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Wer im Bodensee stirbt, taucht meist nicht wieder auf

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Von: Julian Baumann

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Der Bodensee ist das größte Binnengewässer Deutschlands und vor allem im Sommer ein beliebtes Reiseziel. Für Badegäste birgt das „schwäbische Meer“ aber einige Gefahren.

Stuttgart/Konstanz - Der Bodensee ist mit einer Fläche von 563 Quadratkilometern und einer Länge von 63 Kilometern das größte Binnengewässer Deutschlands, liegt aber auch auf Teilen Österreichs und der Schweiz. Mit Städten wie Konstanz, Friedrichshafen oder Überlingen, die direkt am See liegen, wird der See in Baden-Württemberg auch als „schwäbisches Meer“ bezeichnet. Die Bodenseeregion mit unzähligen Urlaubsorten lebt zu großen Teilen vom Tourismus durch den See. Eine Cateringfirma aus der Schweiz hatte Ende 2022 aber den Diebstahl einer 800 Kilo schweren Edelstahlkugel mit Gin zu verdauen, die bei Romanshorn im Bodensee gelagert war.

Gerade im Sommer bietet das große Gewässer an den zahlreichen schönen Ufern eine optimale Gelegenheit, um sich abzukühlen. Für Badegäste birgt der Bodensee aber einige Gefahren – und das nicht etwa durch Weltkriegsbomben, wie sie ein Strandbad-Besucher entdeckt hatte, sondern durch natürliche Herausforderungen, die immer wieder selbst erfahrenen Schwimmern zum Verhängnis werden.

Bodensee: Schön, aber gefährlich - Wassertiefe und Temperatur machen Schwimmen zur Herausforderung

Dass man beim Schwimmen oder Baden in natürlichen Gewässern besser aufpassen muss als im künstlich angelegten Freibad-Becken, sollte eigentlich klar sein. Die besonders große Gefahr im Bodensee ergibt sich aber durch die zunächst flachen Uferbereiche, die stellenweise schlagartig steil abfallen. Solche Stellen lassen sich durch die unterschiedliche Farbgebung des Wassers bei einem vorsichtigen herantasten zwar erahnen, immer wieder werden Schwimmer aber davon überrascht. Dass die Leichen der Menschen, die im Bodensee ertrunken sind, oft nicht mehr an die Oberfläche gelangen, hat den Grund, dass der Wasserdruck bei Tiefstwerten von bis zu 250 Metern so stark ist, dass er die Körper unterhalb der Wasseroberfläche hält.

Mehrere Boote segeln vor Überlingen auf dem Bodensee, während im Hintergrund Konstanz und die Alpen zu sehen sind.
Der Bodensee ist ein beliebtes Reiseziel. Für Badegäste und Schwimmer birgt das große Binnengewässer aber einige Gefahren. © Felix Kästle/dpa

Zudem spielt auch die Kälte bei solchen Wassertiefen eine große Rolle, da diese den Verwesungsprozess von Leichen verlangsamt, der eigentlich dazu führt, dass die toten Körper nach oben getragen werden. Dem Extremsportler Paul Bieber, der im Februar 2022 im Bodensee den deutschen Rekord für die meisten Eismeilen gebrochen hatte, sollten demnach auch erfahrene Schwimmer nicht nacheifern. Oftmals geschehen die Unfälle am Bodensee und an anderen Badeseen nämlich auch aufgrund einer Selbstüberschätzung der Schwimmer. Die an den Bodensee angrenzenden Länder führen seit 1947 eine gemeinsame Vermisstenliste, die Personen beinhaltet, die mutmaßlich im See ertrunken sind.

Bodensee als Wasserversorger der Landeshauptstadt: Leichen haben keinen Einfluss auf Wasserqualität

Bereits im Jahr 2019 hatte der Dienststellenleiter der Wasserschutzpolizei in Friedrichshafen gegenüber der Bild erklärt, dass zum damaligen Zeitpunkt 99 mutmaßlich im Bodensee ertrunkene Personen auf der Liste geführt wurden. Inzwischen dürfte diese Zahl noch deutlich höher liegen, zumal auch die Corona-Pandemie die Zahl an Badeunfällen begünstigt hatte. Im August 2020 starben beispielsweise an einem Wochenende fünf Menschen in Badeseen in Baden-Württemberg. Auch ein im vergangenen Jahr veröffentlichtes Video von Bodensee Tourismus auf Tiktok spricht von über 100 Leichen im See.

„Ich komme beim Duschen oder Tee kochen bzw. allgemein kochen nicht um das Bodensee-Wasser herum, da ich in Stuttgart lebe“, kommentiert ein Nutzer unter das Video. „Ja, das ist extra für Stuttgart reserviert“, schreibt ein weiterer. Tatsächlich wird die Wasserversorgung für den Großteil der Landeshauptstadt aus dem Bodensee gespeist. Allerdings werde dieses Wasser zum einen durch Kläranlagen „gejagt“ und zum anderen hätten die mutmaßlich knapp über 100 Leichen im See aufgrund dessen Größe keinen Einfluss auf die Wasserqualität, wie ein Nutzer auf TikTok schreibt.

Beim Schwimmen und Baden im Bodensee gilt es also, Vorsicht walten zu lassen. Wer allerdings in den klar und deutlich eingezäunten Badebereichen bleibt, sich nicht zu weit auf den See hinauswagt und auch nicht zu tief nach unten taucht, kann gerade im Sommer den Bodensee in all seiner Schönheit genießen. Unsere Redaktion hat das „schwäbische Meer“ nämlich nicht umsonst in unsere Top 10 der schönsten Badeseen in Baden-Württemberg aufgenommen.

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