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„Vielleicht sollten Sie den Stil Ihrer Fragen ändern“: Boris Palmer kontert Journalisten im SWR-Interview

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Von: Sina Alonso Garcia

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Boris Palmer im SWR-Interview
Lässt sich auch von kritischen Fragen nicht aus dem Konzept bringen: Boris Palmer (l.) im Gespräch mit dem SWR. © Screenshot/SWR

Boris Palmer ist seit 16 Jahren als Oberbürgermeister der Stadt Tübingen im Amt und wurde am Sonntag wiedergewählt. Auf eine kritische Frage des SWR antwortete er selbstbewusst.

Tübingen - Dass er nicht auf den Mund gefallen ist, hat Boris Palmer schon des Öfteren bewiesen. Immer wieder macht er mit umstrittenen Aussagen von sich reden und polarisiert weit über die Landesgrenzen von Baden-Württemberg hinaus. Rassismusvorwürfe brockten Palmer zuletzt ein Parteiausschlussverfahren bei den Grünen ein - weswegen er als Kompromiss die Mitgliedschaft bis 2023 ruhen lässt. Bei der Oberbürgermeisterwahl in Tübingen am vergangenen Sonntag (23. Oktober) war Palmer parteilos angetreten - und wurde mit einer absoluten Mehrheit von 52,4 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Damit ließ er die Konkurrentinnen Ulrike Baumgärtner (Grüne, 22 Prozent) und Sofie Geisel (SPD, 21,4 Prozent) weit hinter sich. Nach seinem Sieg gibt sich Palmer selbstbewusst und stellt abermals unter Beweis, dass ihn kritische Fragen kaltlassen.

„Von Ihren Gegnern hieß es im Wahlkampf, Tübingen brauche keinen Ego-Shooter im Rathaus - werden Sie Ihren Stil in der neuen Amtsperiode ändern?“, fragt ein Journalist den frisch gewählten OB bei SWR aktuell. Hintergrund für die Frage sind immer wieder aufkommende Vorwürfe, laut denen Palmer seine Person zu sehr in den Mittelpunkt rückt. Offenbar wenig beeindruckt von der Kritik antwortet Palmer: „Warum sollte ein Oberbürgermeister, der zum dritten Mal mit einer absoluten Mehrheit gewählt wird, seinen Stil ändern? Vielleicht sollten Sie den Stil Ihrer Fragen ändern.“ Der Journalist atmet tief durch, geht dann aber ohne Kommentar zur nächsten Frage über. Fast scheint es so, als habe Palmer ihn mit seiner angriffslustigen Aussage überrascht.

Boris Palmer gewinnt mit deutlicher Mehrheit OB-Wahl in Tübingen: „Klares Votum der Stadtbevölkerung“

Im Gespräch mit dem SWR zeigt sich Palmer auch abseits seiner Stichelei gegen den Journalisten selbstbewusst. Das Ergebnis sei ein „klares Votum der Stadtbevölkerung“. Es freue ihn sogar, dass viele ihn nicht gewählt hätten. „Denn die Wahlbeteiligung ist dadurch für eine OB-Wahl in eine sensationelle Höhe gekommen - das ist ein gutes Zeichen für die Demokratie in unserer Stadt.“ Mit 62,6 Prozent lag die Wahlbeteiligung deutlich höher als bei den vergangenen OB-Wahlen in Tübingen. 2014 hatten 55 Prozent abgestimmt, 2006 knapp über 50.

Auf die Frage, welche Gründe laut seiner Einschätzung zu seiner Wahl geführt hätten, antwortet Palmer: „Arbeit, Fleiß und Ergebnisse werden von den Wählerinnen und Wählern geschätzt. Wir müssen auch über Wertschätzung sprechen. Aber Wertschätzung alleine macht es nicht. Tübingen zeigt, dass man Klimaschutz und Wohlstand zusammenbringen kann. Nirgendwo geht der CO2-Abdruck schneller zurück und die Wirtschaft wächst gleichzeitig stärker. Das ist der Tübinger Weg, den wir weitergehen wollen und so verstehe ich den Wählerauftrag.“

Boris Palmer: Auch in Zukunft will er innerparteilichen Konflikten nicht aus dem Weg gehen

Hätte Palmer die Wahl am Sonntag in Tübingen nicht gewonnen, hätte das Auswirkungen auf seine gesamte politische Karriere gehabt. Zuvor hatte Palmer angekündigt, dass er, im Falle einer Abwahl, das Ende seiner Karriere als Berufspolitiker einleiten werde. Durch seine Wiederwahl sind ihm nun weitere acht Jahre politischen Wirkens sicher. Vor seiner dritten Amtszeit kündigt er an, innerparteilichen Konflikten bei den Grünen auch in Zukunft nicht aus dem Weg gehen zu wollen. „Eine Demokratie, in der nicht gestritten wird, ist keine“, sagte er gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Die negative Bewertung des Wortes Streit halte er für einen schweren Fehler. „Ich finde, diese Partei sollte streiten.“ Versteht man diese Ankündigung richtig, wird es sicherlich nicht lange dauern, bis Palmer für die nächste Kontroverse sorgt.

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