Umstrittenes Produkt

Unzulässig? Corona-Test von dm sorgt für Unmut in Ministerium - nun äußert sich der dm-Chef

Kundin läuft an dm-Filiale vorbei
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Drogerie-Konzern dm verteidigt den umstrittenen Corona-Test im Sortiment.
  • Carolin Freytag
    vonCarolin Freytag
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Die Drogeriekette dm bietet einen Corona-Antikörpertest im Onlineshop an. Das baden-württembergische Sozialministerium zweifelt an der Zulässigkeit. Dm hält dagegen.

Update vom 12. November, 12:59 Uhr: Noch immer ist nicht abschließend geklärt, ob die Karlsruher Drogeriekette dm den vor einigen Wochen ins Sortiment aufgenommenen Corona-Antikörpertest tatsächlich anbieten darf. Das baden-württembergische Sozialministerium hatte an der Zulässigkeit Zweifel angemeldet und eine Prüfung der Sache eingeleitet. Das Produkt dürfe nur von Fachpersonal angewandt werden, so die dortige Auffassung.

In der Jahrespressekonferenz der Drogeriekette dm am Donnerstag bekräftigte Chef Christoph Werner erneut die Auffassung von dm, das alles rechtskonform sei. „Das Regierungspräsidium Tübingen, das für die Prüfung zuständig ist, hat uns angeschrieben und uns gebeten, Unterlagen und Informationen zur Verfügung zu stellen“, so Werner. Das habe man getan. „Und das ist ein ganz normaler Vorgang.“ Eine Rückmeldung habe es bisher aber noch nicht gegeben.

Dm-Chef Werner: Bundesgesundheitsministerium hat Verkauf im Handel genehmigt

Der Antikörpertest ist derzeit nur im Onlineshop der Drogeriekette und nicht an den stationären dm-Standorten erhältlich. Das Bundesgesundheitsministerium habe eine Genehmigung für den Verkauf im Handel erteilt, erklärte dm-Chef Christoph Werner erneut. Der Verkauf in Drogeriemärkten sei zulässig. „Das Produkt kann für die Menschen einen Unterschied machen. Die Kunden wollen das Produkt und es ist sicher.“

Erstmeldung vom 2. November: Karlsruhe/Stuttgart - Mitten in der Coronakrise fragen sich viele, ob sie womöglich schon unbemerkt eine Infektion mit dem Coronavirus hinter sich haben. Antikörpertests sind unter anderem deshalb von großem Interesse. Seit kurzem bietet die Karlsruher Drogeriekette dm einen solchen Antikörpertest im eigenen Onlineshop an. „Hohe Zuverlässigkeit des Tests - vergleichbar mit der Probenahme beim Arzt“ - so bewirbt die Drogeriekette dm das neue Produkt.

Der Test wird vom Hersteller Cerascreen angeboten - und ist unter Kritikern umstritten. Er könne mitunter zu Missverständnissen führen, heißt es immer wieder. Denn Menschen könnten fälschlicherweise glauben, der Test zeige eine aktuell bestehende Coronavirus-Infektion an.

Dabei geht es bei Antikörpern jedoch nur darum, ob man vielleicht zuvor mit dem Coronavirus infiziert war - das aber womöglich gar nicht bemerkt hat, da die Coronavirus-Infektion ohne Symtome ablief. Darauf weist auch der Hersteller selbst hin. Er spricht davon, dass ein positiver Antikörpertest „wahrscheinlich ein Hinweis darauf ist, dass Sie mit Sars-Cov-2 infiziert waren“.

Corona-Antikörpertest von dm wird Fall fürs Sozialministerium

Auch heißt ein positiver Antikörpertest nicht automatisch auch, dass man gegen das Coronavirus immun ist, bemängeln Kritiker. Nun erregt das umstrittene dm-Produkt auch noch die Aufmerksamkeit des baden-württembergischen Sozialministeriums, wie die Deutsche Presseagentur (dpa) berichtet.

Nach Rechtsauffassung des Ministeriums sei die Abgabe eines solchen Corona-Antikörpertests nur an Fachpersonal zulässig, wenn solche Testkits einen diagnostischen Zweck haben. Das Ministerium habe Schritte eingeleitet, um den Sachverhalt zu klären.

dm verteidigt das Angebot des Corona-Antikörpertests

Bei dem von dm angebotenen Test muss der Kunde zu Hause selbst eine Blutprobe entnehmen. Die Auswertung erfolgt anschließend im Labor.

Das Video zeigt, wie ein Corona-Antikörpertest in der Regel abläuft:

Sebastian Bayer, der in der dm-Geschäftsführung für Marketing und Beschaffung zuständig ist, ist der Überzeugung, der Test unterliege nicht der Abgabenverordnung für Medizinprodukte und dürfe frei verkauft werden. Das entspreche zudem auch der Auffassung des Bundesgesundheitsministeriums, so Bayer.

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