Nach Extremismus-Verdacht

„Totalversagen“ bei der Bundeswehr: Kommando Spezialkräfte (KSK) mit peinlicher Waffenpanne

Bundeswehrsoldaten der Eliteeinheit Kommando Spezialkräfte (KSK) trainieren den Häuserkampf und eine Geiselbefreiung.
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Ermittlungen sollten zeigen, was mit den verschwundenen Waffen der Bundeswehr beziehungsweise der KSK geschehen ist - die Antwort darauf ist peinlich.
  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
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Das Verteidigungsministerium gab Anfang der Woche bekannt, was mit den verschwundenen Waffen des KSK geschehen ist - für die Bundeswehr endet das peinlich.

Calw - Auf dem Schlossplatz in Stuttgart dürfte sich vergangene Woche der ein oder andere über die signalroten Plakate gewundert haben, auf denen die Bundeswehr angeblich vor „Lebensgefahr durch Waffen“ warnte. Zwar kommen Soldaten zur Bekämpfung der Corona-Pandemie derzeit in der Landeshauptstadt zum Einsatz - wie sich herausstellte, handelte es sich bei den Plakaten jedoch um Fälschungen.

Das „Zentrum für politische Schönheit“ - dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss politischer Aktionskünstler- hatte die Bevölkerung damit auf die vielen vermissten Waffen in den deutschen Sicherheitsbehörden aufmerksam machen wollen. Hintergrund sind diverse Skandale, die in der Vergangenheit insbesondere im Zusammenhang mit dem Kommando Spezialkräfte (KSK) in Calw viel Aufsehen erregt haben. Die Eliteeinheit der Bundeswehr steht unter Verdacht, ein Sammelbecken rechtsextremer Gesinnung zu sein.

Bundeswehr: Verschwundene Munition, vermisster Sprengstoff - peinliche Waffenpanne beim KSK

Dieser Verdacht besteht vor allem seit dem Skandal rund um die berüchtigte „Schweinekopf-Party“ im April 2017, bei der KSK-Truppenmitglieder mit Schweineköpfen geworfen, sowie Rechtsrock gehört und der Hitlergruß gezeigt haben sollen. Kein Einzelfall unter den Elitesoldaten: So wurde im Frühsommer 2020 etwa ein Waffenversteck mit Nazi-Andachtsgegenständen sowie Munition und Sprengstoff auf dem Grundstück eines KSK-Militärs in Sachsen entdeckt. 

In der Folge sah sich Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer gezwungen, Reformmaßnahmen mit großangelegten Umstrukturierungen in der Spezialeinheit der Bundeswehr anzuordnen (Operation „Eiserner Besen“) sowie die zweite von sechs KSK-Kompanien aufzulösen - beim Militärischen Abschirmdienst (MAD) ermittelte man gegen etwa zwei Dutzend weitere rechtsextreme Verdachtsfälle. Die Frage nach den verschwundenen Waffen blieb überdies hinaus.

48.000 Schuss Munition und 62 Kilo Sprengstoff sollen aus den KSK-Lagern verschwunden sein, wie die Bundeswehr nach internen Ermittlungen im Juli öffentlich machte, das berichtete die Deutsche Presseagentur (dpa). Der genaue Verbleib war laut Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer unklar, weswegen sie damals den Auftrag erteilt habe, eine Generalinventur durchzuführen, heißt es in dem Bericht.   

Kommando Spezialkräfte: Such nach vermissten Waffen bei Bundeswehr-Elite beendet

Anfang der Woche meldete sich Annegret Kramp-Karrenbauer dann in einem Video, das das Verteidigungsministerium unter anderem auf Twitter postete. Der Ministerin liegt inzwischen ein erster 21 Seiten langer Zwischenbericht zu den bisherigen Umstrukturierungsbemühungen im KSK vor - angefertigt vom Bundeswehr-Generalinspekteur Eberhard Zorn.

„Er macht deutlich, dass das, was ich die Mauer des Schweigens genannt habe, am Bröckeln ist, dass wir auf Erkenntnisse über Vorgänge aus der Vergangenheit stoßen, die uns auch helfen, aufzuklären und die Strukturen für die Zukunft zu verbessern“, so Annegret Kramp-Karrenbauer über die Zustände beim KSK.      

Des Weiteren gebe der Bericht laut Verteidigungsministerin „Aufklärung über viele Fragen rund um das Thema Munition“. Denn: Der Bundeswehr-Generalinspekteur macht in diesem eine vorsichtige Entwarnung deutlich. Die Überraschung: Ein großer Teil der vermisst gemeldeten Munition und des Sprengstoffs soll demnach wohl nur „falsch verbucht“ worden.

„So wurden vermutlich im Oktober 2018 bei einer Bestandsprüfung durch das Fachpersonal des Verbandes 62 Kilogramm Sprengmittel ,mehr‘ gezählt, als de facto vorhanden waren“, heißt es in dem Bericht, und weiter: „Diese wurden als ,realer Bestand‘ in die Buchführung aufgenommen. Da die Munition mutmaßlich tatsächlich nie vorhanden war, führte die darauffolgende Jahresinventur im Dezember 2019 zu einem vermeintlichen Unterbestand in Höhe von 62 Kilogramm.“

Verteidigungsministerin: Vermissten Bundeswehr-Waffen durch Buchhaltungsfehler

„Alles also halb so wild - war nur ein Missgeschick“ scheint die Message zu sein, die Verteidigungsministerin und Generalinspekteur hinsichtlich der nun angeblich doch nicht verschwundenen Waffen zu vermitteln versuchen. Das sieht allerdings nicht jeder so: „Das ist schon ein Ding: nach einem Totalversagen ein klein wenig aufräumen, und sich dann dafür zu loben...“, heißt es in einem Kommentar, den ein Leser unter dem Spiegel-Artikel postete.

Ein weiterer schreibt: „In der freien Wirtschaft rollen Im übertragenen Sinn Köpfe, wenn eine Kiste übersehen wird – und wenn es nur um eine Kiste Siemens Lufthaken handelt“. Wieder ein anderer kritisiert: „Das klingt alles wie großer Klamauk. Herr Zorn und die Operation ,Eiserner Besen‘. Und die falsch gezählten Päckchen - wenn nur die Sache nicht so gefährlich und ernst wäre.“

„Unsachgemäße Buchführung“: Peinliche Waffenpanne bei Bundeswehr und KSK

Auf Twitter scherzt ein Kommentator zynisch: „Eine der besten Elitetruppen der Welt. Knallhartes Auswahlverfahren. 90 Prozent Durchfallquote. Und dann ‚unsachgemäße Buchführung‘. Hmm, ja doch. Gekauft.“ Ein weiterer Twitter-Nutzer vermutet sogar, dass mehr hinter den Aussagen des Bundeswehr-Zwischenberichts stecken könnte: „So kann man sich sein Versagen auch schön reden. Liest sich halt besser als ,verloren‘. Und die Bevölkerung soll wirklich glauben, dass die Sachen doch nicht weg sind?“

Ein anderer geht sogar noch weiter: „Die Soldaten vom KSK sind nicht in der Lage, richtig zu zählen [...] - wer das glaubt, wird selig! Hoffentlich verschwindet kein Kampfflugzeug oder ein Panzer, weil einer falsch gezählt hat, eine absurdere Ausrede gibt es nicht! Ich glaube, dass kaum ein Wille da ist, das alles wirklich aufzuklären und zu beleuchten, wohl wissend, wie schädlich die Wahrheit für die Bundeswehr wäre.“

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