Projekt ist gescheitert

Chef von Ritter Sport streicht Bio-Produkte: „Kunden nicht bereit, das zu bezahlen“

  • Valentin Betz
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Ritter Sport ist weltweit für seine quadratische Schokolade bekannt. Das Unternehmen hat einen hohen Qualitätsanspruch. Bei Bio-Schokolade hat Ritter aber nun aufgegeben.

Waldenbuch - Jedes Kind kennt den Werbespruch „quadratisch, praktisch, gut“ der Marke Ritter Sport. Die quadratischen Schokoladentafeln sind so fest mit dem Unternehmen aus Waldenbuch verbunden, dass Ritter Sport die Form sogar juristisch verteidigte. Damit darf auch weiterhin Ritter Sport die einzige quadratische Schokolade herstellen.

In einem Interview mit Spiegel Online hat der Firmeneigentümer Alfred Theodor Ritter berichtet, dass die Corona-Pandemie der quadratischen Schokolade von Ritter Sport sogar gutgetan hat. Doch während vieles, was das Unternehmen in der Vergangenheit anpackte, von Erfolg gekrönt war, sieht der Firmeneigentümer ein Projekt als gescheitert an.

Ritter Sport: In vielen Bereich erfolgreich, doch in einem Bereich gescheitert

Zuletzt machte das Unternehmen aus Waldenbuch Schlagzeilen, weil es ein Ritter-Sport-Produkt nicht Schokolade nennen durfte. Die Sorte „Cacao y nada“ enthielt keinen raffinierten Zucker und war laut deutschem Lebensmittelrecht deshalb keine Schokolade - aber trotzdem binnen Tagen ausverkauft. Spiegel Online unterstellt Alfred Ritter dabei eine brillante Marketingaktion, der Firmeneigentümer verneint das jedoch im Interview.

Gescheitertes Projekt: Ritter Sport hat es mit Bioschokolade versucht, letztlich war das Produkt dem Kunden aber zu teuer (Archivbild).

Ritter Sport hat mit solchen Aktionen immer wieder Erfolg, in Deutschland liegt der Marktanteil bei Schokoladentafeln bei 17 Prozent. Unter den Süßwarenherstellern weltweit rangiert Ritter Sport mit einer halben Milliarde Euro Umsatz 2018 auf Platz 39. Alfred Ritter sieht das als Bestätigung für den Qualitätsanspruch des Unternehmens. „Wir wachsen bei der Qualität, auf Kosten mittelmäßiger Produkte. Denn wir haben das Ziel, die beste Schokolade der Welt zu machen“, erklärt er gegenüber Spiegel Online.

Geht es nach Alfred Ritter, ist Qualität mehr als „ein schönes Papierle um die Schokolade“. Doch bei einem anderen Standard, den viele Verbraucher als Qualitätssiegel ansehen, ist Ritter Sport gescheitert: Das Unternehmen verkauft inzwischen keine Bio-Schokolade mehr.

Qualität bei Ritter Sport: Zwischen Ökologie und Wirtschaftlichkeit

„Ich habe es jahrelang versucht, das Marketing immer wieder gequält“, so Alfred Ritter über den Versuch, Bio-Schokolade bei Ritter Sport zu etablieren. Doch damit Schokolade den Zusatz „Bio“ verdient, müssen viele Standards eingehalten werden, die Geld kosten - was letztlich auch den Kunden trifft. „Und leider waren die Kunden überhaupt nicht bereit, das zu bezahlen“, erzählt Alfred Ritter gegenüber Spiegel Online.

Spiegel Online weist den Firmeneigentümer darauf hin, dass Biosupermärkte aktuell boomen. Doch für Ritter Sport kommt diese Entwicklung laut Alfred Ritter zu spät. „Am Ende haben wir aufgegeben. Die Leute haben einfach gesagt: Bio ist teuer, schmeckt nicht, ist was für Menschen mit kratzigen Pullis und Birkenstock-Sandalen.“ Der Firmeneigentümer habe Bio damals langsam aufbauen wollen, bis Ritter Sport komplett Bio ist. „Aber das Projekt ist gescheitert“, so Alfred Ritter. Letztlich habe er sich für einen Zwischenweg entschieden, denn „es wäre definitiv nicht richtig gewesen, die Hälfte der Belegschaft zu entlassen. Das hätte nämlich passieren müssen, wenn der Absatz sinkt.“

Rubriklistenbild: © Patrick Seeger

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