Nach fünf Jahren Bau

Bundeswehr eröffnet modernste Scharfschützen-Anlage Deutschlands - mit gruseliger Todesfunktion

Bundeswegsoldat zielt mit einem Gewehr.
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In Eschbach wurde eine deutschlandweit einzigartige Schießanlage von der Bundeswehr eröffnet.
  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
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Nach fünf Jahren Bauzeit eröffnete die Bundeswehr vergangenen Donnerstag das modernste Trainingszentrum, das es aktuell in Deutschland gibt. Die Schießanlage bietet den Schützen eine gruselige Funktion.

  • Die Bundeswehr eröffnete in Eschbach - nahe der französischen Grenze - die derzeit modernste Schießanlage Deutschlands.
  • In dem Trainingszentrum können Soldaten unter völlig realistischen Bedingungen das Schießen trainieren.
  • Genutzt wird die Schießanlage hauptsächlich von der Deutsch-Französischen Brigade.

Eschbach/Breisgau-Hochschwarzwald - Erst kürzlich machte die Bundeswehr mit einem Projekt in Baden-Württemberg von sich reden, das die Bevölkerung in Angst versetzte. Dabei ging es um einen Standortübungsplatz bei Villingen-Schwenningen. Nach fünf Jahren Bauzeit wurde vergangenen Donnerstag nun ein weiteres neues Trainingszentrum in Eschbach im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald eingeweiht. 21 Millionen Euro hat das Projekt der Deutsch-Französischen Brigade Medienberichten zufolge gekostet.

Es soll sich dabei um die momentan modernste Schießanlage der Bundeswehr handeln, wie die Badische Zeitung einen Sprecher des Bundesamts für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr zitiert. Die Deutsch-Französische Brigade besteht bereits seit den 1980er Jahren und war der erste militärische Großverband, der sich langfristig aus Infanteristen zweier benachbarter Länder zusammensetzt.

Eschbach: Bundeswehr weiht neues Trainingszentrum ein - Schießanlage ist in Deutschland einzigartig

Aktuell dienen laut Bundeswehr-Angaben etwa 5.000 Soldaten in der Brigade - unter anderem in Mali -, von denen voraussichtlich mindestens 2.000 die neuen Schießstände in Eschbach für ihr Training nutzen werden, wie es in dem Bericht der Badischen Zeitung heißt. Des Weiteren haben auch Mitglieder der Bundespolizei sowie des Zolls freien Zugang zu den Übungsplätzen.

Infanteristen, also Fußsoldaten wie sie in der Deutsch-Französischen Brigade vertreten sind, trainieren bis zu zweimal im Monat am Schießstand, wobei mehrere Übungen für unterschiedliche Szenarien geprobt werden. Das neue Trainingszentrum der Bundeswehr in Eschbach bietet dafür fünf Schießbahnen, bei denen Schüsse auf kurze und große Distanzen geübt werden können. Dabei kommen Pistolen und Maschinengewehre bei einer Kurzentfernung von 25 Metern zum Einsatz, bei 250 Metern nutzen die Soldaten und Scharfschützen Gewehre.

Praktisch: Da die Schießanlage mit einer sogenannten Rasterkassettendecke überdacht ist, werden alle gesetzlichen Anforderungen in puncto Lärmschutz erfüllt. Geschossen wird dennoch nur wochentags sowie Donnerstagnacht - sehr selten auch mal am Samstag. Ebenfalls von Vorteil sind die modernen Gebläse, die in der Schießanlage verbaut sind. Diese sorgen dafür, dass Schadstoffe, die bei der Schussabgabe entstehen, sofort von den Soldaten der Bundeswehr weggeblasen werden.

Damit die Schießübungen für die Soldaten der Bundeswehr so realistisch wie möglich sind, verfügt die Anlage zudem über eine außergewöhnliche, wenn nicht gar gruselige Funktion: eine sogenannte Infanterielaufzielanlage. Mithilfe dieser werden feindliche Soldaten simuliert, die sich von der einen Seite zur anderen durch das Zielfeld bewegen. Die Bundeswehr-Soldaten müssen die Gegner abschießen, bevor sie in Deckung gehen. Für die Schützen wirken die Übungen dadurch besonders realistisch.

Mit dieser Ausstattung ist die neue Schießanlage in Eschbach die erste ihrer Art in Deutschland. Sie ermöglicht zudem, dass Soldaten der Bundeswehr ihre Treffer sofort auf einem Gerät angezeigt bekommen. Bei weniger modernen Schießplätzen müssen die Schützen selbst überprüfen, ob sie bei ihrer Übung erfolgreich waren und das Ziel getroffen haben.

Neues Trainingszentrum der Bundeswehr mit deutschlandweit einzigartiger Schießanlage

Wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg mussten Soldaten in den vergangenen Monaten viel Unterstützung im Inneren leisten. Ein großer Teil der zivilen Kräfte war während der Krise ausgelastet. Soldaten unterstützen daher lokale Einsatzkräfte - zum Beispiel bei Naturkatastrophen und schweren Unglücksfällen. Einsatzkräfte der Bundeswehr wurden jedoch auch zur Überwachung und Durchsetzung der Covid-19-Maßnahmen und Kontaktverbote angefordert.

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