Drastische Forderung

Palmer stinksauer auf Ungeimpfte: „Unterschreibt, dass ihr aufs Krankenhausbett verzichtet“

Oberbürgermeister Tübingens: Boris Palmer von den Grünen, hier bei der Eröffnung einer neuen Radbrücke.
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Oberbürgermeister Tübingens: Boris Palmer von den Grünen, hier bei der Eröffnung einer neuen Radbrücke.
  • Valentin Betz
    VonValentin Betz
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Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer hat oft kontroverse Meinungen, auch zu den Corona-Maßnahmen. Für die Impfung setzt er sich aber ein - mit drastischen Worten.

Tübingen - Die Stadt Tübingen ist bundesweit wohl weniger für ihre Universität, als für ihren Oberbürgermeister Boris Palmer bekannt. Der Grünen-Politiker hält mit seiner Meinung zu diversen Themen selten hinter dem Berg. In den vergangenen Monaten äußerte er sich regelmäßig zum Coronavirus in Baden-Württemberg*.

Von den Corona-Maßnahmen war Boris Palmer nie restlos überzeugt, im Rahmen eines Modellversuchs in Tübingen sollten Bürger wieder „Normalität spüren“ (BW24* berichtete). Anders stellte sich die Lage bei den Impfstoffen dar. Palmer unterstützte deren Entwicklung und Verabreichung von Beginn an, er warb besonders für das Unternehmen Curevac* aus Tübingen.

Dabei war Boris Palmer stets für Impfungen, aber gegen die Impfpflicht*. Letzteres befürwortet der Oberbürgermeister von Tübingen zwar immer noch nicht. Auf Facebook teilte er jetzt aber in gewohnter Manier in Richtung der Impfskeptiker aus - und schreckte auch vor drastischen Folgen für Verweigerer nicht zurück.

Boris Palmer kritisiert Impfskeptiker und weist auf dramatische Lage auf Intensivstationen hin

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer äußerte in seinem langen Facebook-Kommentar Unverständnis an Zweifeln der Schutzwirkung einer Corona-Impfung. Dass diese zu 90 Prozent vor einer schweren Corona-Infektion schütze, bezeichnete Palmer als „harte Mathematik“.

Gleichzeitig schilderte Boris Palmer die dramatische Lage in den Krankenhäusern der Bundesrepublik. Es gebe unter anderem wegen der Corona-Pandemie 4.000 Intensivbetten zu wenig - auch weil viel Personal wegen Überlastung gekündigt hätten.

Boris Palmer widerspricht Skeptikern: Impfen nicht länger Privatsache

Der Tübinger Oberbürgermeister selbst ist geimpft. Boris Palmer hatte sich freiwillig zu Wirkstoff-Tests von Curevac gemeldet und impfen lassen* und dafür viel Respekt bekommen. Entsprechend wenig Toleranz bringt der Grünen-Politiker aktuell gegenüber Impfskeptikern auf. „Es werden zu viele Menschen gleichzeitig krank. Durch Corona. Das ist eben anders als Verkehrsunfälle oder ein Herzinfarkt ansteckend“, schreibt er auf Facebook.

Boris Palmer lässt auch das Argument, Impfen sei jedem selbst überlassen, nicht mehr gelten. „Privatsache ist das Impfen erst wieder, wenn die Folgen einer schweren Krankheit wegen unterlassener Impfung privat getragen werden“, erklärt er. Dafür hat der Tübinger Oberbürgermeister auch einen drastischen Vorschlag: „Also, liebe Impfgegner, unterschreibt eine Patientenverfügung, dass ihr auf Krankenhausbehandlung verzichtet. Dann können wir alle Corona-Maßnahmen aufheben.“ Für die Geimpften seien nämlich genug Personal und Betten vorhanden.

Tübingen: OB Boris Palmer kämpft mit harten Bandagen gegen Impfskeptiker

Ganz frei von einer gewissen Skepsis konnte sich aber bis vor kurzem auch Tübingens Oberbürgermeister nicht sprechen. Denn seine Kinder wollte Boris Palmer zunächst nicht impfen lassen*, denn da sei das „Risiko größer als bei einer Infektion“. Trotzdem wählte er in seinem Facebook-Kommentar gegenüber den Impfskeptikern wieder seinen gewohnt stichelnden, ironischen Unterton.

Als Ungeimpfter auf eine Krankenhausbehandlung zu verzichten, dürfte demnach ja unproblematisch sein. „99,9 Prozent der Deutschen sind doch gesund und haben kein Corona. Wer ein gutes Immunsystem hat und Vitamine zu sich nimmt und den richtigen Tee trinkt, kommt doch nie wegen Corona ins Krankenhaus. Dann mal los!“ Den Text zu seiner Forderung schrieb er im übrigen unter einem gefakten Bild einer Patientenverfügung. Abschließend richtete Boris Palmer noch einen Appell an Impfskeptiker: „Wer sich nicht impft, spielt derzeit auch mit dem Leben anderer Menschen. Und das ist einfach keine Privatsache mehr.“

Kritik von Boris Palmer an Impfskeptikern: Facebook-Nutzer beschweren sich

Wie gewohnt eckte Boris Palmer mit seinem Text bei den Nutzern ordentlich an. Neben Argumenten wie „Wieso kümmert sich eigentlich mal keiner um die Medikamente?“ gehen viele den Tübinger Oberbürgermeister auch direkt an. „Ganz billige Schiene, die Sie da befahren“, schreibt ein Nutzer. „Schade, diese Polemik bin ich von Ihnen nicht gewohnt“ ein anderer.

Inzwischen wurde der Beitrag von Palmer über 1.900 Mal kommentiert (Stand: 16.11.2021). Boris Palmer hingegen nahm kurz Stellung zu zahlreichen Argumenten und schloss dann unbeeindruckt: „Ich muss jetzt arbeiten. Es ist wirklich alles gesagt.“ *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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