Polizei ermittelt

Fotos von über 120 Mädchen und Frauen aus Kreis Böblingen auf russischer Internetseite aufgetaucht

Jemand tippt im Dunkeln auf einer Tastatur.
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Die Polizei hat tausende Fotos gefunden - doch es dürften noch mehr werden.
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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Auf einem russischen Server hat die Polizei zahlreiche Bilder junger Mädchen und Frauen aus dem Kreis Böblingen gefunden. Die Fotos zeigen alltägliche Szenen, bei denen die Opfer nicht bemerkten, dass sie fotografiert wurden.

Sindelfingen - Pädokriminelle treiben gerne ihr Unwesen im Internet. Oft braucht es nur Sekunden, um Bilder der Opfer hochzuladen - Sekunden, die das Leben der Betroffenen für immer zerstören. Wie die Sindelfinger Polizei mitteilte, sind mindestens 120 Frauen und junge Mädchen aus dem Kreis Böblingen einem Täter zum Opfer gefallen, der sie unbemerkt fotografierte oder ihre Bilder aus sozialen Netzwerken klaute. Nun sind die Fotos auf einer russischen Internet-Plattform aufgetaucht, die von Pädokriminellen genutzt wird.

Auf der betreffenden Website stellten die Beamten rund 1.800 Bilder sicher, die vorwiegend junge Mädchen in alltäglichen Situationen zeigen. Laut eines Berichts der Stuttgarter Zeitung sind es Szenen wie das eines kleinen Mädchens, das an der Hand seiner Mutter durch ein Einkaufszentrum läuft. Oder eines Kindes im Grundschulalters, das in einem Schuhladen an einer Handykamera vorbeihuscht. Zwar seien es an sich keine anrüchigen Bilder. Dennoch seien sie unter dem Titel „Candid German Girls“ (offene deutsche Mädchen) jetzt auf dem russischen Server zu finden.

Pädosexuelle: „Es gibt viele, die aus solchen Bildern einen Lustgewinn ziehen“

Wie kommen die Bilder in dieses Milieu und wer ist dafür verantwortlich? Das fragt sich die Sindelfinger Polizei seit einiger Zeit. Und hat einen Verdacht: Ein 50-jähriger Sindelfinger soll die Bilder der weiblichen Personen im Zeitraum von September bis Dezember 2020 auf dem Server hochgeladen haben. „Es gibt offenbar viele, die aus solchen Bildern einen Lustgewinn ziehen“, sagte Polizeisprecher Stefan Hermann vom Polizeipräsidium Ludwigsburg gegenüber der Stuttgarter Zeitung.

Auf die Schliche kam die Polizei dem mutmaßlichen Verdächtigen, da einige der Geschädigten Fotos von sich im Internet entdeckt hatten. Neben den Bildern, die versteckte Kameras aufgenommen haben, fanden sich auch Fotos aus sozialen Netzwerken unter dem Material. Der Kreis der Opfer dürfte noch weitaus größer sein als bislang angenommen.

Polizei ermittelt - nicht wegen Pornografie, aber wegen Verletzung des Persönlichkeitsrechts

In der vergangenen Woche vollstreckten die Ermittler einen von der Staatsanwaltschaft in Stuttgart beantragten Durchsuchungsbeschluss bei dem 50-jährigen Verdächtigen. Dabei stellten sie umfangreiche Beweismittel in Form von Datenträgern sicher. Die Auswertung der Datenmenge wird vermutlich mehrere Monate in Anspruch nehmen.

Laut der Stuttgarter Zeitung handelt es sich bei der russischen Fotoplattform um „imgsrc.ru“. Dort werden offenbar millionenfach Bilder geteilt, die sowohl von Nutzern selbst fotografiert als auch von Facebook oder Instagram kopiert wurden. „Alltagsbilder, die für Pädosexuelle ein besonderer Kick sind“, heißt es.

Zwar wurden die Bilder offenbar mit der Absicht ins Netz gestellt, Pädokriminelle zu erregen. Dennoch wird in dem Fall nicht wegen Pornografie ermittelt. „Es geht um den Tatbestand Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs und von Persönlichkeitsrechten durch Bildaufnahmen“, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft der Stuttgarter Zeitung. Tätern droht eine Geldstrafe oder bis zu zwei Jahre Haft.

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