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Niedrigwasser im Bodensee: Gefahr für Bootsbesitzer – „Situation ist extrem“

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Von: Jason Blaschke

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Für viele Bootsbesitzer am Bodensee in Baden-Württemberg wird der niedrige Wasserstand zum Dilemma – sie müssen entscheiden, ob sie ihre Schiffe an Land holen.

Konstanz – Auch in Baden-Württemberg haben die Schüler endlich Ferien – und für viele Familien bedeutet das nach mehr als zwei Jahren Coronavirus Urlaub. Gerade in der jetzigen Energie- und Preiskrise erfreuen sich Ziele in Deutschland großer Beliebtheit – für viele ist der Bodensee hier eine wichtige Adresse. Doch als Badebesucher muss man im Moment vorsichtig sein, denn im Bodensee vermehrt sich die invasive Quagga-Muschel rasant.

Niedrigwasser am Bodensee hat fatale Folgen – erste Boote außer Wasser

Gefährlich, wie die zehn giftigsten Tier der Welt, ist die Muschel zwar nicht, doch ihre Schale ist scharf und kann zu Schnittwunden führen, in die Krankheitserreger eindringen können. Speziell an Stellen am Bodensee, wo das Wasser niedrig ist und die Schwimmer weiter in den See laufen müssen, ist die Gefahr von Muschelschnitten groß. Doch der niedrige Wasserstand ist nicht nur ein großes Problem mit Blick auf die Quagga-Muschel in Baden-Württemberg.

Auch die Bootsbesitzer am Bodensee macht der niedrige Wasserpegel infolge der extremen Hitze zu schaffen. Primär am Untersee reicht der derzeitige Wasserpegel nicht mehr aus, damit Boote anlegen können, mit fatalen Folgen. In Gaienhofen (Kreis Konstanz) hätten schon etwa 30 Bootsbesitzer ihre Schiffe an Land holen müssen, berichtet Hafenmeister Christof Stier auf SWR-Anfrage. In Ermatingen ergänzt Hafenmeister Horst Marquardt: „Die Situation ist schon extrem.“

NameBodensee
Fläche536 km²
Länge63 km
Mittlere Tiefe90 m
Breite14 km

Hafenmeister am Bodensee in Sorge: Kritische Pegelstände bald erreicht

Boote, die jetzt noch im Hafen lägen, hätten nur noch wenige Zentimeter Wasser unterm Kiel. Gerade für Familien, die jetzt erst in die Sommerferien starten, ist die Entwicklung ärgerlich. Viele hätten geplant, in den anstehenden Sommerferien mit ihren Schiffen auf den Bodensee hinauszufahren, erzählt Stier im SWR weiter. Viele Bootsbesitzer haben in Baden-Württemberg in der aktuellen Situation wenige Optionen.

Entweder, sie finden einen anderen Liegeplatz oder sie beenden die Bootssaison vorzeitig. Im Hafen von Ludwigshafen habe man schon Liegeplätze getauscht und Boote aus Häfen am Untersee aufgenommen, berichtet Hafenmeister Volker Herentrey im SWR. Doch auch hier, am oberen Bodensee, ist laut Herentrey bald der kritische Pegel erreicht. „Wenn das Seewasser noch zehn bis 15 Zentimeter zurückgeht, ist auch bei uns Schluss.“

Segel- und Motorboote liegen am Bodensee in einem Yachthafen
So viele Segel- und Motorboote wie auf der Fotoaufnahme liegen am Bodensee wahrscheinlich bald nicht mehr. © Felix Kästle/dpa

Zu wenig Wasser im Bodensee: Wetterprognosen machen kaum Hoffnung

Regen könnte Herentray zufolge Abhilfe schaffen. Kommt der nicht, muss auch in Ludwigshafen in etwa zwei Wochen begonnen werden, Boote an Land zu holen. Wie wahrscheinlich das Szenario ist, zeigt ein Blick auf die jetzigen Wetterprognosen für Baden-Württemberg. Meteorologin Corinna Borau prognostiziert für August „extremes Sommerwetter“, Temperaturen von 40 Grad seien nicht ausgeschlossen. Keine guten Nachrichten für die Bootsbesitzer.

Zumal schon ab Anfang August die Temperaturen rasant nach oben gehen sollen. Was das für die Wasserpegel am Bodensee heißt, kann erahnt werden. Laut der Landesanstalt für Umwelt in Baden-Württemberg liegt der Pegel (Stand, 28. Juli) mit 3,28 Meter weit unter dem langjährigen Mittelwert von 4,16 Meter. Am 26. Juli hatte der Wasserpegel am Bodensee sogar bloß 3,15 Meter betragen, heißt es in SWR-Berichten – ein historischer Tiefststand.

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