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Grundeinkommen-Experiment: Wegen großem Interesse können jetzt noch mehr Menschen teilnehmen

  • Valentin Betz
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Wissenschaftler wollen die Wirkung des bedingungslosen Grundeinkommens in einer Studie erforschen - und suchten dafür Bewerber. Doch mit dem Ansturm auf die begehrten Plätze hatten die Verantwortlichen nicht gerechnet.

  • Eine Studie zum bedingungslosen Grundeinkommen hat bereits nach drei Tagen die benötigte Bewerberzahl erreicht.
  • Jetzt wollen die Verantwortlichen erreichen, dass noch mehr Menschen an der Studie teilnehmen können.
  • In Deutschland zählt dm-Gründer Götz Werner zu den großen Befürwortern des Grundeinkommens.

Stuttgart/Berlin - Das bedingungslose Grundeinkommen gilt unter vielen Experten als Utopie. Das Problem bisher: Die Wissenschaft hat sich bisher nur theoretisch mit der Möglichkeit auseinandergesetzt, dass jeder Bürger monatlich einen festen Betrag ohne Gegenleistung zur Verfügung gestellt bekommt. Wirklich ausprobiert wurde das Grundeinkommen bisher nur in Experimenten mit eher kleinem Maßstab. Dabei hat dm-Gründer Götz Werner eine faszinierende Erklärung, warum das Grundeinkommen funktionieren würde.

Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), des Max-Planck-Instituts zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern an der Universität zu Köln und des Vereins Mein Grundeinkommen will jetzt Fakten schaffen. Wer in Deutschland wohnt, kann sich jetzt um 1.200 Euro Grundeinkommen im Monat bewerben. Das heißt, auch Menschen in Baden-Württemberg haben die Möglichkeit, drei Jahre lang monatlich 1.200 Euro mehr auf dem Konto zu haben.

Die Verantwortlichen der Studie wollten die 120 Teilnehmer auslosen, sobald sich eine Million Menschen angemeldet haben. Ursprünglich hatten sie sich dafür bis zum 10. November 2020 Zeit gelassen, damit das umfangreiche Experiment 2021 starten kann. Dabei hatten die beteiligten Forscher offenbar nicht mit dem enormen Interesse in der Bevölkerung gerechnet: Statt in drei Monaten hatten sich bereits nach drei Tagen genügend Interessenten angemeldet.

Interesse übersteigt Teilnehmerplätze: Studie für bedingungsloses Grundeinkommen in drei Tagen überrannt

Studie zum bedingungslosen Grundeinkommen: Das Interesse ist so groß, dass jetzt weitere Teilnehmerplätze geschaffen werden.

„Wir sind überwältigt von so viel Resonanz und Zuspruch. Mit so großem Interesse an unserer Studie hatten wir nicht gerechnet“, heißt es in einer Stellungnahme des Projektes. Eigentlich könnten die Wissenschaftler jetzt zufrieden sein und mit der Auslosung der 120 Teilnehmer beginnen, damit die Studie zum bedingungslosen Grundeinkommen starten kann. Aber der enorme Zuspruch brachte die Verantwortlichen zum Umdenken - und damit in Planungsnot.

„Gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung haben wir entschieden, dass die Bewerbungsphase wie geplant bis zum 10. November 2020 weiterläuft", so das Projekt. Insgesamt sollen dann auch mehr Teilnehmer für die Studie ausgewählt werden und die 1.200 Euro monatlich bekommen. Einziges Problem: Die Studie - und damit das Grundeinkommen, das die Teilnehmer erhalten - ist spendenfinanziert. Entsprechend müssen das DIW und das Max-Planck-Institut jetzt weitere Spender suchen.

Studienleiter Jürgen Schupp ist grundsätzlich aber sehr erfreut über das Interesse am bedingungslosen Grundeinkommen und sieht eine größere Anzahl Teilnehmer auch aus wissenschaftlicher Sicht positiv. „Das würde im Sinne der wissenschaftlichen Fundierung und der statistischen Präzision unseres geplanten Forschungsprojektes einen Gewinn darstellen", so Jürgen Schupp in einem Reaktionsvideo auf die erreichte Bewerberzahl.

Rubriklistenbild: © picture alliance/Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa

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