Impfung gegen Corona

Umstrittene Aktion: Arzt impft 200 Kinder und Jugendliche in Eigeninitiative

Eine junge Frau erhält als Test-Impfling bei einem Probelauf des Hamburger Corona-Impfzentrums eine fingierte Impfung.
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Auch Jugendliche und junge Erwachsene ab 12 Jahren können sich inzwischen in Deutschland gegen Corona impfen lassen (Symbolbild).
  • Berkan Cakir
    VonBerkan Cakir
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Ein HNO-Arzt aus Böblingen impft auf eigene Faust an einem Gymnasium zahlreiche Schüler. Die Aktion ist umstritten. Doch der Arzt sagt: „Die Not der Jugendlichen scheint groß zu sein.“

Böblingen - Mit einer umstrittenen Impfaktion an einem Böblinger Gymnasium sorgt ein Arzt derzeit für Aufsehen. Der praktizierende Hals-, Nasen und Ohrenarzt Ursmar Kleiner plant, auf eigene Faust 200 Impfdosen an die Schüler des Albert-Einstein-Gymnasiums zu verimpfen. Die Aktion ist umstritten. Ob im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg das Impfen von Kindern und Jugendlichen sinnvoll ist, wird derzeit noch kontrovers diskutiert.

Arzt Ursmar Kleiner hält laut einem Bericht der Stuttgarter Zeitung trotz der Bedenken an dem Impftermin fest. „Momentan wird ja noch spekuliert, was wirklich die Stiko-Empfehlung genau sein wird“, sagt er. Für ihn sei es allerdings wichtig, neben dem immunologischen auch den psychosozialen Aspekt mitzubedenken.

Impfaktion in Böblingen: Unterstützung gibt es vom Elternbeirat und von der Schule

Unterstützung erhält der Arzt vom Elternbeirat der Schule, über den der Impfstoff angeboten worden sei. Auch das Gymnasium selbst begrüßt die Initiative des HNO-Arztes: „Das ist kein Angebot der Schule, sondern eine Elterninitiative, die wir aber begrüßen“, sagte die Schulleiterin Grit Steiner der Stuttgarter Zeitung. Man gebe aber keinerlei Empfehlung für oder gegen das Impfen ab. Die Teilnahme sei freiwillig, die Nachfrage indes enorm, betont die Schulleiterin. Alle 200 Termine seien bereits vergeben. Der Impfstoff von Biontech ist in der EU seit Ende Mai für Kinder und Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren zugelassen.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat noch keine Empfehlung für eine Corona-Impfung von Kindern und Jugendlichen ausgesprochen. Aller Voraussicht nach wird die Impfung nur für Kinder und Jugendliche mit bestimmten Vorerkrankungen empfohlen. Auch die Kassenärztliche Vereinigung betont, noch keine Impftermine auszumachen. Eine endgültige Entscheidung der Stiko wird diese Woche erwartet.

Mit der Impfaktion in Böblingen will der Arzt die „Not der Jugendlichen“ lindern

Ursmar Kleiner selbst sagt zu den Gründen der Impfaktion: „Die Not der Jugendlichen scheint groß zu sein.“ Der Arzt, Vater von vier Kindern, davon zwei auf dem besagten Gymnasium, beobachte in seiner Praxis, wie junge Leute unter der Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen leiden würden. „Ich kenne einen Schüler, der war ein Jahr lang nicht in der Schule“, so Kleiner.

Mittlerweile dürfen Kinder und Jugendliche zwar zurück in den Präsenzunterricht. Doch es gilt eine Coronatest-Pflicht. Viele Schüler kämen damit nicht klar, so Ursmar Kleiner. Die Impfung, so der Böblinger Arzt, sei für die Jugendlichen ein Weg zurück in die Normalität. Weil der Arzt wegen der umstrittenen Impfaktion, die nicht an der Schule, sondern in seiner Praxis stattfinden wird, allerdings bereits heftige Kritik von Impfgegnern erhalten habe, bleibe der genaue Termin geheim.

Impfangebote für Jugendliche hatte Kultusministerin Theresa Schopper im Mai gefordert

Auch Lehrer hatten sich zuletzt über eine Mehrbelastung an den Schulen beschwert. Sie sollen Schülern künftig eine Bescheinigung für negative Coronatests ausstellen, wofür jedoch kaum Kapazitäten verfügbar seien, kritisierte der Lehrerverband VBE.

Mitte Mai hatte Theresa Schopper, baden-württembergische Kultusministerin, verkündet, Jugendliche so schnell wie möglich zu impfen. „Ich bin dafür, Jugendlichen rasch ein Impfangebot zu machen“, sagte Schopper. Sie sei dafür, für Jugendliche eine unbürokratische und praktische Lösung zu finden.

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