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„Bedenkliche Entwicklung“: Baden-Württemberg bittet Bürger erneut um Stromreduzierung 

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Von: Nadja Pohr

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Windräder auf einem Feld, daneben die Warnung von TransnetBW
Das Unternehmen TransnetBW hatte die Bürger über die App „StromGedacht“ zur Stromreduzierung aufgerufen. Laut einer Sprecherin habe die Übertragungskapazität vom Norden in den Südwesten nicht ausgereicht. © Fotomontage BW24/dpa/ Jan Woitas/Screenshot Twitter/Christian Wolf

Der Stromnetzbetreiber TransnetBW rief die Bürger über eine App zur Stromreduzierung auf, da die Übertragungskapazität nicht ausreichte. Es ist bereits der zweite Aufruf innerhalb weniger Wochen.

Stuttgart - Noch im November und Dezember des vergangenen Jahres war die Angst vor größeren und regelmäßigen Stromausfällen in Baden-Württemberg und den anderen Bundesländern durch die Energiekrise groß. Einen totalen „Blackout“, wie viele Experten befürchteten, gab es glücklicherweise nicht. Doch am Sonntagabend (15. Januar) rief der Stromnetzbetreiber TransnetBW seine Kunden im Südwesten dazu auf, so wenig Energie wie möglich zu verbrauchen – es herrschte kurzzeitig ein Stromengpass.

„Angespannte Netzsituation in Baden-Württemberg“: Bürger sorgen sich über „bedenkliche Entwicklung“

Das Unternehmen TransnetBW, das seinen Sitz in Stuttgart hat, hatte die Bürger über die App „StromGedacht“ aufgerufen, von 17 bis 19 Uhr möglichst keine Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen zu nutzen und bei Geräten wie Laptops den Akku zu verwenden. Laut einer Sprecherin bestand zwar zu keiner Zeit die Gefahr eines Blackouts in Baden-Württemberg, dennoch musste man „mehr Maßnahmen ergreifen als üblich, um Netzstabilität zu gewährleisten“, sagte sie gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

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Einige Bürger in den sozialen Medien zeigten sich angesichts dieser Warnung besorgt. Immerhin war es im Südwesten bereits der zweite Aufruf zur Stromreduzierung: Am 7. Dezember schaltete die „Stromampel“ von TransnetBW schon einmal auf die erste Warnstufe. „Eine bedenkliche Entwicklung“, kommentierte ein Twitter-User. Für viele Nutzer im Netz sei dieser Fall ein klares Zeichen dafür, weiter auf Kernenergie zu setzen. Einige sahen es nicht ein, zu sparen. „Da wir ja kein Stromproblem haben, sollte man in Baden-Württemberg jetzt erst recht alle elektrischen Geräte laufen lassen!?“, schrieb ein User.

Windaufkommen im Norden belastete Übertragungskapazität in den Südwesten

TransnetBW verwies darauf, dass der Aufruf nicht einem Engpass zugrunde lag, sondern eine vorbeugende Maßnahme war – ein sogenannter Redispatch. Im Norden war laut einer Sprecherin im Laufe des Tages ein so hohes Windaufkommen erwartet worden, dass die Übertragungskapazität in den Südwesten nicht ausreichte. Redispatch-Maßnahmen gebe es immer mal wieder in unterschiedlichem Ausmaß. „Der schrittweise Ausstieg aus der Kernenergie und die vermehrte Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien wirken sich auf die Lastflüsse im Netz aus und führen dazu, dass Netzbetreiber häufiger als bisher Redispatch-Maßnahmen vornehmen müssen“, heißt es bei der Bundesnetzagentur.

Da der Netzausbau noch nicht so weit ist, gibt es häufiger Ungleichgewichte zwischen der hohen Erzeugung von Strom etwa aus Windkraft im Norden und dem Verbrauch im Süden. Das hat auch Folgen für den Geldbeutel: Denn die Kosten für den Redispatch werden den Angaben zufolge über die Netzentgelte umgelegt und kommen so über die Stromrechnung beim Endverbraucher an. Um den Bedarf in Baden-Württemberg zu decken und die Kosten zu reduzieren, wurde eben zur Stromreduzierung aufgerufen. Damit die Deckelung bewältigt werden konnte, bezog TransnetBW darüber hinaus auch Strom aus dem Ausland.

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