Reaktion auf Misshandlungen

Nach Schock-Video: Landratsamt schließt Schlachthof in Gärtringen

Schweine im Schlachthof Gärtringen im Landkreis Böblingen.
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Schlachthof in Gärtringen: Tierschützer decken grausame Szenen von Tierquälerei auf.
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Nach der Aufdeckung von grausamen Misshandlungen an Tieren im Schlachthof Gärtringen zieht das Landratsamt erste Konsequenzen. Die SOKO Tierschutz hält die Maßnahme jedoch für ungenügend.

  • Die SOKO Tierschutz deckte grausame Misshandlungen der Tiere im Schlachthof Gärtringen (Kreis Böblingen) auf.
  • Als Reaktion auf das Video und die Gräueltaten beschloss das Landratsamt den Schlachtbetrieb vorübergehend zu schließen.
  • Für die Tierschutzorganisation aus München ist das jedoch keine Lösung - die Maßnahmen seien ungenügend.

Gärtringen - Die SOKO Tierschutz deckte jüngst grausame Misshandlungen von Tieren auf. Ein Video zeigte schockierende Szenen aus einem Schlachthof in Baden-Württemberg. Die Tiere, größtenteils Schweine, wurden geschlagen, misshandelt und gequält. Das versteckt gefilmte Video der Tierschutzorganisation löste ein großes Medienecho aus.

Als Reaktion auf die Gräueltaten im Schlachthof Gätringen beschloss das Landratsamt Böblingen in der Region Stuttgart, den Schlachtbetrieb vorübergehend zu untersagen. Das berichtete die Deutsche Presse-Agentur (dpa) am Freitag.

Die Schließung des Schlachthofs Gärtringen ist jedoch nur eine erste und temporäre Maßnahme. Die Verfügung soll wieder aufgelöst werden, sobald der Betreiber ein schlüssiges Gesamtkonzept vorlegt, dass Misshandlungen von Tieren in Zukunft unterbindet. Die SOKO Tierschutz ist mit den Maßnahmen nicht einverstanden und hält sie für ungenügend.

Schlachthof Gärtringen: Nach Schock Video - Landratsamt leitet erste Maßnahme ein

Die Maßnahme des Landratsamts Böblingen gegen den Schlachthof Gärtringen wirken basierend auf den gefilmten Aufnahmen eher milde. Landrat Roland Bernhard will am heutigen Freitag bei einer Pressekonferenz die Gründe für das Vorgehen erklären, wie die dpa berichtete. Der Schlachthof sei wichtig für die Landwirte und Metzger in der Region. Deshalb habe man beschlossen, dem Betrieb einen Neustart zu ermöglichen, sagte Bernhard in einer Pressemitteilung vom Donnerstag. „Wir haben uns diese Entscheidung nicht einfach gemacht, sie bietet aber die Chance für einen Neustart“.

Für die SOKO Tierschutz sind die Maßnahmen nicht genug. Sie kritisieren neben den Misshandlungen der Tiere auch die baulichen Mängel des Schlachthofs Gärtringen. „Das ist leider ungenügend, denn der Schlachthof enthält bereits seit Jahren massive bauliche Mängel, die Tierleid und Gewalt gegen Tiere verursachen“, schreibt die Tierschutzorganisation in einer Mitteilung an die Presse.

Nach Aufdeckung von Misshandlungen an Tieren: SOKO Tierschutz bemängelt Intention des Landratsamts

Auch die Ankündigung einer Videoüberwachung im Schlachthof Gärtringen ist aus Sicht der SOKO Tierschutz ebenfalls keine Lösung. „Die Ankündigung einer Videoüberwachung ist leider sinnlos. Denn SOKO Tierschutz hat bereits zwei Schlachthöfe mit Videoüberwachung des Schlachtbereichs geschlossen“, heißt es in dem Statement an die Presse. Für eine funktionierende Videoüberwachung benötige man mindestens sechs Kameras, was eine große Menge an Filmmaterial zu Folge habe. „Wer soll die 54 Stunden pro Tag sichten? Die gleichen Tierärzte, die schon nicht handelten, als die Taten vor der eigenen Nase passiert sind?“, fragt die Münchner Tierschutzorganisation.

Die SOKO Tierschutz fordert strengere Maßnahmen für den Schlachthof Gärtringen und bemängelt die Intention des Landratsamts. Laut der Tierschutzorganisation wolle man nur verhindern, dass Tierschützer erneut den Schlachtbetrieb beobachten. „Würde mich nicht wundern, wenn man sich jetzt von uns Steuerzahlern eine nette 24/7-Abschreckung gegen Tierschützer mit Infrarotscheinwerfern finanzieren lässt“, sagte der Sprecher der Organisation.  

Schlachthof Gärtringen: SOKO Tierschutz fordert „weiterführende Konsequenzen“

Mit der Maßnahme des Landratsamts Böblingen in Bezug auf den Schlachthof Gärtringen gibt sich die Tierschutzorganisation nicht zufrieden. „SOKO Tierschutz fordert weiterführende Konsequenzen, denn die Probleme liegen in der Politik und Verwaltung. Die Landratsämter stecken mit ihren Veterinären tief im Filz, sie sind unfähig, ernsthaft zu handeln“, heißt es in der Mitteilung an die Presse. „Wir brauchen eine überregionale Kontrolle, die hart und unabhängig überwachen und zuschlagen kann“.

„Solche Missstände müssen das wirtschaftliche Ende bedeuten und nicht sprudelnde Steuergelder. Der politische Wille dafür ist nicht da, sonst würde man das Fleischsystem an sich gefährden, denn mit echten Kontrollen blieben bei all den Missständen die Fleischtheken leer“, erklärte der Sprecher.

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