Petition gestartet

Catcalling: Frauen verewigen die schlimmsten Anmachen auf der Straße – und setzen wichtiges Zeichen

  • vonDaniel Hagen
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Stuttgart - Cat Calling ist eine Form der sexuellen Belästigung – bislang aber noch nicht strafbar. In vielen Städten machen Frauen jetzt mit einer besonderen Aktion auf das Problem aufmerksam.

Der Begriff Catcalling geistert seit Monaten durch die Medienlandschaft. Wer sich mit dem Thema nicht beschäftigt hat, könnte dahinter etwas Positives vermuten – schließlich geht es um Katzen. Die Wahrheit sieht aber leider ganz anders aus. Denn hinter dem Wort verbirgt sich eine Form der verbalen sexuellen Belästigung, die viele Frauen bereits im Alltag erleben mussten. Es beginnt mit Männern, die Frauen auf der Straße hinterherpfeifen, und endet mit widerlichen sexuellen Angeboten – teilweise auch an Minderjährige. In vielen Städten wird nun auf Catcalling aufmerksam gemacht. Darüber berichtet HEIDELBERG24.de*.

Catcalling in Stuttgart: Verbale sexuelle Belästigung ist nicht strafbar

Unhöfliche sexuelle Bemerkungen von Männern, die auf der Straße an Frauen vorbeilaufen“, so beschreibt das Urban Dictionary das Wort Catcalling. Mit einem Kompliment hat das ganze nichts tun – auch wenn einige Männer das vielleicht denken. In der Regel wirken diese Bemerkungen eher einschüchternd, wenn eine Gruppe von Machos an einer Frau vorbeiläuft und dann so etwas sagt, wie „schöne T*itten“ oder „die würde ich gerne mal...“.

Und trotzdem: Catcalling ist bislang nicht illegal, weil sexuelle Belästigung laut Paragraf 184i des Strafgesetzbuches eine „körperliche Berührung auf sexuell bestimmte Weise“ voraussetzt. Das wollen sich viele Frauen nun nicht mehr bieten lassen. Dazu gehört auch Antonia Quell. Die Studentin hat daher eine Petition auf OpenPetition gestartet. Der Titel lautet: „Es ist 2020. Catcalling sollte strafbar sein.“ Das finden bis jetzt (15. September um 10 Uhr) auch über 41.000 andere Menschen. Die Petition fordert für die verbale sexuelle Belästigung einen eigenen Platz im Gesetz bekommen.

Catcalling in Stuttgart: Studentin startet Petition

In Belgien, Portugal, den Niederlanden und in Frankreich ist Catcalling bereits strafbar. Im Jahr 2018 erhielt ein Franzose sogar eine Geldstrafe von 300 Euro wegen seiner Aussagen gegenüber Frauen. Theoretisch könnte aber auch ein Bußgeld von bis zu 750 Euro verhängt werden. „Noch viel wichtiger als die Geldstrafen ist das Bewusstsein, das geschaffen wird“, schreibt Antonie Quell dazu. Man müsse zudem keine Frau sein oder eine Tochter oder Schwester haben, um gegen sexuelle Belästigung zu sein!

Mit der Petition soll Catcalling endlich strafbar werden. (Screenshot)

Ein weiteres Zeichen gegen Catcalling ist mittlerweile in vielen Städten zu finden. Dort schreiben Frauen ihre schlimmsten Erlebnisse mit Kreide auf die Straße. Dazu schreiben sie Hashtags wie „Stopptbelästigung“, „ankreiden“ und „catcallsof...“ mit dem Namen ihrer Stadt. Die Sätze landen dann auf Instagram, wo sie alle Nutzer sehen können. Beim Lesen wird schnell klar – das ist alles andere als ein Kompliment.

Catcalling in Stuttgart: Frauen schreiben ihre Erfahrungen auf die Straße

Willst du nicht für einen 10er mit mir ins nächste Hotel?“, „Ich würde es lieben, dich zu kidnappen“ oder „Hey Sexy, dein Leben ist vorbei“ sind nur ein paar der Texte, die unter dem #catcallsofmainz zu finden sind. „Er schaute mich an und machte Geräusche wie beim Org*****“ heißt es zudem bei #catcallsofstuttgart. Dort klagt auch eine 16-Jährige ihr Leid, der beim Einkaufen an den Hintern gegrapscht worden sei. Die Worte des Täters waren: „Fühlt sich besser an als er aussieht.“

Erst im Juli haben zwei Frauen einen großen Erfolg geschafft. Hanna Seidel aus Ludwigsburg bei Stuttgart* und Ida Marie Sassenberg aus München haben mit ihrer Petition 100.000 Stimmen gesammelt* und damit „upskirting“ und „downblousing“ zu einer Straftat gemacht. Dabei filmen Männer unter den Rock oder in den Ausschnitt einer Frau. Das war bis dahin nur eine Ordnungswidrigkeit. HEIDELBERG24.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks. (dh)

Rubriklistenbild: © Frank May/dpa/Instagram/catcallsofmainz

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