Tübingens OB

Boris Palmer will seine Kinder nicht impfen lassen - „Risiko größer als bei Infektion“

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Bündnis 90/Die Grünen) nimmt an der Gemeinderatssitzung im Rathaus teil.
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Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer geht in der Corona-Krise öfter einen eigenen Weg.
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Erneut sorgt Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer für Schlagzeilen. Dieses Mal geht es um die Coronaimpfung. Eine Impfung seiner Kinder lehnt der Politiker strikt ab.

Tübingen - Im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg ging Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer von Anfang an seinen eigenen Weg. In seiner Stadt setzte der Grünen-Politiker auf das Modellprojekt „Öffnen mit Sicherheit“. Menschen aus Tübingen konnten damals mit negativem Testergebnis weiterhin in Läden, zum Friseur oder auch in Theater und Museen gehen - während im Rest Deutschlands dies nicht möglich war. Damit sorgte die Stadt bundesweit für Aufsehen. Die Bundesnotbremse beendete schließlich den Versuch.

Schon damals machte Boris Palmer seinem Ärger über das Ende des Projekts Luft. Der Oberbürgermeister ist nicht unbedingt für seine Zurückhaltung bekannt. Auch in anderen Belangen spricht er seine Meinung geradeheraus aus. Aktuell eskaliert ein Streit zwischen dem Oberbürgermeister und Autofahrern, weil Letztere künftig höhere Gebühren fürs Parken zahlen müssen. Seine Sicht der DInge tut Boris Palmer auf Facebook kund, stichelt dort: „Liebe Autofahrer: Ihr habt die Straße nicht bezahlt. Ihr bezahlt nicht schon genug Steuern.“

Boris Palmer: „Das Risiko bei Kindern ist bei einer Impfung größer als bei einer Infektion“

Nun sorgt der Grünen-Politiker aus Baden-Württemberg mit einer neuen Aussage erneut für Schlagzeilen. „Darum lasse ich meine Kinder nicht impfen“, titelt aktuell Bild. Warum eine Impfung seiner Kinder für Boris Palmer nicht infrage kommt? „Ich bin mir ziemlich sicher, dass das Risiko für die Kinder bei der Impfung größer ist als bei der Infektion. Also muss man sich für das Risiko der Infektion entscheiden“, begründet er seine Entscheidung. Auch wenn es seiner Meinung nach eine relativ hohe Wahrscheinlichkeit gebe, dass sich viele Kinder im nächsten Schuljahr infizierten, will er seine Kinder dennoch nicht gegen das Coronavirus impfen lassen. Palmer selbst ist dagegen bereits geimpft worden und hatte auch an einer Impf-Studie des Herstellers Curevac teilgenommen.

Im Interview macht er zudem seine Meinung zum Impfen allgemein deutlich: Impfen ja, Impfpflicht nein. Im April forderte der Politiker noch eine Notzulassung des Curevac-Impfstoffs. Die Verantwortung, sich impfen zu lassen oder nicht, sieht Boris Palmer schon immer bei den Bürgern. „Wenn jemand schon 60 ist und die Statistik sagt, es könnte richtig brenzlig werden und er das Risiko in Kauf nimmt, dann ist es auch nicht anders, als wenn jemand mit 30 Jahren sagt: ‚Ich mach Bungee-Jumping‘“, sagt er der Zeitung. „Impfpflicht nein, aber man kann dann nicht erwarten, dass der Staat einen vor der Infektion schützt“, führt der Oberbürgermeister weiter aus.

Oberbürgermeister Boris Palmer: „Wir sollten die Entscheidungsfreiheit hochhalten“

Angst vor der Reaktion vieler Menschen auf seine Aussage hat der Politiker offenbar nicht. Viel mehr ärgert ihn, dass man seine Meinung nicht frei Kund tun könne. „Können wir nicht mal diese Empörungskultur abstellen? Es ist weder im Grundgesetz, noch sonst irgendwo festgelegt, dass man sich oder seine Kinder impfen lassen muss. Wir sollten die Freiheit zur Entscheidung hochhalten“, findet er.

Seit Juli steigt die Inzidenz in Baden-Württemberg kontinuierlich an. Dennoch setzt der Politiker sowohl bei der Impfung, als auch bei einer drohenden vierten Welle auf die Eigenverantwortung der Bürger. Die Notwendigkeit eines weiteren landesweiten Lockdowns sieht er nicht. „Wir wissen auch, dass die nächste Grippewelle kommt und machen deswegen nicht die Schulen und die Restaurants zu“, sagt Boris Palmer. „Wir müssen uns selber schützen. Und genauso wird das bei Corona sein. Wenn diejenigen, die ein hohes Risiko haben, sich rechtzeitig impfen lassen können, dann ist Eigenverantwortung angesagt. Bis dahin werden wir genug Impfstoff haben.“

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