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Claus Kleber schießt gegen Kanzler Scholz: „Die Zuschauer durchschauen das“

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Von: Julian Baumann

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Der „heute journal“-Moderator Claus Kleber spricht im ZDF-“heute“-Studi bei einem Interview.
Am 30. Dezember strahlt das ZDF die letzte Folge des „Heute Journal“ mit Moderator Claus Kleber aus. © Thomas Frey/dpa

Claus Kleber hat seine Tätigkeit als Moderator beim ZDF „Heute Journal“ niedergelegt. Im Interview teilt er einen Seitenhieb gegen Kanzler Olaf Scholz aus.

Reutlingen/Mainz - Seit vielen Jahren war Claus Kleber Moderator des „Heute Journal“ im ZDF. Die neben der ARD Tagesschau sicherlich wichtigste Nachrichtensendung im deutschen Fernsehen wurde von dem Journalisten und ehemaligen Rechtsanwalt mitgeprägt. Deshalb müssen Millionen deutscher Fernsehzuschauer sich umgewöhnen, denn Claus Kleber hat zum Jahresende seine Moderationstätigkeit bei der beliebten Sendung niedergelegt. Aus dem Journalismus will sich der 66-Jährige aber noch lange nicht verabschieden.

Claus Kleber wurde in der Stadt Reutlingen in der Region der Landeshauptstadt Stuttgart geboren und war in seiner langen journalistischen Karriere unter anderem auch Studioleiter beim Südwestrundfunk (SWR) im baden-württembergischen Konstanz. Im Jahr 2003 trat er die Stelle als Moderator des ZDF „Heute Journal“ an, dessen Leiter er auch bis Februar 2009 war. Ende 2007 gab er seine Festanstellung beim ZDF auf und moderiert das „Heute Journal“ seitdem als freier Mitarbeiter. In seiner Zeit als Moderator interviewte Kleber wohl so ziemlich jeden relevanten Politiker in Deutschland, unter anderem auch den heutigen Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), wie er im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sagte.

Claus Kleber über Olaf Scholz: „Der wartet, bis der Interviewer aufhört zu reden“

In seiner langen Karriere mussten natürlich nicht nur Politiker Claus Kleber Rede und Antwort stehen. Gerade bei Interviews mit politischen Amtsinhabern stellt der Moderator aber gewisse Änderungen fest. „Es breitet sich halt dieser von sogenannten Medien-Beratern getriebene Ungeist des Fragen-nicht-Beantwortens und -Ausweichens immer mehr aus“, sagt er der dpa. „Wahrscheinlich kriegen die inzwischen alle aus derselben Denkschule irgendwelche Schulungen, die ihnen einredet: Wenn Sie die Frage vermieden haben, haben Sie gewonnen.“ Das sei jedoch Quatsch, so Kleber weiter. Die Zuschauer würden ein solches Vorgehen sofort durchschauen.

Eine solche Taktik verfolgt laut dem gebürtigen Reutlinger auch der erst vor kurzem vereidigte Bundeskanzler Olaf Scholz. „Das ist einer, der die Frage kaum zur Kenntnis nimmt“, erklärt Claus Kleber. „Der wartet, bis der Interviewer aufhört zu reden und spult dann seinen Standard ab.“ Im Gegensatz zum neuen Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), der zwar nicht immer eine wirklich überzeugende Antwort habe, sich aber auf das Gespräch einlasse und versuche, auf die Fragen einzugehen. „Nicht nur macht es mir als Journalisten mehr Freude, mit jemandem zu reden, der so tickt wie er“, so Kleber gegenüber der dpa. „Auch den Zuschauern gefällt das besser, weil sie ihren Vertreter, den fragenden Journalisten, besser behandelt fühlen von diesem Politiker.“

Claus Kleber lüftet Geheimnis: Worüber sprechen die Moderatoren nach der Sendung?

Nach der Abmoderation des ZDF „Heute Journals“ beziehungsweise im Abspann der Sendung sieht man die Moderatoren oftmals noch miteinander reden, obwohl der Ton bereits aus ist. Viele Zuschauer fragen sich sicherlich, worüber Claus Kleber mit seiner Co-Moderatorin oder seinem Co-Moderator in diesen Fällen gesprochen hat. Meistens sei es dabei um die Sendung gegangen, so Kleber. „Es ist auch schon vorgekommen, dass wir uns darüber amüsiert haben, noch im Schaufenster zu stehen, obwohl wir nichts mehr zu sagen haben: So, jetzt werden sich wieder alle fragen, worüber wir sprechen“, erzählt er. „Meistens entlädt sich aber aufgestaute Spannung.“

Am 30. Dezember wird das ZDF die letzte Folge des „Heute Journals“ mit Claus Kleber ausstrahlen. In Bezug auf diese besondere Sendung ist sogar der erfahrene Journalist aufgeregt, wie er im Interview mit der dpa erzählt. „Ich will versuchen, cool zu bleiben, bringe das aber wahrscheinlich nicht hin“, sagt er. „Bis heute habe ich es ganz gut geschafft, das Thema zu verdrängen.“ Irgendwann werde es ihm aber klar werden müssen, „dass dieses glückliche Kapitel meines Berufslebens und überhaupt meines Lebens zu Ende ist“. Danach will der beliebte Moderator seine freien Abende genießen und „das Phänomen kennenlernen, von dem alle so viel reden - soziales Leben, Freundschaften -, solche Sachen werde ich ausprobieren“, sagt er.

Vom Journalismus wendet sich Claus Kleber aber auch nach dem Ende seiner Moderatorentätigkeit beim ZDF „Heute Journal“ nicht ab. „Was unbedingt weitergehen soll, sind die Dokumentationen, die mir von Anfang an am Herzen lagen“, erzählt er. „Weil ich die Welt kennenlernen durfte. Nicht wie ein Tourist, sondern wie ein Mensch, der in das alltägliche Leben eintaucht.“

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