Letzter Auftritt

„Heute journal“-Ende: Claus Kleber gesteht, wie schmerzhaft der Abschied ist

Am 30. Dezember moderiert Claus Kleber zum letzten Mal das ZDF „heute journal“.
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Am 30. Dezember moderiert Claus Kleber zum letzten Mal das ZDF „heute journal“.
  • Julian Baumann
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Am 30. Dezember moderierte Claus Kleber zum letzten Mal das ZDF „heute journal“. So geht der bekannte Journalist mit dem Trennungsschmerz um.

Reutlingen/Mainz - Das „heute journal“ vom 30. Dezember im ZDF war eine ganz besondere und für Millionen Fernsehzuschauer auch traurige Sendung. Seit vielen Jahren ist der gebürtige Reutlinger Claus Kleber das Gesicht und die Stimme der neben der ARD Tagesschau sicherlich wichtigsten Nachrichtensendung im deutschen Fernsehen. Am Donnerstag, dem 30. Dezember, präsentierte der beliebte Moderator zum letzten Mal die aktuellen Geschehnisse weltweit.

In seiner langen journalistischen Karriere hat Claus Kleber wohl so ziemlich jede wichtige Person in Deutschland interviewt, auch den kürzlich vereidigten Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD). In einem Interview mit der Deutschen-Presse-Agentur (dpa) schoss Claus Kleber gegen Kanzler Scholz und nannte ihn einen, „der Fragen kaum zur Kenntnis nimmt“. Im selben Interview sprach der erfahrene Journalist und ehemalige Rechtsanwalt auch über seine letzte Folge beim „heute journal“, wie er mit dem Trennungsschmerz umgeht und was nun mit seinen Anzügen geschieht.

Claus Kleber moderiert „heute journal“ zum letzten Mal - nach mehr als 3.000 Folgen

Der im Jahr 1955 in Reutlingen, einer Großstadt im Zentrum Baden-Württembergs, geborene Claus Kleber hat in seiner langen Karriere mehrere denkwürdige Stationen absolviert. Er war beispielsweise Studioleiter beim Südwestrundfunk (SWR) in Konstanz und als Korrespondent der ARD erst in den USA und später in Großbritannien tätig. Ende 2007, als er bereits Moderator beim ZDF „heute journal“ war, wurde ihm sogar der Posten des Chefredakteurs des Nachrichtenmagazins Spiegel angeboten. Diesen wies Claus Kleber zugunsten seiner Karriere im Fernsehen allerdings zurück. „Ich habe die Gespräche mit dem Spiegel schon sehr ernsthaft geführt und ich war zwei Zentimeter weg von der Unterschrift“, sagt er der dpa.

Dann habe ihm das ZDF aber ein Angebot gemacht, das er unmöglich ablehnen konnte. „Ich meine jetzt nicht mein Gehalt“, erklärt Claus Kleber. „Es ging um die Zukunft des „heute journals“: Sendezeiten, Personal, Spielregeln. Das hat gepasst.“ Diese Entscheidung habe seitdem weder er noch der Sender bereut. Nach über 3.000 Ausgaben in 20 Jahren moderiert Claus Kleber am heutigen Abend um 21:45 Uhr zum letzten Mal die Nachrichtensendung, die er selbst mitgeprägt hat. Vor der heutigen Folge ist sogar der erfahrene Journalist und Moderator aufgeregt, wie er der dpa erzählt.

Claus Kleber vor seiner letzten Sendung „heute journal“: „Ich will versuchen cool zu bleiben“

Mit der letzten Folge „heute journal“, die von Claus Kleber moderiert wird, geht eine Ära im deutschen Fernsehen zu Ende. Nicht nur Millionen Zuschauer müssen sich umgewöhnen, sondern auch der beliebte Moderator. „Ich will versuchen, cool zu bleiben, bringe das aber wahrscheinlich nicht hin“, gesteht der gebürtige Reutlinger. Bisher habe er ganz gut geschafft, das Thema zu verdrängen. „Aber irgendwann wird mir schon klar werden, dass dieses glückliche Kapitel meines Berufslebens und überhaupt meines Lebens zu Ende ist.“ Damit müsse er in diesem Moment eben fertig werden. „Hoffentlich nicht, während die Kamera voll auf mich gerichtet ist.“

Im „heute journal“ war Claus Kleber stets im Anzug zu sehen. Diese Garderobe darf der Moderator auch nach seiner Tätigkeit bei der Nachrichtensendung behalten. „Ich darf die Anzüge, die das ZDF zur Verfügung gestellt hat, zu einem Ausverkaufspreis kaufen“, sagt er. „Davon werde ich ein paar mitnehmen.“ Er habe seit vielen Jahren dieselben neun Anzüge getragen. „Da sind halt vertraute Sachen, die noch einigermaßen sitzen“, so Kleber. „Außerdem: Wer will die denn sonst?“

„heute journal“: Das Ritual nach der Sendung - „Inzwischen ist es eher eine ‚Flurstreichelei‘“

Nach der heutigen Ausstrahlung des „heute journals“ mit Claus Kleber wird wohl auch ein Ritual nach der Sendung zum letzten Mal stattfinden - zumindest in dieser Form. „Es gab früher die ‚Flurschelte‘, als es im Haus noch Starkult um die Moderatoren gab“, erinnert sich der Moderator im Interview mit der dpa. „Die Mannschaft versammelte sich und Moderatoren brüllten los, was alles wieder für ein Scheiß passiert sei, der verhindert habe, dass sie noch mehr glänzen konnten, als sowieso schon.“ So sei es ihm zumindest aus den alten Tagen berichtet worden. „Inzwischen ist es eher eine ‚Flurstreichelei‘“, sagt er.

Man tröste sich nach der Sendung, wenn etwas nicht funktioniert habe, diskutiere, was beim nächsten Mal besser laufen könne, aber insgesamt herrsche eine friedliche Feierabendstimmung. „Dann geht man nach Hause, trinkt noch ein Glas“, sagt Claus Kleber. „In meinem Fall: Einen Schluck Single Malt Whisky, dazu ein Stück dunkelste Schokolade.“ Das wird sich der bekannte Journalist vielleicht auch am heutigen Abend nach der Ausstrahlung des „heute journals“ genehmigen. Nachfolger als Moderator bei der Nachrichtensendung im ZDF wird Christian Sievers, der am 10. Januar wieder die Nachrichten präsentieren wird. Claus Klebers langjährige Co-Moderatorin Marietta Slomka bleibt dem Format erhalten.

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