„Würdelos für einen OB“

Palmer räumt Fehler bei Aogo-Kommentar ein: „Hätte Handy weglegen sollen“

Boris Palmer (Bündnis 90/Die Grünen), Oberbürgermeister von Tübingen, nimmt an einem Pressetermin der Stadt Tübingen zur Übergabe von Corona-Schnelltests teil.
+
Palmer setzt sich mittlerweile selbstkritisch mit seinem Posting auseinander, für das es viel Kritik hagelte.
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
    schließen

Im Streit um seinen von vielen als rassistisch bewerteten Facebook-Kommentar über Dennis Aogo zeigt Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer jetzt Reue. Er gesteht: In seiner Position sollte man sich so etwas nicht erlauben.

Tübingen - Auf Facebook teilt Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) regelmäßig seine Standpunkte mit. Sein oft genutztes Sprachrohr dient ihm dabei nicht immer zum Vorteil. Wegen seines umstrittenen Facebook-Posts über den ehemaligen Nationalspieler Dennis Aogo wollen die Grünen Palmer jetzt aus der Partei werfen.

Vor etwa drei Wochen hatte Palmer für Aogo, der einen nigerianischen Vater hat, das N-Wort in einem sexualisierten Kontext verwendet. Dabei machte Palmer - nach eigenen Angaben aus Ironie - Gebrauch von einem Zitat in einem Facebook-Kommentar eines mittlerweile gelöschten Fake-Profils. Kritiker erhoben infolgedessen schlimme Rassismus-Vorwürfe gegen den Tübinger OB. Der betonte jedoch, sich mit seinem Kommentar nur ironisch mit dem Thema Cancel Culture auseinandergesetzt zu haben. Nun zeigt Palmer für seine Handlung Reue.

Boris Palmer gibt zu: Posting ist des Amts eines Oberbürgermeisters nicht würdig

„Da hätte ich das Handy in der Tat besser weggelegt, als die 65 Zeichen eingetippt“, sagte Palmer im Gespräch mit dem Podcast „Die Wochentester“ der Tageszeitung Kölner Stadt-Anzeiger und des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND). In dem Moment, in dem der Post mit seinem Oberbürgermeister-Amt in Verbindung gebracht werde, sei der Kommentar würdelos, so Palmer.

Es ist nicht das erste Mal, dass Boris Palmer aufgrund einer Bemerkung auf dem sozialen Netzwerk Facebook polarisiert. Häufig sorgt der Grünen-Politiker mit seinen Äußerungen für Schlagzeilen weit über die Universitätsstadt Tübingen hinaus. Die Tragweite seiner Äußerungen ist ihm dabei offenbar auch selbst bewusst. Seine eifrige Facebook-Nutzung sieht er kritisch. So zog er Anfang des Jahres in einem Podcast der Rhein-Neckar-Zeitung über Facebook her und nannte das Netzwerk „prollig und widerwärtig“.

Boris Palmer sprach erst im Januar 2021 kritisch über seine Facebook-Nutzung

Im Interview mit der Rhein-Neckar-Zeitung betonte Boris Palmer noch im Januar 2021, er sei heute nicht mehr so überzeugt wie vor zehn Jahren, dass es nötig sei, als Politiker bei Facebook vertreten zu sein. „Und ob ich heute damit anfangen würde, weiß ich auch nicht.“

Für ihn sei es eine klare Abwägung zwischen Kosten und Nutzen. „Solange ich das Gefühl habe, dass der Nutzen überwiegt, mache ich weiter. Aber ich sehe schon, die Kosten wachsen“, sagte Boris Palmer. Angesichts dieser reflektiert scheinenden Einsicht wirken die aktuellen Entwicklungen dann aber doch etwas paradox.

 

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare