Hartes Jahr für Familienbetrieb

Böllerverbot frustriert Chef von Zink-Feuerwerk zutiefst: „Mit Raketen schießen viele Corona zum Teufel“

Arne von Boetticher, Geschäftsführer von Zink-Feuerwerk aus Cleebronn
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Arne von Boetticher, Geschäftsführer von Zink-Feuerwerk, hätte sich für seinen Betrieb und die Menschen einen normalen Jahreswechsel gewünscht.
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Silvesterböller dürfen auch 2021 nicht verkauft werden. Eine unverhältnismäßige Entscheidung, sagt Arne von Boetticher von Zink-Feuerwerk gegenüber BW24.

Cleebronn - Auch in diesem Jahr bleibt es am Silvesterhimmel verbreitet dunkel. Keine Raketen oder Böller zerreißen die Stille der Nacht. Das zweite Jahr in Folge macht das Coronavirus in Baden-Württemberg den Feiernden einen Strich durch die Rechnung. So wird auch an diesem Silvester der Verkauf von Böllern und Feuerwerk verboten sein, auf besonders publikumsträchtigen Plätzen soll es zudem ein komplettes Feuerwerkverbot geben.

Das trifft vor allem die Pyrotechniker-Branche bis ins Mark. Auch die Firma Zink-Feuerwerk aus Cleebronn hatte nach den Umsatzeinbußen aus dem ersten Coronajahr hoffnungsvoll auf den Silvesterverkauf hingefiebert. Denn hinter dem Familienbetrieb liegt ein hartes Jahr.

Arne von Boetticher, Geschäftsführer der Firma Zink-Feuerwerk, musste für seine Mitarbeiter im Januar Kurzarbeit anmelden. Seit Oktober lief der Betrieb endlich wieder normal. Das Verkaufsverbot ist für die Firma ein Schock. „Man sagt ja so schön: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Insofern haben wir dennoch gehofft, dass der Verkauf stattfinden kann“, erzählt er gegenüber BW24. Den Beschluss der Bundesregierung kann der Geschäftsführer nicht nachvollziehen. Er ist überzeugt: Das ist der falsche Weg.

Zink-Chef Arne von Boetticher: „Silvesterfeuerwerk wäre ein schöner Anlass gewesen“

Die Frustration über das Verbot ist beim Gespräch mit Arne von Boetticher deutlich zu spüren. „Ich denke, dass wir einfach alle langsam coronamüde geworden sind“, sagt er nachdenklich. „Wir werden mehr oder weniger blöd dadurch. Viele Menschen haben auch Angst um ihre Zukunft.“ Umso wichtiger hätte es von Boetticher gefunden, an Silvester wieder etwas Normalität zurückzuerlangen.

Auch in diesem Jahr wird es an Silvester aufgrund des Feuerwerk-Verkaufsverbots deutlich dunkler und ruhiger zugehen als sonst.

„Es gibt ja den Spruch: Brot und Spiele muss man dem Volk geben. Brot steht in diesem Fall für die Politik, die sich in Form von Überbrückungshilfen um die Menschen kümmert. Aber man muss die Menschen ja auch bei Laune halten“, findet der Zink-Chef. Seiner Meinung nach sei ein Feuerwerk ein solches „Spiel“. „Mit den Raketen schießen viele dieses ‚Corona‘ zum Teufel. Insofern hätte ich es psychologisch für sinnvoll gehalten, wenn Feuerwerk erlaubt wäre.“ Natürlich gebe es auch Chaoten, die mit Feuerwerkskörpern „Unfug“ anstellen, gibt er zu. Aber die gebe es seiner Meinung nach immer. „Aber für die breite Bevölkerung wäre ein Silvesterfeuerwerk mal wieder ein schöner Anlass gewesen.“

Zink-Feuerwerk aus Cleebronn: Lieferungen ins Ausland halten Betrieb über Wasser

Der Familienbetrieb aus dem Kreis Heilbronn wird bereits in der dritten Generation geführt. Hier werden Großfeuerwerk, pyrotechnische Munition und frei verkäufliche Produkte zu Silvester entwickelt, hergestellt und vertrieben. An drei Tagen vor Silvester öffnet der Betrieb auch seine Tore für Privatpersonen, die zu Silvester Raketen, Böller und vieles mehr kaufen möchten. Die Vorbereitungen für den diesjährigen Verkauf liefen laut Arne von Boetticher noch nicht. Im Hinblick auf ein mögliches Verkaufsverbot hatte der Betrieb die Vorbereitungen immer weiter nach hinten geschoben. Ob ihn der Gesetzesentwurf dennoch überrascht hätte? „Wir haben nicht damit gerechnet in der Form, dass wir uns darauf jetzt eingestellt hätten“, sagt er.

