„Stimmung am Boden“

E-Auto-Boom hat Konsequenzen: Bosch baut massiv Stellen in Werk ab

Ein Schild an einem Bosch-Werk.
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Am badischen Standort Bühl/Bühlertal will Bosch rund 700 Vollzeitstellen abbauen.
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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Der Automobilzulieferer Bosch reduziert die Zahl der Beschäftigten in den Werken Bühl und Bühlertal drastisch. 700 Stellen werden bis 2025 gestrichen.

Stuttgart - Der Technologiekonzern Bosch mit Sitz in der Landeshauptstadt Stuttgart baut am badischen Standort Bühl/Bühlertal 700 Arbeitsplätze ab. Wie das Unternehmen am Donnerstag gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa) mitteilte, sollen die Vollzeitstellen bis 2025 sozialverträglich abgebaut werden. Betriebsbedingte Kündigungen seien bis dahin ausgeschlossen.

In Bühlertal ist der Hauptsitz von „Electrical Drives“ bei Bosch verortet. Von dort aus koordiniert Bosch seit über 50 Jahren das weltweite Geschäft mit elektrischen Antrieben. Auch Kleinmotoren, die etwa bei Fensterhebern oder Sitzverstellern zum Einsatz kommen, werden hier hergestellt. Gemeinsam mit Bühl kommt der Standort auf rund 3.700 Beschäftigte. Grund für den massiven Stellenabbau im Werk ist die „Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit in einem hart umkämpften Marktumfeld“, so das Unternehmen.

Bosch: „Stimmung in der Belegschaft ist am Boden“

Dass Bosch als eines der größten Unternehmen in Baden-Württemberg so viele Arbeitsplätze abbaut, stößt bei der IG Metall auf heftige Kritik. „Die Stimmung in der Belegschaft ist am Boden“, sagte ein Gewerkschaftssprecher der dpa. „Sie haben über Jahre tarifliche Zugeständnisse gemacht.“ Nach Auffassung der IG Metall sind von dem geplanten Arbeitsplatzabbau sogar deutlich mehr Stellen betroffen, als Bosch zugeben will. So rechnet die IG Metall nicht nur mit 700, sondern mit 1.000 bedrohten Stellen.

Wie die IG Metall Offenburg gegenüber dem SWR mitteilte, seien bereits seit dem vergangenen Jahr rund 400 Stellen in den Werken Bühl und Bühlertal abgebaut worden. „Das Märchen vom Vermeiden betriebsbedingter Kündigungen glaube ich nicht“, sagte Ahmet Karademir, erster Bevollmächtigter der IG Metall Offenburg, dem SWR. Da 90 Prozent des Stellenabbaus in den kommenden zwei Jahren stattfinden sollen, glaube er nicht daran, dass alles rein über Fluktuation und Freiwilligkeit laufen wird.

Bosch: Auch andere Werke von Stellenabbau betroffen

Erst vor Kurzem wurde bekannt, dass ein Bosch-Werk in Bietigheim-Bissingen seine Produktion schließt. 290 Stellen sind dort vom Abbau betroffen. Auch die Zukunft des Standorts München mit 250 Beschäftigten, die elektrische Kraftstoffpumpen und Einspritzventile fertigen, ist ungewiss.

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