Infektionszahlen steigen weiter

„Keine komplette Kontrolle mehr“: Baden-Württemberg kann Corona-Verbreitung nicht mehr aufhalten

  • Lisa Schönhaar
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Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg steigt drastisch. Die Gesundheitsämter haben beim Nachvollziehen der Infektionen laut Gesundheitsminister Manfred Lucha nicht mehr die vollständige Kontrolle.

Stuttgart - Viele Städte und Landkreise mussten angesichts steigender Infektionszahlen bereits Mitte Oktober strengere Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg (BW24* berichtete) ergreifen. Diese haben sich allerdings als nicht ausreichend erwiesen: Immer weiter steigen die Fallzahlen im Land an. Bund und Länder einigten sich vergangene Woche deshalb auf eine Verschärfung der geltenden Maßnahmen und Verbote zum Infektionsschutz*.

Mittlerweile liegt die Sieben-Tage-Inzidenz in Baden-Württemberg* bei 116,7 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche. Sie ist damit mehr als doppelt so hoch wie der festgelegte kritische Wert von 50, ab dem die höchste Warnstufe gilt. Durch einen erneuten Lockdown mit radikalen Maßnahmen*, der am gestrigen Montag in Kraft trat und bis Ende des Monats gilt, hofft man, die stetig steigenden Infektionszahlen senken zu können.

Gesundheitsminister Manfred Lucha zufolge belastet die hohe Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg* auch die Gesundheitsämter. Die Ämter im Land haben nach Einschätzung des Grünen-Politikers zwar noch nicht völlig die Kontrolle beim Nachvollziehen von Corona-Infektionen verloren. „Aber wir haben keine komplette Kontrolle mehr“, sagte Lucha der Stuttgarter Zeitung (StZ). Im Südwesten könne bei etwa 60 Prozent der Infektionen der Ursprung nicht mehr festgestellt werden. Das Robert Koch-Institut geht bundesweit sogar von 75 Prozent aus.

Coronavirus in Baden-Württemberg verbreitet sich weiter - Infektionsketten können nicht mehr nachverfolgt werden

Dennoch gibt es nicht nur Zustimmung für die neuen Maßnahmen, die am 2. November wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg in Kraft getreten sind und die Ministerpräsident Winfried Kretschmann* vehement verteidigt. Die verschärften Corona-Regeln, die bei Verstößen teils hohe Geldstrafen* nach sich ziehen, werden von vielen Seiten stark kritisiert. Die am vergangenen Mittwoch beschlossenen Maßnahmen schränken das öffentliche Leben bis voraussichtlich Ende November massiv ein - 36 Städte schrieben wegen des Lockdowns deshalb einen Brandbrief* an Winfried Kretschmann

Um die Nachverfolgung der Infektionsketten wieder vollständig kontrollieren zu können, setze die Landesregierung alles daran, die Gesundheitsämter mit mehr Personal auszustatten, sagte Gesundheitsminister Manfred Lucha am Dienstag zur StZ. „Am 1. Dezember müssen wir jede Infektionslage kennen, einschätzen und nachvollziehen können.“ Die Kontrolle über das Infektionsgeschehen ist ein wesentlicher Bestandteil im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg.

Am 1. Dezember soll der Teil-Lockdown voraussichtlich enden. Um die Verbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg einzudämmen, gilt bis zum 30. November unter anderem eine Kontaktbeschränkung. Aktuell dürfen sich nur noch Personen aus maximal zwei Haushalten und insgesamt nicht mehr als zehn Menschen gleichzeitig zusammen in der Öffentlichkeit aufhalten.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Lockdown soll Kontrolle über Infektionen wieder möglich machen

Auch das Freizeitangebot für die Bürger ist wegen Corona in Baden-Württemberg bis Ende des Monats massiv eingeschränkt. Um die Verbreitung des Coronavirus zu minimieren, mussten Gastronomiebetriebe wie Restaurants, Bars, Clubs, Diskotheken, Kneipen und ähnliche Einrichtungen schließen. Touristische Reisen in Deutschland sind verboten, Veranstaltungen zu Unterhaltungszwecken bis Ende November untersagt. Neben Theater, Opern, Kinos und Freizeitparks sind auch Massagestudios geschlossen. Bei vielen sorgte vor allem aber die Schließung von Fitnessstudios für Schock und Entsetzen*.

Trotz steigender Infektionszahlen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg bleiben Schulen, Kitas und auch der Einzelhandel weiterhin geöffnet - wenn auch unter zusätzlichen Hygieneauflagen. So muss unter anderem sichergestellt werden, dass sich in den Geschäften nicht mehr als ein Kunde pro zehn Quadratmeter aufhält. Auch Friseur-Salons dürfen unter den geltenden Hygienemaßnahmen trotz des Teil-Lockdowns im November geöffnet bleiben.

„Mir ist bewusst, dass wir Ihnen viel abverlangen“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann vergangene Woche in einer Ansprache an die Bevölkerung. Das oberste Ziel müsse jetzt aber lauten, persönliche Kontakte um 75 Prozent zu reduzieren. Eindringlich appellierte Kretschmann an die Bevölkerung, die Entscheidungen zur Eindämmung des Coronavirus in Baden-Württemberg mitzutragen. Die Gastronomie und Hotellerie dürften diese Worte kaum trösten, denn sie befürchten den „Todesstoß“: Einem Drittel der Betriebe droht durch den Lockdown das Aus*. *BW24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte / dpa

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