Ich bin nach wie vor nicht von dieser flächendeckenden Lösung überzeugt.

Arne von Boetticher, Geschäftsführer von Zink-Feuerwerk

Man habe weiterhin Aufträge ausgeliefert - sofern welche dagewesen seien. Der Umsatz aus dem Silvesterlagerverkauf sei zwar nicht unerheblich, so von Boetticher, aber es sei zum Glück nicht das Hauptstandbein. „Wir haben auch Kunden im europäischen Ausland. Diese beliefern wir nicht nur mit Feuerwerk, sondern auch mit anderen pyrotechnischen Artikeln“, erklärt er. Damit konnte sich der Betrieb über Wasser halten.

Andere Pyrotechnik-Unternehmen aus Baden-Württemberg trifft das Böllerverbot da weitaus härter. Viele Feuerwerkshändler ringen um ihre Existenz. Das bestätigt auch Klaus Gotzen vom Verband der pyrotechnischen Industrie auf Anfrage von BW24: „Da wir auch nur die letzten drei Tage im Jahr haben, diese Feuerwerkskörper an den Mann zu bringen und unter dem Jahr so gut wie keine Möglichkeiten bestehen, diese Produkte abverkaufen zu können, trifft das Verbot die Branche hart. Wie hart, wird man erst noch feststellen müssen.“

Zink-Chef zweifelt an Böllerverbot zu Silvester: „Regelung mit irgendwelchen Kausalitäten begründet“

Für Arne von Boetticher ist das Böllerverbot nicht nachvollziehbar. „Ich bin nach wie vor nicht von dieser flächendeckenden Lösung überzeugt und denke, da hätte es auch andere Möglichkeiten gegeben“, sagt er. „Die Regelung wird wieder mit irgendwelchen Kausalitäten begründet, dass ja so viele Menschen an Silvester durch Feuerwerk verletzt werden und das Verbot eine signifikante Erleichterung für die Krankenhäuser bringt.“ Doch es gebe keine belastbaren Zahlen dazu. Meistens passieren Böllerunfälle durch Alkohol, meint der Zink-Geschäftsführer. „Da fragt man sich dann schon, ob das Verbot eine angemessene Reaktion ist oder ob es unverhältnismäßig ist.“

Zink-Feuerwerk fertigt bereits seit drei Generationen Pyrotechnik.

Der Zink-Chef ist sich zudem sicher, dass das Verbot viele nicht davon abhalten wird, trotzdem Böller und Raketen zu zünden. Schließlich können diese immer noch im Ausland gekauft werden. Vor allem illegale Feuerwerkskörper machen auch dem Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) Sorgen. Bereits beim letzten Böllerverbot 2020 habe man vermehrt die Einfuhr von illegalem Feuerwerk aus anderen europäischen Ländern festgestellt, heißt es in einer Pressemitteilung. Diese Artikel unterliegen allerdings anderen Sicherheitsstandards, als in Deutschland produzierte und geprüfte Raketen und Böller. Die Verletzungsgefahr sei hierbei deutlich größer.

Weniger Umweltverschmutzung: Von Zink entwickelte Mini-Rakete muss im Lager bleiben

Unser BW24-Redakteur fordert die Abschaffung des Silvester-Feuerwerks. Auch die Deutsche Umwelthilfe begrüßte das Böllerverbot. Jedes Jahr gebe es viele Verletzte, der Lärm sei eine Zumutung für Tiere und es sei eine Umweltverschmutzung. Für letzteres Problem hatte die Firma Zink an einer Lösung gearbeitet: Die sogenannten Z1 und Z2 Raketen sind um vieles kleiner als die herkömmlichen Raketen, die man zu Silvester kaufen kann.

Eigentlich könnten alle Raketen um vieles kleiner sein, sagt Arne von Boetticher. Denn: in Deutschland ist die Explosivstoffmasse in frei verkäuflichen Raketen oder anderen Feuerwerkskörpern begrenzt. Bei Raketen sind das 20 Gramm. „Eine Rakete braucht für solch eine kleine Menge Explosivstoffmasse kein Coladosen-Format. Da ist dann überwiegend nur Luft drin“, erklärt der Geschäftsführer. Gerade einmal 25 Millimeter misst der Durchmesser der Raketen. Durch ihre geringe Größe verursacht die Rakete auch weniger Müll. Doch durch das Böllerverbot werden auch die Mini-Raketen erst einmal im Lager bleiben müssen.

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