SOKO Tierschutz deckt auf

Video zeigt schockierende Szene aus Schlachthof in Baden-Württemberg: „Es ist entsetzlich“

Schweine im Schlachthof Gärtringen im Landkreis Böblingen.
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Schlachthof in Gärtringen: Tierschützer decken grausame Szenen von Tierquälerei auf.
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Tiere, die im Schlachthof auf ihr unabdingbares Ende warten, hatten selten ein schönes Leben. Die Szenen, die Kameras in einem Schlachthof im Kreis Böblingen aufzeichneten, zeigen jedoch besonders grausame Schicksale.

  • Die SOKO Tierschutz deckte in einem Schlachthof in Gärtringen (Kreis Böblingen) grausame Verfahren auf.
  • Die Behandlung der Tiere ist derart abstoßend, dass die SOKO Tierschutz Strafanzeige stellte.
  • Das Landratsamt im Kreis Böblingen kündigte härtere Maßnahmen gegen Tierquälerei an.

Update vom 4. September, 9:05 Uhr: Als Reaktion auf die von der SOKO Tierschutz aufgedeckten Gräueltaten gegen Tiere im Schlachthof Gärtringen beschloss das Landratsamt, den Betrieb bis auf weiteres zu untersagen. Das berichtete die Deutsche Presse-Agentur (dpa) am Freitag. Auch die SOKO Tierschutz bestätigte die vorübergehende Schließung des Schlachtbetriebs gegenüber BW24. Die Tierschutzorganisation aus München hält die Maßnahme jedoch für ungenügend. Das Landratsamt Böblingen plant, ein Gesamtkonzept vorzulegen, um weitere Tierschutzverstöße zu unterbinden.

Erstmeldung vom 1. September, 9:43 Uhr: Gärtringen - Die Arbeitsprozesse in einem Schlachthof sind auch unter normalen Umständen nichts für schwache Nerven. Dass die Tiere unweigerlich den Tod finden, gehört zu einem Schlachtbetrieb dazu. Die SOKO Tierschutz in München deckte nun besonders grausame Details in einem Betrieb in Baden-Württemberg auf. Der Verein installierte heimlich Kameras in einem Schlachthof in Gärtringen bei Stuttgart. Die aufgenommenen Szenen sind derart grausam, dass die SOKO Tierschutz Strafanzeige gegen den Betrieb stellte.

Der Schlachthof in Gärtringen ist eine Genossenschaft aus Metzgern. Laut Angaben der SOKO Tierschutz wirbt der Betrieb damit, nicht wie die Mega-Schlachthöfe zu sein. Dem Verein liegt nach eigenen Angaben Bildmaterial aus 12 Tagen im Juni und Juli 2020 vor. Die von den installierten Kameras aufgenommenen Szenen zeigen eine Grausamkeit, die weit über das hinausgeht, was Tiere normalerweise in einem Schlachtbetrieb erleiden müssen.

Aufnahmen von Schlachthof in Gärtringen zeigen schreckliche Szenen von Tierquälerei

Laut Angaben der SOKO Tierschutz werden in dem Schlachthof in Gärtringen häufig illegale Elektroschocker verwendet. Beim Treiben werden den Tieren regelmäßig Holzstangen in den After gestoßen. Metzger schlagen auf Gesichter von Tieren ein und Schafe werden an einem Bein durch die Halle geschleift, berichtet der Verein über das Bildmaterial. Außerdem sei zu sehen, wie ein Ferkel aus einem Transporter geworfen werde. Die SOKO Tierschutz berichtet weiterhin von einer ganz besonders grausamen Szene. Ein Schwein werde brutal ins Gesicht getreten und geschlagen. Ein Schlachter stieße anschließend dem vor Todesangst und Schmerzen kreischenden Tier einen Hartplastik-Stock mit voller Wucht ins Auge.

Ebenfalls erschreckend ist eine weitere Angabe der SOKO Tierschutz. Bei den Quälerein im Schlachthof in Gärtringen seien häufig amtliche Tierärzte zugegen. Sie würden jedoch nicht eingreifen oder einfach wegsehen. Beispielsweise werde ein Ferkel mit einem massiven Nabelbruch nicht von der Tierärztin behandelt. Oftmals werden die Tiere nach Angaben des Vereins auch nicht ausreichend betäubt. „Es ist entsetzlich zu sehen, wie eine Tierärztin zuschaut, wenn ein Schwein in die Betäubungsbox eingeklemmt wird, offensichtlich nicht betäubt ist und sie selbst dann nicht eingreift, als der Schlachter das Tier bei Bewusstsein abstechen will“, sagte Friedrich Mülln, Vorstand der SOKO Tierschutz.

Schlachthof in Gärtringen: SOKO Tierschutz fordert harte Maßnahmen

In den letzten Jahren standen vor allem Mega-Schlachtbetriebe in der Kritik. Dass die Zustände in kleineren Betrieben nicht besser sind, zeigt das im Schlachthof in Gärtringen aufgenommene Video. In den letzten drei Jahren deckte die SOKO Tierschutz nach eigenen Angaben acht Schlachtbetriebe in fünf Bundesländern auf. „Das zeigt, dass es keine Lösung für die Probleme bei Mega-Schlachtbetrieben sein kann, auf kleinere Schlachthöfe zu setzen. Das Leid bleibt das gleiche oder ist sogar schlimmer“, sagte Mülln.

Das Landratsamt Böblingen hat auf die auch im Internet veröffentlichten Aufnahmen reagiert. „Die Bilder machen uns betroffen und wir bedauern die Vorfälle sehr“, schrieb das Amt auf seiner Facebook-Seite. Die SOKO Tierschutz hat Strafanzeige gegen den Schlachthof in Gärtringen gestellt. Laut dem Landratsamt Böblingen seien erste Vollstreckungsmaßnahmen bereits eingeleitet worden.

An einem Schlachtbetrieb im Enzkreis gab es eine Masseninfektion mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg. An dem Corona-Hotspot in Baden-Württemberg gelten nun verschärfte Regeln. Dass der Umgang mit Tieren - auch wenn sie irgendwann geschlachtet werden - auch anders funktionieren kann, beweist ein Bauer aus Balingen. Er setzt sich für das Tierwohl ein und markiert seine Kühe mit Chips statt schmerzhaften Ohrmarken. Für einige Tiere hatte die Corona-Pandemie jedoch auch - zeitlich begrenzte - Vorteile. Durch die Pandemie und die Maßnahmen ist der Transport von Nutztieren in nicht EU-Länder verboten worden.

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