„Hey, das ist hochriskant“

Boris Palmer überrascht mit Geständnis: Curevac hätte ihn beinahe zum Millionär gemacht

"Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären", sagte Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer. Foto: Sebastian Gollnow/dpa
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Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer hätte vor vielen Jahren beinahe in Curevac investiert.
  • vonEva Kaczmarczyk
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Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer hätte früher beinahe in das Pharma-Unternehmen Curevac investiert. Das hätte ihn zum Millionär machen können.

Tübingen - Das Coronavirus in Baden-Württemberg sorgt an vielen Stellen in der Wirtschaft für finanzielle Verluste. Der Einzelhandel hat seit Monaten mit den Folgen der Maßnahmen zum Infektionsschutz zu kämpfen, sodass hier viele Betreiber vor dem Ruin stehen. Auch in der Gastronomie sind harte Zeiten angebrochen, da die Verlängerung des Lockdowns bis zum 7. März auch hier massive Einnahmeeinbußen bedeutet. Recht gut durch die Krise kommen dagegen Unternehmen wie Curevac, die an Impfstoffen gegen das Coronavirus arbeiten.

Nun gesteht Tübingens Oberbürger Boris Palmer ein, dass er vor vielen Jahren beinahe in das Unternehmen investiert hätte. Er habe in seiner Jugend Curevac-Anteile kaufen wollen, zitiert ihn die Deutschen Presseagentur. Als das Startup 2001 noch in seiner Startphase war, habe der Politiker der Grünen investieren wollen, doch Curevac-Gründer Ingmar Hoerr selbst habe ihm von der Idee abgeraten. „Hey, das ist hochriskant“, sei die Einschätzung des deutschen Biologen Hoerr damals gewesen, die er bei einer gemeinsamen Autofahrt zu einer Gründermesse geäußert habe.

Coronavirus in Baden-Württemberg: „Hätte ich es gemacht, wäre ich heute Millionär“

Boris Palmer habe damals den Weg zur Messe mit dem Fahrrad auf sich nehmen wollen, auch das habe ihm Hoerr ausgeredet. Palmer habe stirnrunzelnd zugestimmt, so Hoerr. „Ich kenne Boris Palmer sehr, sehr gut aus Studienzeiten in Tübingen“, sagt Hoerr. Damals sei er junger Abgeordneter gewesen, der sein erstes Geld sinnvoll habe investieren wollen, erinnert sich Boris Palmer. Nicht in Curevac investiert zu haben, sehe er im Nachhinein als schweren Fehler an. „Hätte ich es gemacht, wäre ich heute Millionär“, sagt der Tübinger Oberbürgermeister.

Der heute 52-jährige Curevac-Gründer Hoerr gilt als der Entdecker einer neuen Impftechnik, die er als Doktorand entwickelte. Hierfür spritzte er Mäusen DNA und nahm als Gegenkontrolle die „kleine Schwester“, das Bodenmolekül RNA. Im Ergebnis erkannte er, dass die RNA die bessere Immunantwort lieferte. Curevac wurde daraufhin im Jahr 2000 gegründet und das Bio-Pharma-Unternehmen mit Hauptsitz in Tübingen wuchs schnell auf mehr als 500 Mitarbeiter an. Standorte sind heute Tübingen, Frankfurt und Boston, USA.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Impfungen kommen nur langsam voran

Impfungen wie die von Curevac sind ein vielversprechender Weg, um die Corona-Pandemie einzudämmen. Doch die Lage ist derzeit noch immer kritisch. Schleppende Zulassungsverfahren, Impfstoffknappheit und Unsicherheiten in Bezug auf die Wirkung der Impfung machen die Bekämpfung der Pandemie nicht einfacher. Die Covid-19-Impfstoffe von Biontech und seines Partners Pfizer, Moderna und Astra-Zeneca sind bislang in der EU zugelassen worden. Ein weiterer möglicher Impfstoff wäre vom Hersteller Novavax aus den USA in Sicht. Auch Curevac ist weiter im Rennen.

Derzeit wird mit rollierenden Verfahren bei der Zulassung gearbeitet, was bedeutet, dass die Unternehmen immer wieder Daten zur Auswertung zur Verfügung stellen, um so das Verfahren zu beschleunigen. Curevac arbeitet derzeit an einem Impfstoff gegen das Coronavirus, die Hoffnung besteht, diesen so schnell wie möglich zuzulassen. Wie die Impfstoffe von Biontech und Moderna basiert auch er ein mRNA-Impfstoff.

Die Produktion des neuen Impfstoffkandidaten bei Curevac läuft in Tübingen auf Hochtouren. Curevac schloss bereits Verträge mit Unternehmen wie Bayer, Wacker Chemie und Fareva, um die Kapazitäten hochfahren zu können. 2022 soll außerdem eine neue Produktionsanlage am Stammsitz hinzukommen, die Unterstützung liefern soll. Curevacs Impfstoff könnte schnell einen Spitzenplatz erringen, da die Anforderungen an die Kühlung niedriger sein sollen als etwa bei Biontech, der eine Kühlung von -70 Grad benötigt.

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