Mysteriöse Herkunft

Die Brezel-Legende: Bayern oder Baden-Württemberg - woher kommt sie wirklich?

Brezeln liegen in einer Bäckerei auf einem Backblech.
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Um die Entstehung der Laugenbrezel ranken sich zahlreiche Legenden.
  • VonNadja Pohr
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Eine Frage erhitzt die Gemüter in Bayern und Baden-Württemberg immer wieder: Wer hat die Laugenbrezel erfunden? BW24 geht den Legenden nach.

Stuttgart – Sowohl Bayern als auch Baden-Württemberg beanspruchen den Ursprung der Brezel jeweils für sich. In Baden-Württemberg genießt das Traditionsgebäck Kultstatus. Brezeln wurden vom Land in einer Aktionswoche sogar dafür „missbraucht“, um Pendler aufs Rad zu locken. Doch woher kommt die inzwischen weltbekannte Brezel eigentlich ursprünglich? Im „Kampf um den Erfindergedanken“ konkurrieren vor allem zwei Überlieferungen miteinander.

Der bekanntesten Legende zufolge wurde die Laugenbrezel 1477 laut dem Ulmer Museum der Brotkultur von Hofbäcker Frieders aus Bad Urach (Landkreis Reutlingen) erfunden. Er wurde von Graf Eberhard V in den Kerker geworfen und zum Tode verurteilt. Der Bäcker konnte sich seine Freiheit jedoch „erbacken“, wenn er ein Brot produzieren würde, durch das dreimal die Sonne scheinen kann. Das Resultat war demnach die heute weltbekannte Brezelform, die dann auch noch per Zufall in eine Laugenwanne fiel, nachdem die Katze des Hofbäckers aufgeschreckt worden war. Die Kreation überzeugte den Grafen - Frieders wurde freigelassen.

Bäcker aus München soll 1839 die Laugenbrezel „aus Versehen“ erfunden haben

Das Spezialitätenland Bayern hält dagegen: Ein Münchner Bäcker aus dem Jahr 1839 soll die Laugenbrezel erfunden haben. Auch dieser Entstehungsgeschichte liegt ein Versehen zugrunde.

Der Bäcker Anton Nepomuk Pfannenbrenner glasierte seine Brezeln normalerweise mit Zuckerwasser. Ohne es zu merken, griff er aber in die Lauge, die für die Reinigung der Bleche bereitstand. Dennoch gab er die Brezeln dem Hoflieferanten Josef Eilles mit, der sie dem Gesandten Wilhelm Eugen von Ursingen zum Frühstück brachte.

Obwohl die bayrische Legende mit mehr Details überliefert wurde, ist sie dennoch fragwürdiger. Es gab weder einen Bäcker noch einen Gesandten mit diesem Namen und die Firma von Hoflieferant Eilles wurde erst im Jahr 1863 gegründet. Somit scheint die Geschichte aus Baden-Württemberg wahrscheinlicher, obwohl auch sie nicht belegt werden kann.

Brezel-Expertin: „Brezel wurde in der Kirche als Vorgänger zur Hostie zum Abendmahl gereicht“

Fakt ist: Die Brezel gibt es schon seit Hunderten von Jahren. Als ursprüngliche christliche Fastenspeise im deutschsprachigen Raum bahnte sie sich ihren Weg weiter ins Mittelalter bis in die heutige Zeit. Die älteste Abbildung einer Brezel befindet sich auf dem Bild einer Abendmahlszene aus dem 11. Jahrhundert. Darauf abgebildet ist neben Jesus und seinen Jüngern sowie Fisch und Wein auch eine Brezel.

Zu Jesu Zeiten gab es die Brezel allerdings noch nicht, wie Irene Krauß, Autorin des Buchs „Das große Buch der Brezel“, der Augsburger Allgemeinen verriet: „Sie wurde in der Kirche als Vorgänger zur heutigen Hostie zum Abendmahl gereicht. Da die Maler eben das darstellten, was sie kannten, gab es beim Abendmahl Brezeln.“

Das Wort Brezel stammt übrigens aus dem lateinischen „Bracchium“, was übersetzt „Arm“ bedeutet. Der Name bezieht sich auch auf die Brezelform, die von einem Mönch im Jahr 610 erfunden wurde - inspiriert durch die zum Gebet gekreuzten Arme seiner Mitbrüder.

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