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Boris Palmer kassiert Shitstorm, weil er sich angeblich „am Tod eines jungen Mädchens bereichert“

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Von: Niklas Noack

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Boris Palmer hat sich via Facebook zu dem mutmaßlichen Mädchenmord im baden-württembergischen Illerkirchberg geäußert. Weil er in diesem Zuge Werbung für sein Buch machte, kassierte er einen Shitstorm.

Tübingen/Illerkirchberg - Der Schock sitzt immer noch tief. Am vergangenen Montag (5. Dezember) wurde ein 14-jähriges Mädchen auf dem Schulweg von einem Mann erstochen. Die Hintergründe der Tat sind bislang nicht bekannt, doch längst wird die Tat politisch instrumentalisiert, da es sich bei dem Angreifer um einen Geflüchteten handelte.

Dementsprechend war es nur eine Frage der Zeit, bis sich Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer zu dem Fall äußert. Auf Facebook schrieb er in einem Beitrag: „Der Tod einer 14-Jährigen ist so schrecklich, dass Trauer und Mitgefühl richtig ist. Falsch sind schnelle Reflexe. Dazu zähle ich, wenn die AfD von Messermördern unter dem Schutz des Asylrechts spricht.“

Boris Palmer spricht im Kontext des mutmaßlichen Mords in Illerkirchberg über „Asylbewerber“

Ebenso falsch findet Palmer, der selbst schon häufiger mit rassistischen Äußerungen auffiel, „Leitartikel, die behaupten, es sei vollkommen gleichgültig, ob der Täter ein Asylbewerber war.“ Stattdessen sei es seiner Meinung nach notwendig, „dass dieses Land die Frage, ob ein Muster hinter den tödlichen Angriffen der letzten Jahre auf wehrlose Menschen steckt, offen und ehrlich analysiert. Daraufhin muss dieser Fall untersucht werden.“ Anschließend verwies Palmer auf sein Buch, in dem es über Integration geht und warb zusätzlich mit seinem Facebook-Titelbild für sein Werk.

Unter letzterem entbrannte kurzerhand ein Shitstorm. Denn einige User warfen Palmer vor, den mutmaßlichen Mord an der 14-Jährigen für Werbung zu nutzen. Dies sei ein „No-Go“, schrieb eine. Ein anderer meinte: „Sich am Tod eines jungen Mädchens und am Leid anderer zu bereichern, kann man so machen. Ist dann aber scheiße und zeigt, welch widerwärtiges Geisteskind man ist.“

Boris Palmer neben einer Gedenkstätte in Illerkirchberg.
Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer bewarb nach dem Tod eines Mädchens in Illerkirchberg sein Buch und kassierte dafür einen Shitstorm. © Tom Weller/dpa & Bernd Weißbrod/dpa (BW24-Fotomontage)

Tübingens OB Boris Palmer gerät immer wieder scharf in die Kritik

Palmer, der unter anderem wegen der Verwendung des N-Worts scharf kritisiert wurde, wird immer wieder vorgeworfen, „am rechten Rand zu fischen.“ Darauf ging auch ein Facebooknutzer ein, der schrieb: „Herr Palmer, wollen Sie sich eigentlich mit dem üblen Volk, das sich auf Ihrer Seite breitmacht, gemeinmachen?“

Der umstrittene OB selbst versteht den Gegenwind nicht, wie er klarstellte. Hinsichtlich des Vorwurfs, er würde zum falschen Zeitpunkt Werbung machen, sagte er, in seinem Buch würde stehen, „wie man solche Morde vorbeugen kann. Wann sollte man das sonst besprechen?“ Auch den Eindruck, er bereichere sich am Leid anderer Menschen, kann er nicht nachvollziehen und zog einen merkwürdigen Vergleich: „Wenn es eine Umweltkatastrophe gibt, müssen also alle schweigen, die davor gewarnt haben?“

Palmer, der erst vor kurzem als Oberbürgermeister Tübingens wiedergewählt wurde, polarisiert regelmäßig. Unter anderem wegen der Verwendung des N-Worts starteten die Grünen ein Parteiausschlussverfahren. Später einigte man sich darauf, dass er die Mitgliedschaft zunächst ruhen lässt. Derzeit nähern sich die Grünen und Palmer wieder an.

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