Politiker wird deutlich

„Prollig und widerwärtig“: Tübingens OB Palmer zieht über Facebook her - und nutzt es trotzdem

Boris Palmer in der Nahaufnahme, er schaut erstaunt in die Kamera.
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Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer schimpft über das soziale Netzwerk Facebook, auf dem er selbst sehr aktiv ist.
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer spaltet die Gemüter. Das bekommt er häufig auch auf Facebook zu spüren. Jetzt platzt ihm der Kragen.

Tübingen - Boris Palmer polarisiert. Gerade auf Facebook teilt Tübingens Grüner Oberbürgermeister regelmäßig seine politischen Standpunkte mit. Dabei zieht er nicht nur Fans an. Auch Kritiker oder Trolle tummeln sich zuhauf auf seiner Facebook-Seite. Sein oft genutztes Sprachrohr dient ihm offensichtlich nicht nur zum Vorteil. Nun platzte dem Tübinger OB der Kragen. Er betitelte das soziale Netzwerk als „prollig und widerwärtig“.

Boris Palmer, geboren in Waiblingen im Rems-Murr-Kreis, hat seit 2007 das Amt des Oberbürgermeisters der Stadt Tübingen inne. Mit seinen politisch nicht unumstrittenen Statements sorgt er regelmäßig für Schlagzeilen weit über die Region und auch die Landeshauptstadt Stuttgart hinaus. Beispielsweise provozierte Palmer in einer Talkshow mit einem Corona-Witz oder rechnete auf Facebook mit Quarantäne-Verweigerern ab.

In einem Podcast der Rhein-Neckar-Zeitung machte Boris Palmer nun deutlich, dass er seine eifrige Facebook-Nutzung mittlerweile durchaus kritisch sieht. Am Anfang sei es spannend gewesen, Einblicke in das Denken von Menschen zu bekommen, die er sonst nicht treffen würde. Es sei eine Erweiterung des Meinungsspektrums gewesen. Aber das habe sich geändert: „Facebook ist immer prolliger, proletenhafter und auch widerwärtiger geworden“, sagte Palmer.

Tübingens OB Boris Palmer über Facebook: „Das raubt mir den Spaß und die Nerven“

Schon in einem Post von 2019 schreibt Boris Palmer, wie sehr ihn die negative Energie auf Facebook aufreibt. „Seit geraumer Zeit lese ich kaum noch Kommentare, die man einer konstruktiven Diskussion zurechnen könnte. Das raubt mir den Spaß an der Sache und die Nerven.“

Sein Appell damals: Wer sich nur auskotzen wolle, der bekommt künftig von ihm nichts mehr zurück außer: „BoMW“. Das sei seine Antwort auf „Beitrag ohne Mehrwehrt“.

Im Interview mit der Rhein-Neckar-Zeitung betonte Boris Palmer auch, er sei heute nicht mehr so überzeugt wie vor zehn Jahren, dass es nötig sei, als Politiker bei Facebook vertreten zu sein. „Und ob ich heute damit anfangen würde, weiß ich auch nicht.“ Für ihn sei es eine klare Abwägung zwischen Kosten und Nutzen. „Solange ich das Gefühl habe, dass der Nutzen überwiegt, mache ich weiter. Aber ich sehe schon, die Kosten wachsen“, sagte Palmer.

Ob die Wut des Tübinger Oberbürgermeisters einen Ausstieg aus dem sozialen Netzwerk bedeutet? Auf die Frage antwortet Boris Palmer unbestimmt: „Es ist schon extrem viel Energie, die da reingehauen wird. Und es strengt manchmal auch ein bisschen an. Wenn mir das zu viel wird, muss ich irgendwann auch die Notbremse ziehen und sagen: Ihr könnt mich ja weiterhin auf konventionellem Weg erreichen. Aber schade wäre es irgendwie schon.“

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