Golfplatz statt Autobahn

Peinlicher Flop: Veranstalter von Corona-Demo in Baden-Württemberg müssen Teilnehmer dazu erfinden

  • Marleen van de Camp
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Wegen des Coronavirus sollten in Baden-Württemberg am Sonntag 50.000 Menschen auf der A8 demonstrieren. Die Corona-Demo fand mit mindestens 1.500 Leuten auf einem Golfplatz statt.

  • Wegen des Coronavirus sollten in Baden-Württemberg am Sonntag 50.000 Menschen auf der A8 demonstrieren.
  • Die Stadt Leonberg bei Stuttgart lehnte die Sperrung der Autobahn ab.
  • Die Corona-Demo fand stattdessen mit mindestens 1.500 Teilnehmern auf einem Golfplatz statt. Das zeigt, dass die Demonstrationen gegen die Maßnahmen zum Infektionsschutz immer weniger Zulauf erfahren.

Stuttgart/Leonberg - Die Proteste gegen die Maßnahmen zum Infektionsschutz wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg finden immer weniger Zulauf. Michael Ballweg, Mitgründer der Initiative „Querdenken 711“ und Veranstalter Corona-Demos im Raum Stuttgart, war in der vergangenen Woche mit einem größenwahnsinnigen Plan für eine Corona-Demo auf der Autobahn A8 gescheitert.

Er wollte den am stärksten befahrenen Autobahnabschnitt in Baden-Württemberg für den 7. Juni vollsperren lassen, um die Teilnahme an seiner Corona-Demo nicht nur zu Fuß, sondern auch im Auto zu ermöglichen. Die Stadt Leonberg war von dem Sicherheitskonzept, das die Veranstalter für die Demo auf der Autobahn vorgeschlagen hatten, nicht überzeugt. Das „Fest für Freiheit und Frieden“, wie es von den Initiatoren genannt wird, fand daher am vergangenen Sonntag auf einem ehemaligen Golfplatz statt. Immerhin wurde statt der Autobahn die Stuttgarter Straße gesperrt, damit die Demonstranten dort parken konnten, wie die Stadt Leonberg auf ihrer Website bekannt gab.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Demo auf Golfplatz mit mindestens 1.500 Teilnehmern

Die Corona-Demo auf der Autobahn A8 hatten die Veranstalter mit 50.000 Teilnehmern geplant. Auf dem alten Golfplatz hätten stattdessen nur 7.500 Menschen teilnehmen können. Am Ende blieb das „Fest für Freiheit und Frieden“ deutlich hinter den Erwartungen zurück. Die Veranstalter sprachen der Deutschen Presseagentur zufolge von „rund 5.000 Personen“. Nach Angaben der Polizei waren es tatsächlich aber nur zwischen 1.500 und 2.000 Menschen, die auf dem Golfplatz Leonberg, rund 14 Kilometer von der Landeshauptstadt Stuttgart entfernt, gegen die Maßnahmen zum Infektionsschutz wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg demonstrierten. 

Bei der Corona-Demo am Pfingstwochenende in Stuttgart weht eine schwedische Flagge. Schweden hatte sich als einziges Land in Europa gegen strenge Maßnahmen entschieden, was aufgrund steigender Infektionszahlen wird nun für Diskussionen sorgt.

Michael Ballweg: Die Bevölkerung entscheidet, wann die Coronavirus-Pandemie vorbei ist

„Die Bevölkerung entscheidet, wann die Pandemie vorbei ist“, hatte Initiator Michael Ballweg laut der dpa zu Beginn der Corona-Demo gesagt. Trotzdem hatten die Veranstalter spezielle Bänder auf dem Boden angebracht. Sie sollten die Teilnehmer an den Mindestabstand von 1,5 Metern erinnern, der zum Schutz vor Infektion mit dem Coronavirus auch in Baden-Württemberg gilt. Nicht alle Corona-Demonstranten hielten ihn ein. Der Initiator der Corona-Demos in Stuttgart hat seinen Traum von der Demo auf der Autobahn A8 noch nicht aufgegeben. „Aufgeschoben ist (...) nicht aufgehoben. Wir werden das Konzept weiter ausarbeiten und detaillieren“, sagte Michael Ballweg laut dpa.

Corona-Demo auf der Autobahn A8 nur aufgeschoben

Im Vorfeld der Corona-Demo, die anstelle der A8 auf dem Golfplatz bei Leonberg stattfand, hatten die Veranstalter darum gebeten, auf rechtsextreme sowie linksextreme Äußerungen zu verzichten. Im Mai hatten mutmaßlich Linksextreme drei Demonstranten angegriffen, die sich dem Protest gegen die Maßnahmen zum Infektionsschutz wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg anschließen wollten. Eines der Opfer schwebte nach dem Angriff im Vorfeld der Corona-Demo in Stuttgart in Lebensgefahr.

Während seines Auftritts bei einer Anti-Corona-Demonstration der Querdenker wurde Kabarettist Florian Schroeder ausgebuht. Im Netz bekommt er überwiegend Lob. Bei dem Grund, weshalb er überhaupt eingeladen wurde, handelt es sich um ein Missverständnis.

Rubriklistenbild: © dpa / Christoph Schmidt

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