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Boris Palmer schießt gegen Ergebnis des Kita-Streiks: „Kinder und Eltern zahlen den Preis“

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Von: Nadja Pohr

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Oberbürgermeister Boris Palmer bei der Einweihung eines Spielplatzes
Auf Facebook kritisierte Boris Palmer die Verhandlungsergebnisse nach den wochenlangen Streiks des Kita-Personals. © IMAGO/ULMER Pressebildagentur

Nach wochenlangem Streik des Kita-Personals hat man sich nun auf ein Ergebnis geeinigt. Boris Palmer kann diesem jedoch absolut nichts abgewinnen.

Tübingen - Seit mehreren Wochen streikt in Baden-Württemberg das Kita-Personal unter der Organisation der Gewerkschaft Verdi und fordert bessere Konditionen sowie eine größere Anerkennung der Jobs. Nun haben sich die Gewerkschaft und der Beamtenbund dbb mit den kommunalen Arbeitgebern geeinigt.

Die rund 330.000 Beschäftigten im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst bekommen zum 1. Juli monatlich 130 Euro mehr. Ebenso erhalten Sozialarbeiter ab Juli 180 Euro zusätzlich. Darüber hinaus sollen die Beschäftigten pro Jahr pauschal zwei zusätzliche freie Tage erhalten sowie die Option, Teile ihres Gehalts in maximal zwei weitere Entlastungstage umzuwandeln. Für Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) sind die Ergebnisse der Verhandlung jedoch nicht zielführend.

Boris Palmer kann Regelung nach Kita-Streit nicht nachvollziehen: „Darauf muss man erstmal kommen“

Auf Facebook äußerte sich unter anderem Boris Palmer zu den Verhandlungsergebnissen nach den wochenlangen Streiks des Kita-Personals. Den Tarifabschluss kann er dabei nicht gutheißen. „Verdi hat die Eltern im Arbeitskampf stark eingebunden und als Verbündete geworben. Im Tarifabschluss wurden die Interessen der Eltern nun leider komplett ignoriert“, kritisiert Palmer. Zwei weitere freie Tage mindestens, auf Wunsch sogar vier Tage, würde nichts anderes bedeuten als weniger Öffnungstage der Kitas, so Tübingens Oberbürgermeister.

„In einer Zeit größter Personalknappheit ausgerechnet mehr Urlaubstage rauszuhandeln, darauf muss man erstmal kommen“, wettert Palmer. „Kinder und Eltern zahlen den Preis“, lautet sein Fazit. Außerdem argumentiert Palmer, dass keine andere Ausbildung im öffentlichen Dienst so gut bezahlt werde wie der Erziehungsdienst. „Diese Wahrheit sollte man auch mal aussprechen, damit mehr Menschen den Beruf ergreifen“, fordert er. Verdi fahre jedoch die Taktik, den Beruf unter Wert zu verkaufen, damit „man immer positive Presse für jede Forderung“ bekomme.

Boris Palmers Kritik spaltet die Facebook-Community

Boris Palmer teilt seine Meinung zu Themen gerne auf Facebook - so zuletzt auch zu Fridays For Future, die einer Frau mit Dreadlocks ein Auftrittsverbot erteilt haben. Seine Position zu den Ergebnissen des Streiks der Kita-Beschäftigten finden viele User allerdings unangebracht. „Man sollte keine Reden schwingen, wenn man von der Materie keine Ahnung hat“, schreibt eine Nutzerin. „Ein OB sollte seinen Wahlkampf nicht nutzen, um einen Keil zwischen Eltern und Personal zu treiben“, kommentiert ein anderer zur Kritik von Palmer. Ohne Erholung können Erzieher keinen guten Job machen, argumentieren die Nutzer.

Einige Facebook-User sind jedoch derselben Meinung wie der Tübinger OB. „Herr Palmer, ich bin Erzieher und bin der Meinung, dass Verdi mit dem Abschluss falsche Signale gesendet hat. Die zusätzlichen Urlaubstage sind kontraproduktiv und verschlimmern die Situation für Eltern, Kinder und Einrichtungsleitungen“, berichtet ein Nutzer. „Wenn es so weitergeht, ist es für uns eine absolute Katastrophe“, bestätigt eine alleinerziehende Mutter unter Palmers Beitrag. „Sie bringen es auf den Punkt“, schreiben viele User.

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