Wahl des Bundespräsidenten

Bundesversammlung: Älteste Wahlfrau schießt gegen AfD-Kandidat – „hochkant rausschmeißen“

Karla Spagerer steht vor ihrem Wohnhaus in Mannheim, Baden-Württemberg.
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Wählt am Sonntag einen Bundespräsidenten: Karla Spagerer (92) aus Mannheim.
  • Jason Blaschke
    VonJason Blaschke
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Wenn am Sonntag der Bundespräsident gewählt wird, ist auch Karla Spagerer (92) aus Baden-Württemberg mit dabei. Sie weiß genau, wer ihre Stimme bekommt.

Mannheim – Am Sonntag (13. Februar) kommt in Berlin die Bundesversammlung zusammen und wählt einen Mann, der das höchste Staatsamt in Deutschland die kommenden fünf Jahre begleiten soll. Neben Frank-Walter Steinmeier (SPD) treten drei weitere Kandidaten vor die Bundesversammlung und hoffen auf viele Stimmen. Die Wahl Steinmeiers gilt als sicher, da sich alle größeren Parteien schon für eine zweite Amtszeit des Politik-Profis im Vorfeld ausgesprochen hatten.

Für Karla Spagerer (92) aus Mannheim wird es trotzdem ein ganz besonderer Augenblick sein, wenn sie am Sonntag als ein Mitglied der Bundesversammlung ihre Stimme abgeben wird. Die 92 Jahre alte Mannheimerin ist in ihrer Stadt eine bekannte Zeitzeugin und stolz auf die Tatsache, dass sie am Sonntag in Berlin die älteste Wahlfrau von allen sein wird. Als die baden-württembergische SPD ihr die frohe Botschaft überbracht hatte, sei sie wie vom Donner gerührt gewesen.

Baden-Württemberg: Karla Spagerer aus Mannheim ist älteste Wahlfrau in Bundesversammlung

Karla Spagerer im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa): „Da ist mir die Spucke weggeblieben – und das passiert mir nicht oft.“ Die SPD in Baden-Württemberg habe offenbar würdigen wollen, dass sie mit 92 Jahren noch immer Schulen besucht, um über die Schrecken der Nazi-Zeit zu erzählen. Dass Karla Spagerer aus Mannheim am Sonntag die älteste Wahlfrau sein wird, bestätigte das Tagungsbüro des Bundestags der SPD der dpa auf Nachfrage.

Die Bundesversammlung setzt sich aus allen Abgeordneten des Deutschen Bundestags sowie aus Abgesandten der 16 Landtage von Deutschland zusammen. Die Landtage können entweder Parlamentarier zur Bundespräsidenten-Wahl nach Berlin entsenden – aber alternativ auch prominente Personen oder andere Menschen mit besonderen Verdiensten. Karla Spagerer aus Mannheim erzählt im dpa-Gespräch, dass sie erst seit sechs Jahren so richtig in der Politik mitmische, nachdem ihr Mann verstorben war.

Baden-Württemberg: Spagerer zeigt klare Kante – ihn wählt sie nicht

68 Jahre lang war Karla mit Walter Spagerer verheiratet, der sich zu Lebzeiten bei der IG Metall, der SPD, sowie für den Fußballclub Waldhof Mannheim engagierte. Die Mutation für ihr verstärktes politisches Engagement sei das Erstarken der AfD gewesen, verrät die 92-jährige Baden-Württembergerin und ergänzt: „Da habe ich gegen kämpfen wollen.“ Wenn sie am Sonntag in Berlin einen der Kandidaten zum Bundespräsident mitwählt, wird sie das mit einer klaren politischen Meinung tun.

Die CDU müsste den hochkant rausschmeißen.

Karla Spagerer, Wahlfrau in der Bundesversammlung

Im Gespräch mit der dpa verrät Karla Spagerer noch, dass Frank Walter-Steinmeier der Mann sein wird, der am Sonntag in Berlin ihre Stimme bekommt. „Das ist ein sehr angenehmer Mann“, sagt sie. Sein Herausforderer Max Otte (CDU), der von der AfD als Kandidat für das Amt nominiert wurde, ist für die 92-Jährige keine Option. Dass er überhaupt bei der Wahl antritt, findet sie unerhört. Spagerer knallhart: „Die CDU müsste ihn hochkant rausschmeißen.“

Baden-Württemberg: Älteste Wahlfrau knallhart über Gerhard Schröder – „soll seinen Mund halten“

Und auch zu ihren Parteigenossen hat die resolute 92-Jährige eine klare Meinung. An Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) findet die Genossin gut, dass er „ruhig bleibt und nicht so aufgeregt ist“. Deutlich weniger Sympathie hegt Spagerer stattdessen für Alt-Kanzler Gerhard Schröder (SPD). Dass der sich im Konflikt zwischen der Ukraine und Russland einmischt, geht der 92-Jährigen mächtig auf den Geist: „Der soll seinen Mund halten, der hat seine Zeit gehabt.“

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