Wut auf Management

Bosch streicht 1.000 Stellen: Stimmung eskaliert - Mitarbeiter wollen „Zeche nicht zahlen“

Bosch-Logo an einem Gebäude
+
Am badischen Standort Bühl/Bühlertal will Bosch rund 1.000 Stellen streichen.
  • Valentin Betz
    VonValentin Betz
    schließen

Der Automobilzulieferer Bosch stellt sich für die Zukunft auf, auch mit Stellenabbau. Der ist auch am Standort Bühl geplant - und nimmt immer größere Ausmaße an.

Bühl - Bosch ist für die Wirtschaft in Baden-Württemberg ein bedeutendes Unternehmen. Ein wesentlicher Teil der weltweiten Standorte liegt im Südwesten Deutschlands. Seinen Umsatz erwirtschaftet Bosch unter anderem als Zulieferer der Automobilindustrie. Weil sich diese aktuell auf die Produktion von E-Autos umstellt, muss sich auch Bosch anpassen.

Das bleibt für die Mitarbeiter des Unternehmens nicht folgenlos. In München will Bosch ein ganzes Werk dicht machen, Hunderte Jobs gingen dadurch verloren. Ein ähnliches Schicksal steht weiteren Standorten bevor, auch in Baden-Württemberg. Schon seit längerer Zeit steht im Bosch-Werk in Bühl ein massiver Stellenabbau im Raum. Details dazu waren bislang aber unklar. Wie die Badischen Neuesten Nachrichten (BNN) schreiben, wurde Bosch jetzt konkreter - sehr zum Ärger des Betriebsrates vor Ort.

Bosch streicht massiv Stellen in Bühl - Betriebsrat setzt sich zur Wehr

In Bühl sitzt einerseits ein Stammwerk von Bosch, am dazugehörigen Standort Bühlertal der Hauptsitz von „Electric Drives“. Von dort koordiniert das Unternehmen das weltweite Geschäft mit elektrischen Antrieben. Um die Wettbewerbsfähigkeit in dem hart umkämpften Bereich zu wahren, ist dort schon länger ein Stellenabbau vorgesehen. Die Mitarbeiter sind davon allerdings wenig angetan, eine Bosch-Betriebsversammlung zum Stellenabbau eskalierte unlängst.

Damals war die Zahl der gestrichenen Stellen aber noch vage, etwa 700 Mitarbeiter wollte Bosch entlassen. Inzwischen wird es laut den Badischen Neuesten Nachrichten konkreter. Demnach sprach der kaufmännische Werksleiter in einer Pressekonferenz nun von 1.000 Stellen, die entfallen. Denn zu den bereits genannten 700 Festangestellten kämen noch Teilzeitkräfte hinzu.

In Bühl und Bühlertal sind derzeit noch 3.800 Mitarbeiter beschäftigt. Allein im Werk Bühl sollen 330 Stellen verschwinden, sowie 50 in Zentralfunktionen und weitere 330 in Verwaltung, Vertrieb und Entwicklung. Wirklich gestrichen werden die Stellen bei Bosch indes nicht - stattdessen werden sie nach Osteuropa verlagert, unter anderem nach Serbien.

Geplanter Stellenabbau in Bühl: Betriebsrat und Gewerkschaft wütend

Das letzte Wort scheint beim Stellenabbau von Bosch in Bühl allerdings noch nicht gesprochen. Der Betriebsrat und die IG Metall wollen sich wehren. „Ich habe kein Verständnis dafür, was im Moment im Konzern abgeht“, sagte Betriebsratschef Klaus Lorenz laut BNN. Auch Ahmet Karademir, erster Bevollmächtigter der IG Metall Offenburg, zeigte sich schockiert über die Pläne von Bosch. „Das geht mir an die Nieren. Wir sprechen hier über Menschen mit Betriebszugehörigkeiten von 20 und mehr Jahren. Die Belegschaft hat das Vertrauen in die Führungsmannschaft verloren“, sagte er.

Besonders auf die Führungsebene bei Bosch haben es die beiden Mitarbeiter-Vertreter abgesehen. Anders als das Stammpersonal würden nämlich die Manager in schnellen Intervallen wechseln. Der geplante Stellenabbau könnte zudem einen Imageschaden für den Standort in Bühl bedeuten. „Wir sind nicht bereit, die Zeche für Fehlentscheidungen des Managements zu tragen“, erklärte Betriebsratschef Lorenz. Bereits im November sei deshalb ein Aktionstag geplant.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare