Heidelberger Burschenschaft

Studenten der Verbindung Normannia erfahren, dass ein Besucher jüdische Vorfahren hat und drehen durch

Symbolbild zum Thema Gewalt mit Filter
+
Mehrere Burschenschafter gingen auf einen Mann los, weil er erzählte, dass er jüdische Vorfahren hat. (Symbolbild)
  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
    schließen

Als ein Gast ihnen erzählte, dass er jüdische Vorfahren hat, schlugen mehrere Mitglieder der Heidelberger Burschenschaft Normannia mit Gürteln auf ihn ein und beleidigten ihn antisemitisch. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun.

Heidelberg - In Baden-Württemberg mehrten sich zuletzt die Fälle von antisemitistischen Aktivitäten. In Stuttgart wurden beispielsweise jüngst mehrere Hauswände mit judenfeindlichen Schriftzügen beschmiert. Ziel der Diffamierung war Bundeskanzlerin Angela Merkel. In Heidelberg sorgt nun auch ein Fall für Aufsehen.

„Die Burschenschaft Normannia zu Heidelberg gibt hiermit die Auflösung ihrer Aktivitas bekannt!“: Diese Mitteilung vom 3. September ist die einzige, wenn auch wenig informative Auskunft, welche die tradierte Studentenverbindung Besuchern ihrer Website zur Verfügung stellt. Bei den Aktivitas handelt es sich um die Gruppe Studierender innerhalb einer Burschenschaft. Jetzt wurden die Umstände zu deren Auflösung bekannt.

Antisemitisch motivierter Angriff: Burschenschaft aus Heidelberg löst sich auf

Wie die „Antifaschistische Initiative Heidelberg“ (AIHD) gestern in einer Pressemitteilung verkündete, „war der antisemitisch motivierte Angriff mehrerer Burschenschafter auf ein Mitglied der „Alten Leipziger Landsmannschaft Afrania“ im Haus der Normannia“ Grund für die Auflösung. Die Staatsanwaltschaft Heidelberg bestätigte die Vorwürfe gegenüber der Rhein-Neckar-Zeitung (RNZ). Auch der Staatsschutz beschäftigt sich mit dem Fall.

Die Hintergründe und der genaue Tatverlauf werden derzeit noch ermittelt - die Polizei durchsuchte bereits das Haus der Normannia nach Beweisen. In der Nacht vom 28. auf 29. August soll sich in dem Gebäude der Burschenschaft, das sich am Fuße des Heidelberger Schlosses befindet, ein Besucher aus einer Leipziger Studentenverbindung aufgehalten haben.

Als dieser erzählte, dass er jüdische Vorfahren habe, sollen mindestens drei der Verbindungsleute ihn antisemitisch beleidigt, mit Gürteln geschlagen und mit Münzgeld beworfen haben. Der 25-Jährige erlitt bei dem Angriff leichte Verletzungen und erstattete wenig später Anzeige bei der Polizei.

Die Beamten ließen die Anschuldigungen bezüglich eines mutmaßlich antisemitischen Tathintergrunds in ihrer offiziellen Pressemitteilung zunächst unerwähnt, wie die AIDH kritisiert. In einem Bericht der RNZ begründete ein Sprecher der Staatsanwaltschaft diese Vorgehensweise folgendermaßen: „Wir sind in der Sache sofort aktiv geworden, aber wir wollten mehr über die Hintergründe wissen. Und wir wissen auch noch nicht, wie viele Personen an dem Vorfall beteiligt waren“.

Drei der mutmaßlichen Täter sollen aktuell namentlich bekannt sein, gegen drei weitere wird laut Staatsanwaltschaft ebenfalls ermittelt. Ob es sich dabei auch um Personen anderer Burschenschafter handelt, wie von der AIDH behauptet, bestätigte der Sprecher nicht. Gegenüber RNZ wies er jedoch darauf hin, dass die Praxis, Gäste mit Gürteln zu schlagen, bei der „Normannia“ nicht unüblich sei und von den Beteiligten in der Regel auch akzeptiert würde.

Geschlagen und beleidigt: 25-Jähriger wird von Burschenschaftern attackiert, weil er jüdische Vorfahren hat

Laut AIDH waren die Geschehnisse Ende August nicht der erste Vorfall, wobei die Burschenschaft „durch ihre Positionierung am äußersten rechten Rand aufgefallen“ ist. In ihrer Pressemitteilung spricht die linksorientierte Initiative bezüglich der Auflösung der Aktivitas von einer reinen „Alibi-Handlung“. Im Gegensatz zu dieser Gruppe studierender Burschenschafter bleibt der Altherrenbund der Normannia weiterhin bestehen. Bekannte Mitglieder von dieser sind beispielsweise Bundestagsmitglied und AfD-Politiker Christian Wirth oder Michael Kurt Paulwitz, ehemaliges Mitglieder der Republikaner und Autor der konservativen Wochenzeitung „Junge Freiheit“, die von Kritikern oft dem rechtsextremen Spektrum zugeordnet wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare