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Boris Palmer: Alles zu Karriere und Privatleben des umstrittenen Oberbürgermeisters von Tübingen

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Von: Julia Hawener

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Boris Palmer, der Oberbürgermeister von Tübingen, polarisiert mit seinen provokanten Aussagen - auch in seiner eigenen Partei. So lebt der Politiker privat.

Tübingen - Deutschlands wohl bekanntester Kommunalpolitiker, der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer, sorgt vor allem in seiner Partei, den Grünen, immer wieder für Unruhe. Palmers politisches Engagement und seine auflehnende Art kommen dabei nicht von ungefähr.

NameBoris Palmer
Geboren28. Mai 1972 in Waiblingen
SternzeichenZwilling
Ausbildung1993 bis 2000: Lehramtsstudium Geschichte und Mathematik an der Ebergard-Karls-Universität in Tübingen und in Sydney, Australien
FamilieSeit 2021 mit Magdalena Ruoffner verheiratet, Vater von drei Kindern (eine Tochter und zwei Söhne)

So hatte sein Vater, der Obstbauer Helmut Palmer, sich damals in Baden-Württemberg als „Remstal Rebell“ einen Namen gemacht und der Apfel fällt bekanntlich nicht weit von Stamm. Boris Palmer kam am 28. Mai 1972 in Waiblingen zur Welt und wuchs zusammen mit seinem Bruder Patrick in Geradstetten im Remstal bei Stuttgart auf.

Boris Palmer: Hochbegabter Schüler und Sohn eines Polit-Rebells

Bereits ein kurzer Blick in das frühe Leben Palmers zeigt, wie ihm sein politisches Interesse in die Wiege gelegt wurde. Bei mehr als 250 Bürgermeisterwahlen sowie zahlreichen Bundes- und Landtagswahlen ließ sich Helmut Palmer als unabhängiger Kandidat aufstellen. Als Kind begleitete der heutige Tübinger Oberbürgermeister seinen Vater bei dessen Wahlkämpfen und machte erste Erfahrungen in der Welt der Politik in Baden-Württemberg. Über die etlichen Kandidaturen im Schwabenland brachte es Helmut Palmer dabei nie hinaus – im Gegensatz zu seinem Sohn.

Boris Palmer, Oberbürgermeister von Tübingen
Boris Palmer wuchs in der Nähe von Stuttgart auf und wurde bereits durch seinen Vater mit der Welt der Politik bekannt gemacht. (Archivbild) © Bernd Weißbrod/dpa

Der hochbegabte Waldorfschüler bestand 1992 sein Abitur mit 1,0. Nach seinem Zivildienst beim DRK studierte Boris Palmer von 1993 bis 2000 Geschichte und Mathematik auf Lehramt an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und in Sydney, Australien. Bereits während seines Studiums war Palmer sowohl als Studentenvertreter als auch politisch aktiv. Mitglied bei den Grünen ist er seit 1996. Das eigentliche Fundament für seine politische Karriere legte er jedoch erst nach seinem Studium als wissenschaftlicher Mitarbeiter für die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen.

Vom Landtagsabgeordneten zum Oberbürgermeister

Bevor Boris Palmer 2007 das Amt des Oberbürgermeisters in Tübingen antrat, durchlief er zunächst eine Station im Landtag von Baden-Württemberg: 2001 wurde er gewählt und war als Mitglied im Ausschuss für Umwelt und Verkehr sowie umwelt- und verkehrspolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen tätig. Mit der Wahl zum Oberbürgermeister von Tübingen legte Boris Palmer sein Landtagsmandat nieder. Bei der OB-Wahl 2014 wurde Palmer, der erneut als Kandidat für die Grünen antrat, mit 61,7 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang wiedergewählt.

Doch Tübingen war nicht der einzige Ort, an dem Palmer als Kommunalpolitiker Erfolg suchte: Noch vor seiner ersten Kandidatur in der Universitätsstadt, trat er 2004 als Kandidat der Grünen für das Amt des Oberbürgermeisters von Stuttgart an. Dabei gewann er zwar nicht, erreichte aber mit einem Stimmenanteil von 21,5 Prozent im ersten Wahlgang den dritten Platz. Angesichts des deutlichen Rückstandes auf die damalige zweitplatzierte Ute Kumpf (SPD) zog Palmer seine Kandidatur für den zweiten Wahlgang schließlich zurück.

Wahlkampfspenden: Palmer gewinnt parteilos OB-Wahl 2022 in Tübingen

Wegen eines Ausschlussverfahrens ließ Palmer seine Parteizughörigkeit zu den Grünen während der Oberbürgermeisterwahl in Tübingen 2022 ruhen. Für eine andere Partei wollte er nicht kandidieren und trat deshalb als unabhängiger Kandidat an. Über eine Unterstützer-Homepage sammelte er innerhalb kürzester Zeit über 100.000 Euro, die er für seinen Wahlkampf nutzte. Dieser war offenbar erfolgreich: Im ersten Wahlgang holte Boris Palmer die absolute Mehrheit. Mit 52,4 Prozent der Stimmen wurde Palmer am 23. Oktober 2022 für weitere acht Jahre als Oberbürgermeister der Universitätsstadt wiedergewählt.  

Die politische Karriere von Boris Palmer

Rassismusvorwürfe gegen Boris Palmer: Grüne gehen auf Distanz

Ob ein nächtlicher Streit mit einem Studenten oder ein Kommentar zu dem Benehmen eines Radfahrers: Boris Palmers Äußerungen polarisieren. Dabei sorgt er nicht nur in der Gesellschaft für Aufsehen, sondern auch in seiner eigenen Partei, den Grünen. Das Sahnehäubchen der vielen Kontroversen war schließlich ein Facebook-Post von Palmer vom Mai 2021, in dem der Politiker den Ex-Fußballnationalspieler Dennis Aogo als „schlimmen Rassisten“ bezeichnete und zudem das N-Wort benutzte, eine gebräuchliche rassistische Bezeichnung für Schwarze.

Aus den eigenen Reihen kam scharfe Kritik, unter anderem auch von Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Palmer konterte die Kritikpunkte mit der Erklärung, seine Äußerung sei ironisch gemeint gewesen. Der grüne Regierungschef zeigte dafür kein Verständnis: „Solche Äußerungen kann man einfach nicht machen“, sagte Kretschmann. Es sei in seinen Augen „eines Oberbürgermeisters unwürdig, dauernd mit Provokationen zu polarisieren.“

Anfang Mai 2021 entschieden die Grünen, ein Ausschlussverfahren gegen den Tübinger Rathauschef einzuleiten, der Parteiausschluss wurde wenige Monate später vom Landesvorstand der Grünen beantragt. Mit drei Viertel der Stimmen votierte der Parteitag für ein Parteiordnungsverfahren. Das Landesschiedsgericht schlug die zeitlich befristete Lösung vor, dass Boris Palmer seine Mitgliedschaft bei den Grünen bis Ende des Jahres 2023 ruhen lässt.

Markus Lanz, Hart aber Fair: Palmer sorgt bei Talkshows für Schlagzeilen

Als regelmäßiger Gast im TV bei Markus Lanz und in Sendungen wie „Maybrit Illner“ oder „Hart aber Fair“ gibt Boris Palmer seine Meinung zu aktuellen Themen der Bundes- und Landespolitik preis. Auch auf den gängigen sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter hält er sich mit seinen Äußerungen nicht zurück. Dabei machte er besonders zu Hochzeiten des Coronavirus in Baden-Württemberg auf sich aufmerksam. Denn als der Rest von Deutschland im Lockdown verharrte, ging Tübingens Oberbürgermeister einen Sonderweg. Statt auf Kontaktverbot setzte er auf den Schutz von Risikogruppen und freiwillige Appelle.

Corona: Palmer polarisiert mit Sonderweg und kontroversen Aussagen

Doch nicht nur sein Sonderweg während der Corona-Pandemie machte Schlagzeilen, sondern auch seine teils umstrittenen Aussagen. So sagte Palmer beispielsweise in einem Interview mit Sat.1: „Ich sage es Ihnen mal ganz brutal: Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären – aufgrund ihres Alters und ihrer Vorerkrankungen.“

Der Armutsschock, der aus der weltweiten Zerstörung der Wirtschaft in der Corona-Krise entstehe, bringe nach Einschätzung der Vereinten Nationen hingegen Millionen Kinder ums Leben, fügte der Politiker hinzu. Der Tübinger Oberbürgermeister entschuldigte sich später für seine Wortwahl.

Tübinger Rathauschef lebt privat mit Ehefrau und drei Kindern

In seinem beruflichen Alltag äußert sich Boris Palmer öffentlich zu kontroversen Themen – auch, wenn er damit Kritik erntet. Sein Privatleben hält er dagegen größtenteils geheim. Bekannt ist lediglich, dass der Politiker bis 2013 mit der grünen Bundestags- und Europaabgeordneten Franziska Brantner liiert war und mit ihr eine Tochter hat. Ende 2021 heiratete er seine langjährige Lebensgefährtin Magdalena Ruoffner. Gemeinsam mit der 35-jährigen Lehrerin, die aus Tübingen stammt, hat Palmer zwei Söhne, die 2015 und 2020 auf die Welt kamen.

Boris Palmer, Oberbürgermeister von Tübingen, mit seiner Frau Magdalena Ruoffner.
Boris Palmer hat mit seiner Frau Magdalena Ruoffner zwei gemeinsame Söhne. (Archivbild) © Bernd Weißbrod/dpa

Neben seiner Familie widmete sich Palmer privat immer wieder seinen eigenen Büchern. Sein erstes Werk mit dem Titel „Eine Stadt macht blau – das Tübinger Klimaschutzmodell“ erschien im Frühjahr 2009. Dabei beschäftigte er sich mit dem Thema Klimaschutz, für das er sich als Oberbürgermeister vor Ort, aber auch bei bundespolitischen Diskussionen einsetzt. Seine zwei anderen Büchern mit den Titeln „Wir können nicht allen helfen: Ein Grüner über Integration und die Grenzen der Belastbarkeit“ und „Erst die Fakten, dann die Moral. Warum Politik mit der Wirklichkeit beginnen muss“ folgten einige Jahre später, 2017 und 2019.

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