronavirus in Baden-Württemberg mitzutragen. „Glauben Sie mir, es kommt auf jeden Tag an“, so der Grünen-Politiker. Nun komme es auf die Mitarbeit aller im Land an. In Deutschlands Nachbarländern hat sich die Corona-Lage längst stärker zugespitzt. Im an Baden-Württemberg angrenzenden Elsass eskaliert die Lage in den Kliniken bereits - dort wurde nun ein Notfall-Plan ausgerufen.

Obwohl die Zahl der Neuinfektionen massiv zunimmt und das Landesgesundheitsamt aktuell 2.402 bestätigte Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg gemeldet hat, hält Ministerpräsident Kretschmann die Verhängung des zweiten Lockdowns für deutlich schwerer als die des ersten. „Nach den Lockerungen dann nochmal ganz hart reingehen zu müssen, das ist sehr viel härter“, sagte er in der ZDF-Talkshow Markus Lanz.

Corona aktuell: Baden-Württemberg verschärft Corona-Maßnahmen - Entschädigung für Unternehmen

Auch Unternehmen sind von dem beschlossenen teilweisen Lockdown betroffen. Weil die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg drastisch zunimmt und auch viele Arbeitsplätze - insbesondere solche in geschlossenen Räumen - ein erhöhtes Infektionsrisiko bergen, müssen Arbeitgeber laut Beschluss von Bund und Ländern ihre Angestellten vor Infektionen schützen. Wo immer umsetzbar, soll Home Office ermöglicht werden.

Die Bundesregierung will jedoch Unternehmen entschädigen, die durch die Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus schließen müssen. Finanz- und Wirtschaftsministerium haben in der Videokonferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten der Länder vorgeschlagen, dass kleine Firmen 75 Prozent ihres Umsatzes als Entschädigung erhalten sollen. Größere Unternehmen sollen demnach 70 Prozent erhalten. Der genaue Betrag orientiert sich dabei am Umsatz des Vorjahresmonats.

Angesichts der bedrohlichen Lage stellte Winfried Kretschmann bereits ein Lockdown-Ultimatum. Wenn die Maßnahmen nicht innerhalb von zehn Tagen wirkten, folge ein erneuter Lockdown, sagte der Ministerpräsident vor knapp zehn Tagen. Ende Oktober erneuerte Kretschmann seinen Appell und forderte die Bürger in Baden-Württemberg auf, Kontakte zu vermeiden.

Rubriklistenbild: © Paul Zinken

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