Gescheiterter Satire-Versuch

Boris Palmer bezieht in Satire-Show zu Aogo-Äußerung Stellung - „Mache mich ja nicht absichtlich zum Deppen“

Boris Palmer ist bei einer TV-Satire-Sendung zu Gast.
+
Boris Palmer zu Gast bei „Die Florian Schroeder Satireshow“ in der ARD.
  • Nadja Pohr
    VonNadja Pohr
    schließen

Boris Palmer war Gast in einer Satire-Show in der ARD. Darin sprach er von seinem gescheiterten Versuch, selbst Satire zu betreiben, der letztlich zu seinem Parteiausschlussverfahren bei den Grünen führte.

Tübingen - Satire-Sendungen machen sich bekannterweise gerne über Politiker lustig. Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) war am Donnerstag (10. März) zu Gast in einer solchen Sendung. Bei „Die große Florian Schroeder Satireshow“ in der ARD sprach der Grünen-Politiker mit Moderator Florian Schroeder unter anderem über sein Parteiausschlussverfahren, warum er dennoch Mitglied bleiben wolle und seinem gescheiterten Versuch der Satire.

Tübingens OB Boris Palmer: „Kann Parteiausschlussverfahren nicht nachvollziehen“

Moderator Florian Schroeder kündigte Boris Palmer als „Enfant terrible der Grünen“ (dt. Bürgerschreck der Grünen) an und fragte ihn gleich zu Beginn, ob er ihn als „designierten Ex-Grünen bezeichnen“ dürfe. Palmer, der sich einem Parteiausschlussverfahren aufgrund umstrittener Äußerungen im Internet stellen muss, antwortete: „Ich hoffe, dass es nicht so ist, aber Sie dürfen alles.“

Im Interview erklärte Palmer, dass er das Verfahren gegen ihn nicht nachvollziehen könne. Er gebe zwar zu, Fehler gemacht zu haben, aber „Fehler führen ja nicht gleich zum Parteiausschluss“. Kürzlich wurde in einem Interview bekannt, dass selbst Palmers Freund seine Äußerungen schrecklich finden. Ein Fehler, den er jedoch bereue, sind seine Aussagen zu Ex-Fußball-Profi Dennis Aogo, die für eine Welle der Kritik sorgten. Palmer hatte im Mai 2021 in einem Facebook-Kommentar über den ehemaligen deutschen Nationalspieler, der einen nigerianischen Vater hat, das N-Wort benutzt und damit eine heftige Debatte im Netz und in seiner Partei losgetreten.

Boris Palmer habe sich bei Aussagen zu Dennis Aogo „in Satire versucht“

Auf die Frage des Moderators, ob die Sache mit Dennis Aogo über das Ziel hinausschoss, antwortete Boris Palmer: „Da habe ich den Fehler gemacht, mich in Satire zu versuchen.“ Sein Kommentar sei ein eindeutiger Fehler gewesen. „Ich mache mich ja nicht absichtlich zum Deppen“, ergänzte Palmer. Da er Aogo zuvor verteidigt hatte, dachte der Oberbürgermeister, es sei deutlich erkennbare Satire gewesen. „Das hat aber keiner verstanden“ - und letztlich zu dem Verfahren geführt.

„Das ist meine politische Heimat, ich bin seit 25 Jahren dabei“, erläutert Palmer den Grund, warum er nicht selbst einen Schlussstrich ziehe und stattdessen das Ausschlussverfahren durchzieht. „Das ist meine Partei.“ Außerdem denke er, dass die Grünen diesen Streit brauchen, um sie voranzubringen und vor einem Irrtum zu bewahren. Ähnlich äußerte sich auch Palmers Anwalt Rezzo Schlauch, der den Parteiausschluss als „politisch und rechtlich grobe Fehlleistung“ der Grünen bezeichnete.

Palmer teilt Satire-Show auf Facebook und tritt in Fettnäpfchen

Seinen Auftritt in der Satire-Show von Florian Schroeder hat Tübingens-OB Boris Palmer auch auf seiner Facebook-Seite geteilt. „Richtig, der hat 0711-Querdenker so richtig gezeigt, was Satire kann. Da kann manch Krömer noch was lernen“, schrieb er zu dem Videolink. Pikant ist dabei jedoch, dass der angesprochene Kurt Krömer in den vergangenen Tagen in den Medien vor allem durch seine Depressionen präsent war.

„Einen Vergleich mit Krömer, was der „lernen könnte“ am heutigen Tag? Ernsthaft jetzt?“, schrieb ein Facebook-Nutzer verärgert in den Kommentaren. „Krömer steht zumindest zu seinen psychischen Problemen“, meint ein anderer. Dennoch wurde der Auftritt von Boris Palmer in der Show bei der Facebook-Community positiv bewertet. „Boris Palmer hat das sehr gut pariert, aber nicht ausweichend geantwortet, sondern ehrlich und fundiert“, beschreibt eine Userin das Interview.

Mehr zum Thema

Kommentare