„Aufgehübschte Läden“

Real macht dicht: Welche Filialen in Baden-Württemberg jetzt zu Edeka werden

  • Sina Alonso Garcia
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Das Kartellamt hat entschieden: Edeka darf weitere Real-Standorte übernehmen - manche jedoch nur in Teilen. So geht es jetzt in den betroffenen Real-Märkten in Baden-Württemberg weiter.

Bonn - Nach der Zerschlagung der Handelskette Real ist der Übernahmeprozess durch Kaufland, Edeka und Globus in vollem Gange. Anfang des Jahres wurde bekannt, dass Edeka 44 Real-Märkte übernehmen darf. Nun hat das Kartellamt grünes Licht für die Übernahme von sechs weiteren Märkten gegeben - jedoch nur unter der Voraussetzung, dass Edeka sich die Flächen mindestens zehn Jahre lang mit einem anderen Unternehmen teilt oder eigene Standorte schließt. So soll eine zu große Marktmacht von Edeka verhindert werden.

Im Kampf um die Real-Standorte ging Edeka zum Äußersten. Ursprünglich wollte der Lebensmittelhändler mit Sitz in Hamburg 72 Filialen übernehmen, nun sind es 51 geworden. „Wir hatten bei einer Reihe von Standorten die Sorge, dass Edeka mit der Übernahme in den jeweiligen regionalen Märkten zu stark sein würde“, sagt Kartellamtspräsident Andreas Mundt. „Edeka musste deshalb auf rund 30 Prozent der geplanten Übernahmen verzichten.“

Real-Märkte in Baden-Württemberg werden zu Edeka: Diese Standorte sind betroffen

Folgende Real-Märkte in Baden-Württemberg darf Edeka ohne weitere Bedingungen übernehmen:

  • Kirchheim am Neckar, Max-Eyth-Straße
  • Freiburg, Gundelfinger Straße
  • Ludwigshafen, Prälat-Cairie-Straße
  • Filderstadt, Plieninger Straße
  • Horb am Neckar, Hahnerstraße
  • Dettingen/Erms, Im Schwölbogen
  • Karlsruhe-Bulach, Ortenbergstraße
  • Weingarten, Franz-Beer-Straße

Diese Standorte in Baden-Württemberg darf Edeka zwar übernehmen, muss aber Teilflächen an Wettbewerber abgeben oder andere seiner Standorte vorher schließen:

  • Böblingen-Hulb, Otto-Lilienthal-Straße
  • Nürtingen, Eichendorffstraße

Auf die Standorte Karlsruhe (Durlacher Allee), Donaueschingen (Bregstraße) und Jettingen (Heilbergstraße), die Edeka ebenfalls übernehmen wollte, musste die Handelskette wegen wettbewerbsrechtlichen Bedenken des Bundeskartellamts verzichten.

Während einige Kunden um den Verlust ihrer Real-Märkte trauern, könnte der Aufkauf durch die neuen Eigentümer jedoch auch eine Chance sein. Laut der Deutschen Presseagentur (dpa) habe Real in den vergangenen Jahren aufgrund eines erheblichen Investitionsstaus in vielen Bereichen nicht mit der Konkurrenz mithalten können. „Ein neuer Eigentümer könnte deshalb in vielen Fällen auch bedeuten: Aufgehübschte Läden und günstigere Preise“, so die dpa.

Real-Übernahme durch Edeka, Kaufland und Globus: Kartellamt beobachtet Entwicklungen

Mit Argusaugen beobachtet das Kartellamt die weiteren Entwicklungen in den aufgekauften Real-Filialen. Neben Edeka haben auch Kaufland und Globus zugeschlagen: Discounter Kaufland darf 92 Real-Märkte übernehmen, Globus sicherte sich 16 Filialen, die schon ab April umgebaut werden. Gerade die starke Übernahme durch Kaufland und Edeka bereitet den Wettbewerbshütern Sorgen. So liegt der Marktanteil der „großen Vier“ - also Edeka, Rewe, Aldi und der Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland - laut Kartellamt in Deutschland mittlerweile bei mehr als 85 Prozent. Unangefochtener Marktführer ist dabei Edeka mit rund 11.200 Lebensmittelmärkten und einem Umsatz von über 55 Milliarden Euro. Nicht nur die fehlende Auswahl an Märkten auf dem Verbrauchermarkt treibt die Kartellwächter um. Auch die Einkaufsmacht der „großen Vier“ gegenüber ihren Lieferanten wird kritisch beurteilt.

Im vergangenen Jahr wurde bekannt, dass der russische Eigentümer SCP die angeschlagene Handelskette Real mit ihren 270 Märkten in Deutschland übernimmt, um sie zu zerschlagen und weiterzuverkaufen. Wie Kartellamtspräsident Andreas Mundt betonte, sei die Freigabe an Handelsriesen wie Edeka nur deshalb möglich gewesen, weil sich SCP verpflichtet habe, Real-Standorte mit einem Absatzvolumen von rund 430 Millionen Euro auch an mittelständische Lebensmittelhändler zu verkaufen. Erst kürzlich meldete sich der erste unerwartete Konkurrent für eine Real-Übernahme: Die Bünting-Gruppe, ein Mittelständler mit Sitz im Nordwesten Deutschlands, hat Interesse an bis zu 13 Real-Märkten.

Rubriklistenbild: © Rolf Vennenbernd

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