Teilnehmer für Studie gesucht

Wer in Deutschland wohnt, kann sich jetzt um 1.200 Euro Grundeinkommen im Monat bewerben

  • Valentin Betz
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Jeden Monat Geld verdienen, ohne Gegenleistung: Das bedingungslose Grundeinkommen ist bislang eine Utopie. Forscher wollen diese jetzt in einer Langzeitstudie untersuchen - und jeder kann sich bewerben.

  • Eine Langzeitstudie soll in Deutschland die Wirkung des bedingungslosen Grundeinkommens untersuchen.
  • 120 Teilnehmer sollen dafür drei Jahre lang monatlich 1.200 Euro bekommen - ohne Gegenleistung.
  • In Deutschland kämpft dm-Gründer Götz Werner* seit Jahren für das bedingungslose Grundeinkommen.

Berlin/Stuttgart - Jeden Monat 1.200 Euro überwiesen bekommen, ohne auch nur das Geringste dafür tun zu müssen: Für viele Menschen klingt das nach einer traumhaften, aber unrealistischen Vorstellung. Die Befürworter des sogenannten bedingungslosen Grundeinkommen wollen aber genau das.

Experten streiten sich schon lange um das Konstrukt, Kritiker befürchten, dass die Menschen durch ein so hohes, geregeltes Einkommen faul werden würden. Anders sieht das dm-Gründer Götz Werner, der wohl bekannteste Unterstützer des Grundeinkommens. Er fordert, dass der Staat allen Menschen mindestens 1.000 Euro im Monat zahlt.

Seit Jahren setzt sich dm-Gründer Götz Werner für das Grundeinkommen ein (BW24* berichtete). Der Unternehmer glaubt, dass die Menschen dadurch nicht faul würden, sondern dass ein Grundeinkommen Arbeit erst ermöglichen würde. Denn der Mensch braucht Arbeit zur Persönlichkeitsentfaltung und würde sich dann aus eigenem Antrieb engagieren - für Themen, die den persönlichen Leidenschaften entsprechen.

In kleinem Maßstab gab es bereits Experimente zur Wirkung des Grundeinkommens. Jetzt soll auch in Deutschland eine Studie zeigen, was ein Grundeinkommen mit den Menschen macht.

Grundeinkommen: Forscher suchen Teilnehmer für Studie - auch Menschen aus Baden-Württemberg

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) möchte gemeinsam mit dem Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern an der Universität zu Köln und dem Verein Mein Grundeinkommen herausfinden, ob Befürworter wie dm-Gründer Götz Werner mit ihren Hypothesen recht haben. Dazu möchten sie Menschen mit erstem Wohnsitz in Deutschland monatlich 1.200 Euro überweisen - drei Jahre lang.

Vertreter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), des Max-Planck-Instituts, dem Pilotprojekt „Mein Grundeinkommen“, und des Vereins „Mein Grundeinkommen“ bei der gemeinsamen Pressekonferenz zum Start einer Langzeitstudie zum Grundeinkommen. Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Die Forscher haben deshalb am Dienstag eine Bewerbungsseite gestartet. An der Langzeitstudie darf grundsätzlich jeder mitmachen, auch Menschen aus Baden-Württemberg. Bedingungen sind lediglich die Volljährigkeit und der erste Wohnsitz in Deutschland. Ein Auswahl- und Auslosungsprozess startet aber erst, wenn sich eine Million Menschen beworben haben. Am Mittwochmittag hatten sich bereits über 540.000 Menschen beworben. Ab Frühjahr 2021 sollen dann 120 Teilnehmer 1.200 Euro im Monat erhalten.

Grundeinkommen im Rahmen einer Langzeitstudie - Geld gibt es nicht ganz bedingungslos

Ganz bedingungslos ist das Grundeinkommen, das Teilnehmer im Rahmen der Langzeitstudie erhalten, allerdings dann doch nicht. Denn die Wissenschaftler erhoffen sich schließlich neue Erkenntnisse zu dessen Wirkung. Entsprechend werden die Teilnehmer regelmäßig vom DIW und dem Max-Planck-Institut zu Veränderungen in ihrem Alltag befragt. Der Fokus liegt dabei auf dem Arbeitsleben, den Finanzen, der Familie, sozialen Kontakten und Veränderungen der Psyche. Um das Stresslevel der Probanden zu messen, müssen diese auch Haarproben abgeben.

„Wir wollen wissen, was es mit Verhalten und Einstellungen macht und ob das Grundeinkommen helfen kann, mit den gegenwärtigen Herausforderungen unserer Gesellschaft umzugehen“, sagte Michael Bohmeyer, Initiator des Vereins Mein Grundeinkommen zur dpa.

Die Langzeitstudie ist die erste von insgesamt drei Phasen. Sollte die erste Phase eine positive Wirkung erzielen, sollen zwei weitere folgen. Phase zwei adressiert Menschen, die weniger als 1.200 Euro im Monat verdienen. Deren Einkommen wird dann auf 1.200 Euro aufgefüllt. In der dritten Phase werden alle Einkünfte zusätzlich zu den 1.200 Euro mit 50 Prozent besteuert und die Differenz ausgezahlt. Der Staat ist an der ersten Phase der Studie übrigens nicht beteiligt. Das Grundeinkommen für die 120 Teilnehmer finanziert sich ausschließlich durch Spenden. *BW24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Monika Skolimowska/dpa

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