Debatte um Cancel Culture

Palmer schießt gegen Grüne: „Knüppeln jeden als Rassisten nieder, der widerspricht“

Boris Palmer (Grüne) bei einem ersten Spatenstich Anfang Oktober in Tübingen.
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Boris Palmer (Grüne) sieht sich wegen seines Parteiausschlussverfahrens als Opfer einer „identitätspolitischen Truppe“.
  • Nadja Pohr
    VonNadja Pohr
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Boris Palmer teilte auf Facebook einen Beitrag, in dem er sich kritisch zur Cancel Culture äußert und sich als Opfer sieht. Die Schuld sieht er vor allem bei den Grünen.

Tübingen - Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) steht weiterhin im Konflikt mit seiner Partei. Nachdem die Mitglieder seinen Rauswurf aus der Partei wegen rassistischen Äußerungen gefordert hatten, steht Boris Palmer nun einem Parteiausschlussverfahren gegenüber. Als Rassisten will sich Palmer dennoch nicht abstempeln lassen, schießt gegen seine Partei und kritisiert erneut die Cancel Culture.

Während das Ausschlussverfahren weiterhin noch durch die Landespartei der Grünen in Baden-Württemberg geprüft wird, zog zuletzt der neue Bundesvorsitzende Omid Nouripour über Boris Palmer in einem Interview her. Darin unterstellte er ihm nicht nur, zwei Persönlichkeiten zu haben, sondern betonte auch erneut, dass Palmer bei der OB-Wahl in Tübingen keine Unterstützung der Partei zu erwarten habe.

In einem Facebook-Post äußerte sich Boris Palmer nun zu einem Interview, in dem es um das Thema Rassismus und die Cancel Culture geht. In diesem Zug kritisiert er auch das damalige Vorgehen seiner Partei gegen ihn und sieht sich klar als Opfer.

Boris Palmer: Grüne „knüppeln jeden als Rassisten nieder, der widerspricht“

Boris Palmer zitiert dabei die Aussagen von Professor John McWhorters aus einem Gespräch mit dem Spiegel, bei dem dieser über das Problem der Cancel Culture spricht. Er beschreibt sie als „identitätspolitische Truppen, die mit dem rhetorischen Baseballschläger durch das Internet ziehen und jeden als Rassisten niederknüppeln, der ihnen widerspricht.“

Palmer sieht das als bei sich gegeben: „Voila. Das ist der Kern des Versuchs, mich aus meiner Partei auszuschließen“, schreibt er. Wer mit weißer Hautfarbe sage, dass nicht nur „Black Lives Matter“, sondern „Any Live Matters“ gelte, der verliere seinen Job. So weit sei es mit der Cancel Culture schon gekommen, kritisiert er weiter.

Internet reagiert mit Unverständnis auf Palmers Aussagen - „Bauen sich ein Opfer-Puzzle“

In den Kommentaren widersprechen allerdings viele den Ansichten von Boris Palmer. „Sie rupfen aus vielen Artikeln einfach die für Sie passend scheinenden Teilchen raus und basteln sich ein Opfer-Puzzle“, kritisiert eine Nutzerin. „Niemand behauptet „Only black lives matter.“ Wer das da rein interpretiert, entlarvt sich selber“, findet eine weitere. Ein User schreibt, der Kern des Versuchs, Palmer aus der Partei auszuschließen, liege lediglich an ihm selbst und seinen unsensiblen sowie undurchdachten Äußerungen.

Darüber hinaus merken einige in den Kommentaren an, dass der Oberbürgermeister von Tübirngen eine ähnliche Cancel Culture bei der Impfpflicht betreibe. Hintergrund ist seine Kritik an den Impfverweigerern. „Ich verstehe nicht, warum Sie sich in Sachen Impfpflicht ungefähr so verhalten wie das, was sie hier gerade zu Recht anprangern“, schreibt ein User. Ein anderer meint: „Ein fanatischer Befürworter der Impfpflicht unterscheidet sich kaum von einem Rassisten. Beide sind von einer kruden Idee besessen, wie eine bessere Welt aussieht. Beide sortieren die Menschen in gute und schlechte.“

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